mz_logo

Sport
Mittwoch, 18. Juli 2018 29° 6

Basketball

Happy Birthday, Dirk Nowitzki!

Von einem Bayer, der auszog und die Vereinigten Staaten von Amerika eroberte. Ein Glückwunsch zum 40. Geburtstag.
Von Jürgen Scharf

Dirk Nowitzki wird am 19. Juni 40 Jahre alt. Foto: dpa
Dirk Nowitzki wird am 19. Juni 40 Jahre alt. Foto: dpa

Regensburg.Manchmal frage ich mich immer noch: Ist er es wirklich? Ist dieser zwar nicht mehr so ganz junge, aber wirklich auch noch nicht ganz so alte Mann wirklich einer der besten Basketballer der Welt? Wenn er etwa mit diesem leicht humpeligen und schaukelnden Gang in den Raum kommt und dabei so vorsichtig auftritt, als ob jeder Schritt ein großer Schmerz wäre. Wenn er beim Prominenten-Fußballspiel hüftsteif einer Flanke hinterherfällt. Oder wenn er im Sportstudio bei der Demonstration seines Wurfstils aus zwei Metern mit einem Korbversuch scheitert.

Manchmal, da wundere ich mich immer noch, wie das alles kommen konnte. Dass ein langer Schlacks aus dem unterfränkischen Würzburg mit Anfang zwanzig in die Vereinigten Staaten von Amerika fliegt und zu einem großen Basketball-Star wird. Dass er nicht aufgegeben hat, obwohl er in seinem ersten Jahr eigentlich am liebsten alles hingeschmissen hätte und zurückgeflogen wäre. Dass er stattdessen immer und immer wieder den perfekten Wurf geübt hat – bis dieser perfekt war.

Manchmal, da erinnere ich mich mit Schrecken an die Siegesfeier der Dallas Mavericks nach der Meisterschaft 2011. Als dieser große blonde Mann im weißen T-Shirt alle Hemmungen fallen ließ, sich ein Mikrofon nahm und versuchte das Lied „We are the champions“ zu singen. Ein Versuch, den später beim Empfang im Weißen Haus der damalige US-Präsident Barack Obama als „most painful thing“ beschrieb.

Manchmal, da will ich auch so sein wie er. Ich will auch so groß sein. Ich will auch von jedem auf der Straße erkannt werden. Ich will den Ball auch so werfen können. Ich will das viele Geld haben und die vielen Fans. Ich will auch vorbeiwerfen und dann einfach weitermachen.

Dirk Nowitzkis Karriere in Bildern:

Nowitzki wird 40: Eine Karriere in Bildern

Manchmal, da denke ich daran, wie einfach alles sein kann. Dass es nicht immer darum gehen muss, wie viel ein Sportler verdient und ob er es verdient, so viel zu verdienen. Sondern, dass ein Sportler auch mal unverkrampft davon erzählen darf, wie es ist, einen eigenen Koch im Haus zu haben. Oder dass er bei der Vertragsverlängerung auf viel Geld verzichtet, aus dem ganz einfachen Grund, weil er es kann. Und dass es eigentlich ganz lustig ist, wenn ein Multi-Millionär zu Besuch nach Hause kommt und nicht weiß, wie man in Deutschland Geld abhebt und deswegen von seiner Mutter Taschengeld bekommt.

Manchmal, da hoffe ich darauf, dass er ewig weiterspielen wird. Dass er ewig ein kleines Stück nach hinten von seinem Gegenspieler wegspringen wird und dieser immer und immer wieder vergeblich versuchen wird, an den Ball zu kommen. Und dass er ewig den Ball hoch in die Luft werfen wird, und ganz am Ende der Ball zielgenau im Korb einschlagen wird.

Manchmal, da rechne ich im Stillen und in glücklicher Erwartung durch, wie viele Punkte es jetzt noch sind, bis er Wilt Chamberlain überholt hat. Bis er nicht mehr nur der unglaubliche sechstbeste Punktesammler der NBA-Geschichte ist, sondern der völlig unglaubliche fünftbeste. Und gleichzeitig rechne ich in dunkler Vorahnung damit, dass er vielleicht doch nur der sechstbeste bleiben wird, da LeBron James einfach nicht zu stoppen ist und ihn überholen wird.

Manchmal, da kommt er wieder hoch, der Groll auf das deutsche Fernsehen, das uns immer so wenig von den Auftritten des „German Wunderkind“ in der NBA gezeigt hat.

Und manchmal, da schiebe ich in meiner geheimen, ganz persönlichen Rangliste die Namen der Großen hin und her. Dann frage ich mich: Wer ist denn nun der größte deutsche Sportler aller Zeiten? Max Schmeling, Franz Beckenbauer, Michael Schumacher, Boris Becker, oder doch er, der deutsche Superstar der NBA? Und dann sage ich mir gleich wieder, dass das alles dummes Zeugs ist. Dass es egal ist. Dass es nicht den einen Größten gibt. Und dass es den auch gar nicht braucht. Selbst wenn einer davon 2,13 Meter groß ist.

Weitere Sportnachrichten gibt es hier

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht