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Aktion

Gesicht zeigen gegen Rassismus im Sport

Drei deutsche Sportverbände starten gemeinsame Kampagne gegen Fremdenfeindlichkeit. Plakate sind bei Wettkämpfen zu sehen.
Von Heinz Gläser

Sie stehen ein für die Aktion gegen Fremdenfeindlichkeit (v. l.): Jonathan Horne, Marcel Nguyen und Yasin Ehliz Foto: DKV
Sie stehen ein für die Aktion gegen Fremdenfeindlichkeit (v. l.): Jonathan Horne, Marcel Nguyen und Yasin Ehliz Foto: DKV

Regensburg.Drei große nationale Sportverbände beziehen bei einem aktuellen gesellschaftspolitischen Thema Position: Gemeinsam mit dem Deutschen Turner-Bund (DTB) und dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) startet der Deutsche Karate-Verband (DKV) eine deutschlandweite Aktion gegen Rassismus. Unter dem Motto „Mit Stolz für Deutschland“ werben Jonathan Horne, amtierender Welt- und Europameister im Karate, Marcel Nguyen, der Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele 2012 im Turnen, sowie der Eishockey-Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele 2018, Yasin Ehliz, für die integrative Kraft des Sports.

Karate-Präsident Wolfgang Weigert Foto: Kraußer
Karate-Präsident Wolfgang Weigert Foto: Kraußer

Dass sich fremdenfeindliche Tendenzen in der Gesellschaft auch im Sport widerspiegeln, hatte zuletzt ein aufsehenerregender Vorfall im Deutschen Judo-Bund (DJB) gezeigt. Frank Möller (49), Vizeweltmeister von 1995 und Olympia-Dritter von 1996, soll in seiner Funktion als Trainer den deutschen Nachwuchs-Judoka Losseni Koné rassistisch beleidigt („Schnauze, Bimbo!“) und körperlich attackiert haben. Zeugen bestätigten den Vorfall, der sich im Oktober im Trainingslager im brandenburgischen Kienbaum zutrug. Möller, der den Vorfall ausdrücklich bedauert, wurde in der Folge vom Landessportbund Berlin von seinen Aufgaben entbunden und vom DJB für fünf Jahre für jegliche Trainer- oder Betreuertätigkeiten gesperrt.

Hoffnungsträger für Tokio

Die Kampagnen von DTB, DEB und DKV soll ein Zeichen setzen. „Unsere Sportarten sind von Toleranz, Respekt und insbesondere Offenheit geprägt und bieten Fremdenfeindlichkeit in jedweder Form keinen Platz. Karate ist eine weltumspannende Sportart, die hierzulande eindrucksvoll unter Beweis stellt, wie Integration gelingen kann“, betont Wolfgang Weigert, der deutsche Karate-Präsident aus Donaustauf im Landkreis Regensburg. Die Plakate werden nun bei offiziellen Veranstaltungen der drei Verbände – wie Länderkämpfen und Meisterschaften – zu sehen sein.

Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) Foto: Tobias Hase/dpa
Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) Foto: Tobias Hase/dpa

Der gebürtige Kaiserslauterer Jonathan Horne, das sportliche Aushängeschild des deutschen Karatesports und ein Hoffnungsträger für die Sommerspiele in Tokio, ist Sohn einer Deutschen und eines Amerikaners, der bei der US-Army in Rheinland-Pfalz stationiert war. Der Münchner Marcel Nguyen hat einen vietnamesischen Vater. Yasin Ehliz kam in Bad Tölz zur Welt und hat türkische Wurzeln. Er spielt aktuell für den DEL-Tabellenführer EHC Red Bull München.

Die bundesweite Kampagne hebt laut Weigert auch die Bedeutung der Zugehörigkeit zur Nationalmannschaft hervor. Nur wer den Bundesadler auf seinem Trikot trage, sei ein offizieller Repräsentant des deutschen Sports – national wie international. Auf diesen Aspekt weist insbesondere der DKV hin, der als einziger Fachverband für Karate vom Dachverband Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) anerkannt wird.

„Hat gesellschaftliches Gewicht“

„Diese Kampagne gegen Rassismus bündelt drei Sportfachverbände mit insgesamt mehr als fünf Millionen Mitgliedern. Das hat gesellschaftliches Gewicht“, sagt Initiator Weigert. Der Donaustaufer, der im Karate-Weltverband als Vizepräsident fungiert, peilt bereits eine zweite Auflage für den Herbst dieses Jahres an, für die er weitere Sportverbände ins Boot holen will. Vorerst geht die Aktion auf Bayern zurück. Denn im Freistaat leben auch Weigerts Präsidentenkollegen, Turnerchef Dr. Alfons Hölzl aus Regensburg, und Franz Reindl, der dem deutschen Eishockey vorsteht.

Dr. Alfons Hölzl, Chef der deutschen Turner Foto: Petra Schmid
Dr. Alfons Hölzl, Chef der deutschen Turner Foto: Petra Schmid

Rund ein Fünftel der etwa 150 000 Karatesportler hierzulande hat ausländische Wurzeln. Der DKV geht beim Thema Integration auch in anderen Bereichen voran. Bei den Sommerspielen in Tokio wird mit dem Segen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wie schon vor vier Jahren in Rio de Janeiro ein Flüchtlingsteam am Start sein. Als heißer Kandidat für dieses Team gilt der Karateka Wael Shueb, der 2015 aus Syrien nach Deutschland geflüchtet war.

Jonathan Horne (l.) peilt eine Medaille in Tokio an. Foto: Javier Soriano/afp
Jonathan Horne (l.) peilt eine Medaille in Tokio an. Foto: Javier Soriano/afp

Jonathan Horne ist derweil seinem Ziel Tokio wieder ein Stück näher gekommen. Karate feiert bei den Sommerspielen 2020 seine Premiere auf der olympischen Bühne, und die Qualifikation ist international hart umkämpft. Nach drei 1:0-Erfolgen, unter anderem gegen seinen direkten Mitbewerber um eines der begehrten Olympia-Tickets, Gogita Arkania aus Georgien, hatte der 30-Jährige aus Kaiserslautern das Finale erreicht. Dort war jedoch der Iraner Sajad Ganjzadeh beim 2:0 den einen Tick besser als der Welt- und Europameister, der den Kampf um Platz eins aufgrund einer Verletzung gehandicapt bestritten hatte.

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