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Leichtathletik-WM

Harrers Welt ist „nicht mehr normal“

Die Regensburgerin Läuferin erlebt die WM im Zwiespalt. Inzwischen ist sie nachträglich Final-Teilnehmerin bei Olympia 2012.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Seit vergangener Woche darf sich Corinna Harrer als Olympia-Finalistin 2012 fühlen.
Seit vergangener Woche darf sich Corinna Harrer als Olympia-Finalistin 2012 fühlen. Foto: dpa

Regensburg.Es sind schwere Zeiten für Corinna Harrer. Und sie sind es beileibe nicht nur, weil trotz der Behandlungsfortschritte bei Eden Reha nach ihrer Achillessehnenverletzung längst nicht feststeht, ob die Regensburgerin von der LG Telis Finanz Regensburg ihre Laufkarriere tatsächlich fortsetzen kann, geschweige denn nochmal Olympia erleben darf.

2012 hatten der 24-Jährigen damaligen Senkrechtstarterin 23 Hundertstel zum Einzug in das Finale von London gefehlt – offiziell zumindest. Seit vergangener Woche ist sie eine nachträgliche Teilnehmerin eines Endlaufs, in dem sie nie stand. Nach der Russin Kostetskaya wurde zuletzt die Türkin Alptekin wegen Dopings aus dem Verkehr gezogen. „Was in der Mittelstrecken-Welt abgeht, ist nicht mehr normal“, sagt Harrer. „Vielleicht ist das ja gerade ein guter Zeitpunkt für Abstand. Ich weiß gar nicht, ob ich mich auf die Bahn stellen wollen würde.“ Harrer versucht lustig zu formulieren, was für sie alles andere als lustig ist: „Wenn’s so weitergeht, kriege ich am Ende noch eine Olympia-Medaille.“ Ihren Trainer Kurt Ring macht der Lebenstraum, für den sich vielleicht nur einmal die Chance ergibt, längst fuchsteufelswild. Zumal sich die Dinge bei der WM in Peking wiederholen können: „Unsere liebe Russin“ (Harrer) Tatjana Tomaschowa, übrigens London-Vierte, könnte wegen der Nachtests alter Proben mit neuen Methoden dieser Tage eine Strafe ereilen. Sie qualifizierte sich in China als eine der beiden Zeitschnellsten fürs Finale und wurde Zehnte. „Dass man das nicht in einem Schnellverfahren vor der WM klärt, ist unmöglich“, schimpft Harrer.

Auch wenn das Studium der Fernsehbilder des Peking-Finales im Elternhaus in Wenzenbach mit der äthiopischen Siegerin und Fabel-Weltrekordlerin Genzebe Dibaba in 4:08,09 Minuten über 1500 Meter (weit über der deutschen Norm übrigens) noch am wenigsten abschreckend war, überlegt Harrer einen Wechsel auf die 10 000 Meter, wo ihr die Zeiten weniger verdorben scheinen. „Ich habe mir das 10 000-Meter-Finale dreimal angeschaut und und denke mir: Warum ist es da nicht so?“

Corinna Harrer ist weit weg vom Geschehen – und doch mittendrin. „Ich werde jeden Tag bei der Reha darauf angesprochen, was ich von dem Ganzen halte“, sagt sie. „Theoretisch müsstest du zu einem Anwalt gehen. Durch das verpasste Finale 2012 habe ich bestimmt 10 000, 15 000 Euro verloren. Für einen Leichtathleten ist das durchaus existenziell. Aber da müsstest du ja wohl die halbe Welt verklagen“, sagt Harrer, die wenig Hoffnung auf eine dopingfreie Zukunft hat. „Wie soll man das noch regulieren? Und wie krank muss man sein, um so zu denken? Für mich hat Sport immer noch auch etwas Ethisches.“

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