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Sport
Freitag, 20. Juli 2018 31° 2

Impressionen

Holländisches Eishockey-Flair

Am Sonntag führt die Playoff-Reise der Eisbären erneut ins Ausland nach Tilburg. Die knapp 700 Kilometer Fahrt lohnen sich.

Wir zeigen unsere Vor-Ort-Eindrücke aus der 215 000-Einwohner-Stadt Tilburg. Foto: Wotruba
Wir zeigen unsere Vor-Ort-Eindrücke aus der 215 000-Einwohner-Stadt Tilburg. Foto: Wotruba

Am Bahnhof fühlt man sich gleich wie zuhause

Knapp 700 Kilometer Entfernung aus der Oberpfalz in die 215 000-Einwohner-Stadt in der Provinz Noord-Brabant sind von Regensburg aus kein Pappenstiel. Aber durchaus gut lösbar. Der Anreise-Check ergab für Hin- und Rückreise zwei Varianten mit dem Zug. Der Weg in die Niederlande führte über Umstiege in Nürnberg und Düsseldorf auch eineinhalb Stunden im DB-Fernbus nach Eindhoven – und das letzte 20-Minuten-Stückchen mit einem Regionalzug ans Ziel. Es klappte gut.

Zurück ging es dann von Tilburg zunächst eine Station nach Arnheim und von dort nach Frankfurt mit einem nochmaligen Umstieg am Flughafen-Bahnhof in den ICE nach Regensburg. Beide Varianten waren mit acht bzw. achteinhalb Stunden Zeitaufwand im Vergleich zur Autofahrt von bestensfalls sechs Stunden sinnvoll.

Sofort nach dem Grenzübertritt fallen einem die sprunghaft vermehrten Fahrradfahrer auf. Und am Bahnhof von Tilburg fühlt man sich sofort heimisch: Mitten im morgendlichen Berufsverkehr fallen Züge aus oder kommen verspätet.

Trappers-Fan kommt spät, aber zahlreich

Das Stadion wurde doch noch voll. Foto: Wotruba
Das Stadion wurde doch noch voll. Foto: Wotruba

Sie kommen spät, sogar extrem spät und kurz vor Spielbeginn ins Stadion und nehmen ihre Plätze ein, die Anhänger der Trappers. Noch 15 Minuten vor Spielbeginn machte es kaum den Anschein, als würde das Stadion mit offizieller Kapazität von 2500 Zuschauern voll werden. Wurde es aber – wie fast immer. Der Zuschauerschnitt in der Vorrunde betrug in 22 Spielen 2284 Zuschauer pro Partie – nur die Hannover Indians hatten in der Oberliga Nord mehr vorzuweisen (2688). Die Stimmung ist angenehm fair, Eisbären-Kapitän Peter Flache fiel ein Unterschied zu Deutschland auf: „Wir haben bei der Starting Six auch Applaus gekriegt.“

Die Stadt-Vergangenheit als Arbeiterstadt wirkt sich auch im Sport aus: Was der Fan ganz und gar nicht leiden kann, ist fehlende Einsatzbereitschaft. Deswegen hat der nach dem König benannte Fußball-Erstligist Willem II derzeit Probleme. „Uns aber rennen sie die Bude ein“, befindet Ruud van Baast, einer der Trappers-Vorstände.

Es stimmt: Das Team? Extrem ausgeglichen!

Die Tilburg-Truppe ist eine homogene Mannschaft. Foto: Jeroen van Eijndhoven, Beeld Werkt
Die Tilburg-Truppe ist eine homogene Mannschaft. Foto: Jeroen van Eijndhoven, Beeld Werkt

Der punktuelle Eindruck zeigt: Was an Informationen über die Tilburg Trappers in Umlauf ist, stimmt. Die Truppe von Trainer Bo Subr ist eine sehr homogene Mannschaft, die geprägt ist von einer beeindruckenden Gleichmäßigkeit inklusive Torwart, in der viele Spieler auch für individuelle Aktionen sorgen können. Größere Schwächen? Auf Anhieb kaum auszumachen. Interessant zu sehen wäre, wie die Niederländer auf einen Rückstand reagieren und damit umgehen würden.

Tilburg ist in diesem Jahr in der Woche ab dem 23. April auch der WM-Spielort der viertklassigen Division II, Gruppe A, in der die Niederlande diesmal auf Australien, Island, Serbien, Belgien und China treffen. Selbst wenn die Trappers wieder das Finale der Oberliga-Playoffs erreichen, müsstte Nationaltrainer Chris Eimers anders auch schon geschehen nicht auf  Trappers-Nationalspieler verzichten. Finalspiel fünf fände am 22. April statt.

Profihaft, aber im Vorstand ehrenamtlich

Der Vorstand bei den Trappers arbeitet ehrenamtlich. Foto: Wotruba
Der Vorstand bei den Trappers arbeitet ehrenamtlich. Foto: Wotruba

Vieles wirkt locker bei den Trappers, aber sehr profihaft und zweitligatauglich. „Wir haben auch hauptamtliche Kräfte im Verein. Der Vorstand arbeitet aber ehrenamtlich“, erzählt Ruud van Baast. Ein Aufstieg in die DEL 2 ist den Trappers nach den Regularien aber (noch?) nicht erlaubt. Das Interesse am Klub in der Stadt ist groß. „Die eine Seite ist so gut gefüllt mit Sponsoren, dass wir bald nicht mehr wissen, wo wir die Leute unterbringen sollen.“

Deswegen denken die Trappers an einen Ausbau. Die jetzige Arena ist ähnlich alt wie die Donau-Arena in Regensburg. Früher waren die Trappers in einem etwas größeren Stadion mit rund 4000 Zuschauern Fassungsvermögen in der Tilburger Innenstadt beheimatet und wurden ein bisschen weiter nach außerhalb umgesiedelt, weil die alte Trappers-Spielstätte Wohnungen weichen musste.

Ein buntes Stadion mit Party-Atmosphäre

Die Halle ist im Stil einer Partyzone gehalten. Foto: Wotruba
Die Halle ist im Stil einer Partyzone gehalten. Foto: Wotruba

Auch da gilt, was für die ganze Stadt gilt: Es geht angenehm und entspannt zu – und die etwas andere Musikauswahl lässt deutsche Fans vielleicht ein wenig schmunzeln, klingt für unsere Ohren nach Karneval, passt aber sehr wohl zu dem Ambiente des Stadions. Die Halle ist nämlich im Stile einer Partyzone gehalten, mit bunten Lichtern und Luftballons in den Trappers-Vereinsfarben gelb und blau. Für die Fans gibt es einen „Biergarten“, den Vereinsmitarbeiter ehrenamtlich organisieren. „Mit Bratwurst“, grinst Rudd van Baast. „Das haben wir uns in Deutschland abgeschaut.“

Ein Bus voll EVR-Fans nutzt die Gelegenheit

Drei Siege gegen die Trappers brauchen die Eisbären. Foto: Jeroen van Eijndhoven, Beeld Werkt
Drei Siege gegen die Trappers brauchen die Eisbären. Foto: Jeroen van Eijndhoven, Beeld Werkt

Dreier Siege gegen die Trappers bedarf es für die EVR-Eisbären, um ins Playoff-Halbfinale zu gelangen.Puuh, dazu braucht es eine Meisterleistung! Ob die Eisbären dazu in der Lage sind , ist die Frage. Unabhängig davon ist Tilburg eine Reise wert. Beim Spiel am Sonntagnachmittag zur familienfreundlichen Startzeit um 15 Uhr werden diesmal mehr als die 30 Regensburger dazu Gelegenheit haben, die im ersten Vergleich am Mittwoch eigens zwei Tage freizunehmen hatten. Der Fanklub Eisbären Power plant den Einsatz eines Busses, der dem Vernehmen nach auch bestens gefüllt ist.

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