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Mittwoch, 26. September 2018 18° 1

Eishockey

Halle zeigt Respekt vor den Eisbären

Am Freitag starten die Playoffs – das Prunkstück des Vizemeisters aus dem Norden ist die Defensive.
Von Mario Schoppa

Halle.Die letzten Entscheidungen fielen am vergangenen Sonntag, nun stehen die Playoff-Duelle fest. Die Eisbären Regensburg treffen als Siebter der Abschlusstabelle der Oberliga Süd auf den Vizemeister aus dem Norden, die Saale Bulls vom Mitteldeutschen Eishockeyclub aus Halle.

Trainiert wird das Team aus der Händelstadt von Dave Rich, der seine Vergangenheit im Süden der Republik als Spieler (Amberg, Selb) und Trainer (unter anderem in Füssen, Bad Tölz und Sonthofen) als großen Vorteil vor dem Beginn der entscheidenden Saisonphase am Freitag in die Waagschale wirft: „Ich kenne den Süden wohl besser als jeder Trainer aus dem Norden, ich war insgesamt zwölf Jahre dort unten aktiv“, sagt der 48-jährige Kanadier, der sich akribisch auf die Duelle mit den Eisbären vorbereitet: „Ich habe mit drei Trainern aus dem Süden telefoniert und mir viele Videos angeschaut. Die Endplatzierung von Regensburg sagt nichts aus, es wird für uns nicht einfach werden.“

Das Team kommt in Fahrt

Halles Trainer Dave Rich rechnet mit „heißen Playoffs“. Foto: Stefan Röhrig
Halles Trainer Dave Rich rechnet mit „heißen Playoffs“. Foto: Stefan Röhrig

Einfach war es auch nicht für seine Mannschaft, die ähnlich wie die Eisbären eine durchwachsene Hauptrunde absolvierte und sich erst am letzten Spieltag als Siebter überhaupt noch für die Teilnahme an der Meisterrunde qualifizieren konnte. Doch dann drehte das Team aus Sachsen-Anhalt richtig auf, blieb in den folgenden 18 Partien nur viermal ohne Punkte und sicherte sich im Norden hinter der dominierenden Mannschaft, den Trappers aus Tilburg, die Vizemeisterschaft. Das Prunkstück der Bulls ist zweifelsohne die Verteidigung, die sich mit 111 Gegentoren als zweitbeste der Nordstaffel auszeichnen konnte.

Aktivstützen im Defensivverbund sind der 28-jährige Kanadier Steven Tarasuk, mit 25 Assists bester Vorbereiter der Hallenser, sowie Jan-Niklas Pietsch (26), mit zwölf Toren offensivstärkster Defender im Trikot der Mannschaft von der Saale. Für die physische Komponente sorgt Kapitän Kai Schmitz, der auch handfesten Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg geht und kompromisslos vor den beiden Torhütern Patrik Cerveny und Kevin Beech agiert, wobei Beech mit durchschnittlich nur 2,5 Gegentoren pro Partie eine absolute Bank und statistisch der zweitbeste Torwart der Nord-Liga ist. Und auf eben diese beiden Mannschaftsteile, Goalies und Verteidigung, wird es laut Gäste-Trainer besonders ankommen: „Wir müssen absolut diszipliniert spielen. Regensburg hat das beste Überzahlspiel im Süden und agiert dort überragend“, sagt Rich, der in Tomas Gulda den „absoluten Schlüsselspieler in Überzahl“ ausgemacht hat.

Angreifer Nathan Robinson mit meister Erfahrung

Aber auch andere Spieler („das Team hat auf dem Papier lauter gute Namen“) könnten für Rich den Unterschied ausmachen. „Regensburg hat mit Nikola Gajovský und Arnoldas Bosas sehr gute Ausländer im Kader, auch die beiden Deutsch-Kanadier Peter Flache und Jason Pinizzotto verfügen über sehr viel Erfahrung. Mehr, als wir haben.“ Über die meiste Erfahrung verfügt ohne Zweifel Angreifer Nathan Robinson. Der 36-jährige, NHL-erprobte Kanadier (Boston, Detroit) stand über 380 Mal in der DEL seinen Mann und konnte seiner beeindruckenden Vita drei Meistertitel mit Berlin und Mannheim hinzufügen.

„Regensburg hat mit Nikola Gajovský und Arnoldas Bosas sehr gute Ausländer im Kader, auch die beiden Deutsch-Kanadier Peter Flache und Jason Pinizzotto verfügen über sehr viel Erfahrung. Mehr, als wir haben.“

Saale-Bulls-Trainer Dave Rich

16 Tore machen Robinson, der verletzungsbedingt nur 26 Spiele absolvieren konnte, aber rechtzeitig zum Playoff-Start wiedergenesen ist, zum zweitbesten Torjäger des Mitteldeutschen Eishockeyclubs und mit durchschnittlich 1,5 Zählern pro Partie zum effektivsten Spieler. Die individuellen Fähigkeiten und Geniestreiche des Angreifers können Spiele entscheiden und den Unterschied ausmachen.

Nathan Burns ist der Top-Scorer

Die offensive Durchschlagskraft in Form von Toren hingegen gehört in dieser Spielzeit nicht zu den Stärken des MEC. Mit lediglich 144 erzielten Treffern weist man von allen Playoff-Teilnehmern aus dem Norden die zweitschlechteste Offensive auf, dafür ist die Ausgeglichenheit der große Trumpf der Hallenser. Das Fehlen eines echten „Snipers“ wird durch das Kollektiv aufgefangen, die Last des Punktens auf viele Schultern verteilt. So haben schon sieben Spieler 30 und mehr Scorerpunkte sammeln können. Top-Scorer in den Reihen der Saale Bulls ist der 24-jährige Nathan Burns mit 38 Zählern. Der zuvor zwei Jahre inaktive Deutsch-Kanadier überzeugt durch seine Übersicht und ist mit 31 Beihilfen bester Vorbereiter.

So unterschiedlich die Zahlen und Vorzeichen vor dem ersten Aufeinandertreffen beider Vereine in einem Pflichtspiel überhaupt auch sind (das bislang einzige Freundschaftsspiel konnten die Eisbären im September 2016 in Halle mit 3:2 nach Penaltyschießen für sich entscheiden), eines steht für Halles Coach bereits fest: „Es wird sehr schwer werden. Ich rechne mit heißen Playoffs und denke, dass am Ende der Heimvorteil den Unterschied ausmachen wird, wahrscheinlich sogar erst im fünften Spiel“, sagt Dave Rich. „Aber wir werden vorbereitet sein.“

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