MyMz

Sportart

Im Racketlon spitze: Florian Baumgartner

Racketlon vereint Tischtennis, Badminton, Squash und Tennis. Der Regensburger Nationalspieler erklärt den Reiz.
Von Ralf Strasser

Der Regensburger Florian Baumgartner spielt in der Bundesliga Racketlon. Foto: Esther Dübendorfer
Der Regensburger Florian Baumgartner spielt in der Bundesliga Racketlon. Foto: Esther Dübendorfer

Regensburg.Klingelt bei dem Begriff „Racketlon“ etwas? Nein? Wer mit diesem Begriff wenig anfangen kann, ist nicht alleine. Auch wenn es über 200 000 Google-Ergebnisse sind, die auf das entsprechende Stichwort im Netz auftauchen, kaum einer hat von Racketlon gehört. Von Tischtennis, Badminton, Squash und Tennis dagegen schon, und genau aus diesen vier Disziplinen besteht diese Sportart. Racketlon ist zwar eine sportliche Randnotiz, besteht aber aus vier sehr bekannten und beliebten Sportarten.

Beim Racketlon muss man in diesen Disziplinen glänzen: Tennis
Beim Racketlon muss man in diesen Disziplinen glänzen: Tennis

Das Prinzip ist einfach: Es wird vom kleinsten zum größten Schläger (englisch racket) gespielt. Eins gegen Eins, vier Sätze bis 21 Punkte und wer zusammengerechnet am meisten Punkte sammelt hat gewonnen. So einfach und doch so schwierig.

Gefragt sind Allrounder, also Meister des Rackets. Der Regensburger Florian Baumgartner ist so einer. 30 Jahre jung, Programmierer von Beruf, Nationalspieler aus Berufung und sportlich mit allem unterwegs, was mit einem Schläger oder einem Ball gespielt werden kann. Doch auch wenn Baumgartner im Nationalkader ist, kann er das Nischenimage nicht abstreifen.

Immer noch Randsportart

„In Deutschland ist das alles überschaubar. Racketlon ist zwar ein wenig rausgehüpft aus der Nische, aber wirklich etabliert hat sich der Sport hierzulande noch nicht.“ Das ist in Teilen Europas anders. „Die Besten kommen aus Skandinavien oder Österreich, die aktuell in der Champions-Division die Teamweltmeisterschaft gewonnen haben“, erklärt Baumgartner. Doch Racketlon hat Potenzial, zumal es sich um eine relativ junge Sportart handelt. In Finnland und Schweden hat man Anfang der 90er Jahre die ersten Wettkämpfe ausgetragen. „Was vielleicht auch daran lag, dass diese Sportart primär in Hallen durchgeführt wird.“

Squash Fotos: Rene ZWALD
Squash Fotos: Rene ZWALD

Doch erfunden hat es indirekt ein Australier. Der erste Pionier des Racketlon war – ohne es zu wissen – Fred Perry. Im Jahr 1930 gewann er Wimbledon im Tennis und wurde im gleichen Jahr Tischtennisweltmeister. Eine Kombination, die heute undenkbar wäre. Mittlerweile ist Racketlon weltweit aufgestellt, führt aber in Deutschland immer noch ein Schattendasein.

In unseren Breitengraden müssen sich die Sportler eher mit amüsanten Bemerkungen herumschlagen, etwa mit der durchaus ernst gemeinten Frage, seit wann man Weltmeister im Raclette-Essen ermittelt. Dabei sind deutsche und vor allem bayerische Racketlon-Player erfolgreich. So wurde die Nationalmannschaft bei der Florian Baumgartner mit am Netz und in der Squash-Box steht, Dritter in der Teamweltmeisterschaft, nur geschlagen vom späteren Weltmeister Österreich.

Die kurze Geschichte des Sports

  • Die Idee:

    Racketlon, die Kombination aus Badminton, Squash, Tennis und Tischtennis, ist ein Sport für Jedermann, vom Profi bis zum Amateur. In Anlehnung an Biathlon, Triathlon und Zehnkampf geht es um die interdisziplinäre Verknüpfung der in Europa am meisten verbreiteten Rückschlagsportarten.

  • Der Ablauf:

    Die heute übliche Reihenfolge Tischtennis, Badminton, Squash und Tennis wurde gewählt, weil es mit dem kleinsten Schläger beginnt und dem größten aufhört. Gezählt wird bis 21 Punkte in jeder Sportart und „Jeder Punkt zählt“ Anfang der 90er-Jahre wurden in Finnland und Schweden Wettkämpfe ausgetragen.

  • Geschichte:

    Fred Perry gewann 1930 in Wimbledon im Tennis und wurde im gleichen Jahr Tischtennisweltmeister. Eine Kombination, die heute undenkbar wäre. 2003, also 73 Jahre später ging der Sport Racketlon erstmals auf World Tour. Federführend für diese Entwicklung waren die Schweden.

Baumgartner, der seit seinem fünften Lebensalter Tennis spielt, kam zum Racketlon über einen Freund. „Alexander Käser hat mich bei einem Badmintonspiel in der Bezirksliga angesprochen und gemeint ich spiele doch gut Tennis und Badminton, warum nicht auch Tischtennis oder Squash? Ich hab dann einfach mal ja gesagt, obwohl ich bis dahin mit Sqash wirklich nichts anfangen konnte.“ Telefonnummern werden ausgetauscht, Trainings verabredet und in Nürnberg im Verein angemeldet. Ein Racketlonverein im Raum Regensburg? Fehlanzeige.

Badminton
Badminton

Mittlerweile spielt Baumgartner in der ersten Mannschaft und in der ersten Bundesliga, die Mail von Frank Kleiber, dem Spielführer der Nationalmannschaft, für die internationale Nominierung war letztendlich fast schon folgerichtig.

Wer selbst zu den vier Rackets greifen möchte, sollte auf sein Ballgefühl hören, der Rest ist Fitness. „Man muss gar nicht in jeder Sportart besonders gut sein, es genügt, wenn man auf hohem Niveau spielen kann.“ Aber eben in jeder Disziplin. Das geht an die Kondition, auf Knochen und Gelenke. Für Anfänger gilt: Nur wer gesund ist, sollte den Gedanken an Racketlon wagen. „Die beste Vorsorge gegen Verletzungen ist aber eine gute Konstitution“.

Racketlon

Wie der Vater so der Sohn

Der 13-jährige Regensburger Cornelius Ried gewinnt in Wien drei Europameistertitel. Besonders das Einzelfinale ist episch.

Doch wer dabei ist, den lässt diese Sportart kaum mehr los. „Der Reiz ist, dass man vier verschiedene Sportarten hat und seine Stärken vielseitig einsetzen kann, auch der Umgang der Sportler untereinander fasziniert. Der Respekt, die Lockerheit und die Fairness sind oberstes Prinzip.“ Doch vor dem Erfolg fließt der Schweiß. „Training ist wichtig“, sagt Baumgartner. Gymnastik gegen Rückenprobleme, Ausdauer, Technik, Ausgleichssport.

Tischtennis
Tischtennis

Wer auf hohem Niveau spielen will, setzt Zeit ein. Viel Zeit. „Von sieben Tagen in der Woche bin ich fünf Tage im Training. Jeweils drei bis vier Stunden und am Wochenende kommen Punktspiele dazu. Es kommt schon einiges zusammen.“ Da ist man froh um das Verständnis des Partners. Bei Florian Baumgartner ist das relativ einvernehmlich. Seine Frau Xenia ist selbst Leistungssportlerin im bayerischen Leichtathletikkader.

Noch geht das Wort „Racketlon“ in Deutschland nur schwer über die Lippen, doch der Trend geht – wenn auch langsam – nach oben. Man darf gespannt sein, wohin die Reise geht.

Hier geht es zum Sport.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht