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Sonntag, 19. August 2018 31° 3

Sparkassen-Gala

Höhenflüge und ganz viele Tränen

Corinna Harrer und Maren Orth sagen bei der Sparkassen-Gala adieu. Und Sprint-Talent Katrin Fehm hat unverhofft EM-Chancen.
Von Claus-Dieter Wotruba

  • Würdiger Rahmen für zwei Laufgrößen der LG Telis Finanz: Kurt Ring verbabschiedete Maren Orth (links) und Corinna Harrer. Foto: Brüssel
  • Warmlaufen für die 5000 Meter: Florian Orth. Foto: Brüssel

Zwei Telis-Grössen nehmen Abschied, Präsident wird 66

Mittendrin flossen die Tränen – und zwar jede Menge. Corinna Harrer hatte kurz vor der Sparkassen-Gala verkündet, aus gesundheitlichen Gründen Abschied von der Bahn zu nehmen. Maren Orth, ehemals Kock, hatte das schon im vergangenen Dezember getan. Jetzt bekamen die EM-Sechste von Amsterdam 2016 und die Olympia-Halbfinalistin von London 2012 eine würdige Verabschiedung über 15 Minuten. Arm in Arm verfolgten Harrer und ihr Trainer Kurt Ring noch einmal den Olympia-Auftritt auf der Leinwand. Harrer erinnerte sich schluchzend an die vielen schönen Momente im Unistadion, wo sie immer wieder glänzen hatte können und es so zusammenfasste: „Olympia war toll, Europameisterschaft war toll, aber die Gala ist wie daheim sein und im eigenen Bett schlafen.“

Etwas Besonderes war der Tag auch für Norbert Lieske: Für den Präsidenten der LG Telis Finanz wurde der Udo-Jürgens-Song „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ eingespielt. Lieske feierte zum wiederholten Male am Gala-Tag Geburtstag und freute sich: „Heute braucht niemand anrufen. Die Leute haben alle persönlich gratuliert.“

Hubers Vorhersage stimmt: Kessler läuft zur EM-Norm

Benedikt Huber gratuliert Christoph Kessler zur EM-Norm über 800 Meter. Foto: Brüssel
Benedikt Huber gratuliert Christoph Kessler zur EM-Norm über 800 Meter. Foto: Brüssel

„Für mich wird die Gala wahrscheinlich zu früh kommen. Ich greife am 16. Juni in Tübingen die Norm richtig an. Aber vielleicht schafft es ja ein anderer“, prophezeite Regensburgs 800-Meter-Topmann Benedikt Huber für die Gala – und nannte auch den Namen von Christoph Kessler als einem der heißen Tipps. Exakt so kam es: Kessler feierte nach zwei Stadionrunden seine 1:46,11 Minuten, die ein gutes Stück unter der EM-Norm von 1:46,50 lag. „Das ist eine Duftmarke, die reichen sollte“, sagte Kessler. „Die vergangenen vier Jahre lief es hier nie so richtig gut. Heuer war es umgedreht: Weinheim war nicht so gut, Regensburg umso mehr“, sagte der 23-Jährige. Auch Benedikt Huber, der schon bei der Laufnacht einen 800-Meter-Lauf gewann und zweimal Tempo machte, konnte mit Rang drei und Saisonbestwert von 1:47,71 bestens leben.

Abschlusstraining für die Niederlande mit altem Bekannten

Florian Orth rannte wieder einmal schnell und voraus. Auf seiner einstigen Paradestrecke 1500 Meter hatte er es mit seinem einstigen EM-Widersacher Andreas Vojta aus Österreich zu tun. „Für mich ist das aber nur ein Abschlusstraining“, sagte Orth und wurde dabei am Ende in 3:49,09 Minuten hinter Vojta (3:46,47) Zweiter. Für den 28-Jährigen zählt es erst nächste Woche in Nijmegen in den Niederlanden, wenn er über 5000 Meter die Berlin-Qualifikation anpeilt, was für den Zahnarzt die vierte Europameisterschaftsteilnahme in Serie bedeuten würde. Zum deutschen Kader gehört Orth, der wie all die anderen Topathleten der LG Telis Finanz auch diesmal zu den fleißigen Helfern der Gala zählte, inzwischen nicht mehr.

Katrin Fehm: Neues Thema über 200 Meter, neue Staffelrolle

Und plötzlich ist Berlin ein Thema: Katrin Fehm. Foto: Brüssel
Und plötzlich ist Berlin ein Thema: Katrin Fehm. Foto: Brüssel

Nicht nur Starter aus Regensburg könnten bei der Leichtathletik-Europameisterschaft an den Start, auch andere Oberpfälzerinnen haben Chancen nach Berlin zu kommen – genauer gesagt zwei junge Damen aus Amberg. Die 19-Jährige Corinna Schwab steigerte bei der Gala hinter der starken Nadine Gonska (52,60 Sekunden) ihre Saisonbestzeit auf starke 53,31 Sekunden und sollte zumindest für die deutsche Staffel eine Kandidatin sein. Für Katrin Fehm kam das Thema EM gänzlich unverhofft. Am 26. Mai hatte sie in Weinheim in ihrem ersten Frauenjahr ihre bisherige Bestleistung über 200 Meter von 23,49 Sekunden gleich auf 23,15 gedrückt – ein satter Sprung und exakt die nötige EM-Norm. „Ich habe erst einmal Zeit gebraucht, um das zu verdauen“, berichtet Fehm. „Natürlich kreist die EM jetzt im Kopf. Aber bei unserer Dichte im Sprint darf man die Erwartungen nicht zu hoch schrauben, sonst ist man enttäuscht, wenn es nichts werden sollte.“ In Regensburg bestätigte sie in 23,33 Sekunden ihre Topzeit („meine zweitbeste Zeit“) – und war im Endspurt 45 Minuten nach dem Einsatz in der DLV-II-Staffel, die in 43,22 immer noch die EM-Norm unterbot, ein wenig müde. „Man kann einfach nicht alles haben. Ich war das erste Mal Schlussläuferin und dafür war’s ganz gut.“

Miriam Dattke: Ungewöhnlich kurz, aber ziemlich schnell

Dattke-Autogramme steigen im Wert beim Nachwuchs. Foto: Brüssel
Dattke-Autogramme steigen im Wert beim Nachwuchs. Foto: Brüssel

Schwupps – und schon war es wieder vorbei. So ist jedenfalls das Gefühl von Miriam Dattke, wenn die Laufstrecke mal etwas kürzer wird. „Zwei Runden, das ist komisch“, sagte sie, die es sonst lieber länger mag, über 5000 Meter U-20-Europameisterin ist und über 10 000 Meter gute Karten hat, bei der Europameisterschaft in ihrer Heimatstadt dabei zu sein. Am Wochenende tat die noch 19-Jährige, die stellvertretend für den Umbruch im Leichtathletik-Team der LG Telis Finanz steht, das, was zwischendrin immer wieder nötig ist – Dattke testete auf Unterdistanzen. Am Samstag stellte sie bei der Laufnacht in 2:11,06 Minuten über 800 Meter eine neue persönliche Bestleistung über 800 Meter auf und verbesserte die alte Marke von vor drei Jahren um 3,65 Sekunden. Am Sonntag schloss sie über 1500 Meter gut 4:20,55 an. Dattke-Autogramme steigen auch beim Leichtathletik-Nachwuchs schön langsam im Kurs.

Starker Hochspringer, zwei schnelle Hürdenfrauen

Die Hürdensprinterinnen trumpften auf. Foto: Brüssel
Die Hürdensprinterinnen trumpften auf. Foto: Brüssel

Schon im Vorprogramm finden sich bei der Sparkassen-Gala Höhepunkt. Der Männer-Hochsprung war – durchaus angekündigt – so eines. Tobias Potye von der LG Stadtwerke München übersprang lange, bevor es um 14 Uhr mit dem Hauptprogramm losging, mit 2,27 Metern die EM-Norm für Berlin. Kollegin Jossie-Marie Graumann dagegen kam gar nicht erst in Norm-Nähe: Die 1,92-Meter-Frau schied schon bei der Höhe von 1,76 Meter aus. Ganz früh am Wettkampftag glänzten auch schon die Hürdensprinterinnen und rauschten ganz knapp an der Schallmauer von 13 Sekunden vorbei. Franziska Hofmann in exakt 13,00 und Ricarda Lobe nur die Winzigkeit von einer Hundertstel dahinter zeigten trotzdem Topleistungen. „Damit ist man in den Top Ten Europas“, verkündete der Stadionsprecher.

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