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Bundesliga

Handregel sorgt für Unverständnis

Trotz Präzisierungen und Schulungen gibt es wieder „Diskussionen ohne Ende“. Und Steffen Baumgart schreibt Geschichte.
Von Ulli Brünger, Ulrike John und Carsten Lappe

Sascha Stegemann nahm in Hoffenheim einen Treffer der Bremer wegen Handspiels zurück. Foto: Weber/Eibner
Sascha Stegemann nahm in Hoffenheim einen Treffer der Bremer wegen Handspiels zurück. Foto: Weber/Eibner

Gelsenkirchen.Allen Präzisierungen und intensiven Schulungen der Beteiligten zum Trotz sorgt die Handregel auch nach der Modifizierung in der Fußball-Bundesliga für Diskussionen und Unverständnis. Zwei umstrittene Entscheidungen beim Topspiel zwischen dem FC Schalke 04 und Bayern München (0:3) hinterließen nicht nur beim ehemaligen Fifa-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer „ein ungutes Gefühl“. Schalkes Trainer David Wagner wurde deutlicher. „Aus meiner Sicht hätten wir zwei Handelfmeter bekommen müssen. Ganz ehrlich: Auf die Erklärung bin ich gespannt“, sagte der 47-Jährige.

Als Ausrede für die Heimpleite wollte Wagner seine Kritik aber nicht verstanden wissen. „Deshalb haben wir nicht das Spiel verloren.“ „Hier hatte Schalke Pech“, schrieb Kinhöfer in seiner Kolumne in der „Bild am Sonntag“ und gab zu: „Es hätte auch durchaus Argumente für ein strafbares Handspiel gegeben. Was mich stört: Es herrscht ein Ungleichgewicht zwischen Angreifer- und Verteidiger-Handspiel – und das bringt wieder Diskussionen ohne Ende.“

Kein Signal aus Köln

Wann ein Handspiel strafbar ist und wann nicht – das ist nach wie vor die zentrale Frage. Und es liegt weiterhin im Ermessen des Referees auf dem Platz, ob er sich zweifelhafte Szenen noch einmal anschaut, um seine erste, spontane Entscheidung noch einmal zu überprüfen. Auf Schalke bekam Bayerns Benjamin Pavard – mit dem Rücken zum Spielfeld – einen Kopfball von Matija Nastasic (58.) an den abgespreizten Arm. Fünf Minuten später lenkte Ivan Perisic in der Mauer hochspringend mit dem Unterarm einen Freistoß von Daniel Caligiuri ins Toraus. Beide Male gab es keinen Elfmeter.

Schiedsrichter Marco Fritz aus Korb sah sich die Szenen trotz Rücksprache mit dem Video-Assistenten Bastian Dankert (Rostock) nicht noch einmal selbst in der Wiederholung am Spielfeldrand an. Fritz rechtfertigte sich anschließend damit, dass er aus Köln nicht das Signal bekommen habe, dass es sich um eine eindeutige Fehlentscheidung gehandelt habe.

Doch dies sorgte für Unmut bei den Betroffenen. Sogar der völlig unbeteiligte Gladbacher Trainer Marco Rose äußerte im „Sportstudio“ des ZDF Unverständnis: „Wenn man da nicht mindestens rausgeht und es sich noch mal anschaut, dann verstehe ich den Sinn des Videoschiedsrichters auch nicht“, sagte der Borussen-Coach.

Lutz-Michael Fröhlich pflichtete ihm bei. „Bei Perisic geht der Arm zum Ball, bei Pavard sehe ich das nicht ganz so. Von der Überzeugungskraft und der Außenwirkung wäre es aber wahrscheinlich am besten gewesen, wenn er sich noch mal selbst ein Bild gemacht hätte“, räumte der DFB-Schiedsrichterchef im „Doppelpass“ auf Sport1 ein. Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider blieb eher zurückhaltend als anklagend: „Der Schiedsrichter hat beide Szenen nicht für elfmeter-würdig empfunden. Aus Köln kam kein Signal. Das müssen wir so hinnehmen.“

Erstmals Gelb für einen Trainer

Richtig machte es Referee Sascha Stegemann bei der Partie der TSG 1899 Hoffenheim gegen Werder Bremen. Weil Werder-Torjäger Niclas Füllkrug vor seinem vermeintlichen zweiten Tor zum 2:2 in Sinsheim den Ball mit der Hand berührt hatte, nahm Stegemann den zunächst gegebenen Treffer nach Aufforderung aus Köln und eigenem Studium der TV-Bilder wieder zurück. „Korrekt – und im Prinzip auch eine gute Sache“, wertete Kinhöfer. „Die neue Regel schafft klare Voraussetzungen. Alle wissen nun, woran sie sind.“

Füllkrug zumindest wusste es nicht so genau. „Wie das Regelwerk wieder verändert wurde, ist wieder eine Sache, die den Fußball meiner Meinung nach noch ein Stück mehr verschlechtert. Ich kann es nicht nachvollziehen. Aber laut dem Regelwerk ist es kein Tor“, sagte der Stürmer dem TV-Sender Sky.

Derweil hat Steffen Baumgart als Trainer des SC Paderborn Bundesliga-Geschichte geschrieben. Bei der 1:3-Niederlage gegen den SC Freiburg sah er als erster Chefcoach bei einem Spiel der höchsten deutschen Spielklasse die Gelbe Karte. Aus Protest gegen eine Entscheidung von Schiedsrichter Tobias Welz hatte Baumgart in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit wütend seine Mütze weggeworfen.

„Wir wollen mit Emotionen da sein, und so werden die Emotionen weggenommen“, sagte der 47-Jährige in einem Sky-Interview. „Langsam werden wir schwachsinnig. Wenn man von uns draußen erwartet, dass wir ruhig sind, dann werde ich öfter eine Gelbe Karte bekommen.“ Seit dieser Saison können in der Bundesliga auch Trainer verwarnt werden. Vier Gelbe Karten ziehen automatisch eine Sperre von einem Spiel nach sich.

Der FCA und die kleinen Schritte

  • Remis:

    Nach der 1:5-Klatsche in Dortmund war der FC Augsburg mit dem 1:1-Unentschieden gegen Union Berlin gar nicht so unzufrieden. „Ein Punkt ist mal gut“, sagte Neuzugang Stephan Lichtsteiner.

  • Verstärkungen:

    Mit Außenverteidiger Lichtsteiner und dem von Bayer Leverkusen verpflichteten Innenverteidiger Tin Jedvaj ist die Augsburger Abwehr auf den letzten Drücker klug verstärkt worden. „Das sind ganz wichtige Spieler für uns“, urteilte Manager Stefan Reuter.

  • Kader:

    „Jetzt haben wir einen tollen, kompakten Kader“, sagte Martin Schmidt. Für den Trainer war das Remis im Grunde zu wenig, aber unter dem Strich „gerecht“. Nach dem Platzverweis für Unions Keven Schlotterbeck (84.) wäre Alfred Finnbogason in der Nachspielzeit fast noch das Siegtor gelungen.„Die Schritte sind klein, wir machen sie und irgendwann wird etwas Großes daraus“, sagte Schmidt. (dpa)

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