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Radsport

Grünes Licht für die Bahn-WM

Henri Uhlig vom RSC Kelheim verstärkt den deutschen Vierer bei der WM in Aigle. Ziel ist ein neuer deutscher Rekord.
Von Angelika Sauerer

  • Henri Uhlig aus Hagelstadt wurde für die Junioren-Bahn-WM nachnominiert. Bruder Oscar Uhlig (rechts) drückt ihm die Daumen. Foto: Birgit Uhlig
  • Henri Uhlig bei der Deutschen Meisterschaft im Punktefahren 2018 Foto: Uhlig

Hagelstadt.Henri Uhligs Sport ist das Radfahren. Doch zuletzt muss sich der 17-jährige Hagelstädter, der für den RSC Kelheim startet, vorgekommen sein wie in einer Achterbahn: Erst wurde er für die Bahn-WM nicht berücksichtigt, obwohl er sich qualifiziert hatte. Er plante daher Straßenrennen, um in der Bundesliga anzugreifen und sich die Führung zurückzuholen. Doch dann wurde er plötzlich nachnominiert. Nun springt er für den verletzten Milan Henkelmann ein und verstärkt den deutschen Vierer bei den UCI-Bahn-Weltmeisterschaften der Junioren vom 15. bis 19. August im schweizerischen Aigle.

„Da war ich dann erst mal sehr überrascht“, erzählt Henri Uhlig am Telefon. Er ist seit mehr als einer Woche mit dem deutschen Team unterwegs, erst beim Vorbereitungslehrgang in Frankfurt/Oder, dann flogen sie in die Schweiz. „Natürlich habe ich mich total gefreut.“ Die WM-Teilnahme hat für ihn einen ähnlich hohen Stellenwert wie die Olympischen Jugendspiele in Ungarn vor einem Jahr. Zugesagt hat der MZ-Jugendsportler des Jahres 2017 allerdings nicht sofort. „Ich habe erst mal zwei, drei Stunden darüber nachgedacht“, erklärt Henri, der in dieser Saison neu bei den Junioren ist. Nach dem Gespräch mit Vater Steffen Uhlig, genannt Uhu, der seine Söhne Oscar (18) und Henri trainert, war klar: grünes Licht für die WM.

Lesen Sie auch: Die Uhlig-Brüder vom RSC Kelheim jagen von Rennen zu Rennen. Oscar feiert seinen bisher größten Erfolg, Henri löst EM-Ticket.

Odyssee mit der Bahn

Nach der Achterbahnfahrt der Gefühle folgte auch noch eine Odyssee mit der Bahn. Henri Uhlig wollte mit dem Zug nach Frankfurt/Oder anreisen. Das Bahnrad hatte er auseinandergebaut bei sich. Beim Umsteigen in den ICE in Nürnberg aber wiesen ihn die Schaffner zurück. Das Rad hätte in eine extra Tasche gepackt werden müssen, hieß es, nur so könne er mitfahren. Alles diskutieren und erklären half nichts: Der Junioren-Nationalfahrer durfte nicht in den Zug. „Da stand ich dann in Nürnberg am Bahnhof, obwohl ich sogar einen Platz im Zug gebucht hatte“, erzählt Henri. Die Fahrkarte wurde nicht erstattet, er bekam nur einen 20-Euro-Gutschein. Und er musste in Nürnberg ausharren, bis ihn sein Vater abholte und mit dem Auto in den äußersten Osten Deutschlands fuhr.

„Wir wollen mindestens unter die besten acht kommen.“

Henri Uhlig

Für die WM hat sich Henri Uhlig mit seinen Teamkollegen in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung hohe Ziele gesteckt. „Wir wollen mindestens unter die besten acht kommen“, sagt er. Nach der Qualifikation fahren acht Teams die sogenannte 1. Runde, die besten vier davon gestalten dann das Finale. Die Konkurrenz ist hart. Die Briten, Russen, Neuseeländer und Dänen hatten in den letzten Jahren die stärksten Teams am Start. „Außerdem wollen wir einen neuen deutschen Rekord aufstellen“, erklärt Henri Uhlig. Die anvisierte Bestmarke liegt bei 4:07,97 Minuten und stammt von 2011.

Bahn-Vierer

  • Die Mannschaftsverfolgung

    über die Distanz von 4000 Metern gilt als Königsdisziplin des Bahnradsports.

  • Die Fahrer

    müssen extrem gut aufeinander abgestimmt sein, um Führungswechsel und enges Hinterradfahren perfekt hinzukriegen.

  • Die Zeit

    wird gemessen, wenn der dritte Fahrer durchs Ziel ist. Einer kann sich also voll auspowern und dann zurückfallen lassen.

Ob das klappen wird, hängt auch davon ab, wie gut sich der 17-Jährige, der in diesem Jahr die Schule mit der Mittleren Reife abgeschlossen hat, in die Mannschaft einfügt. Das sei schon ganz schön krass, sich in ein eingespieltes Team, das seit acht Monaten zusammen trainiert, zu integrieren, sagt Henri Uhlig. „Aber meine Beine sind gut, die Form passt.“ Auch Helmut Taudte (Bundestrainer Bahnrennsport Junioren Ausdauer) gebe ihm ein positives Feedback. Umgekehrt hat Henri ebenfalls das Gefühl, mit den Anforderungen problemlos zurechtzukommen. „Wir fahren viele Intervalle“, erzählt er. Die Belastung während der Vorbereitung sei sehr hoch gewesen. Darauf folgten dann in der Schweiz zwei Ruhetage, bevor es wieder auf die Bahn ging.

Erst WM, dann DM, dann EM

Auf dem Plan stehen nach der Bahn-WM weitere spannende Rennen für den Radsportler. Nach der Mannschaftsverfolgung mit dem deutschen Vierer düst Henri Uhlig nach Hamburg zur Deutschen Juniorenmeisterschaft im Einzelzeitfahren, bei der auch sein Bruder Oscar sowie Linus Rosner aus Regensburg (Veloclub Ratisbona) antreten. Danach geht es zurück nach Aigle, wo ab 21. August im Velodrom des Centre Mondial du Cyclisme auch die Bahn-EM ausgetragen wird. Währenddessen kann er zwar in der Bundesliga keine Punkte sammeln, „aber das muss man dann halt akzeptieren“, sagt Henri.

Angelika Sauerer hat die beiden Uhlig-Brüder 2017 vor den EYOF-Sommerspielen auf einer Trainingsrunde begleitet. Hier geht es zu ihrem Text.

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