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Turnier

Italiener spielen, als könnten sie sehen

In Regensburg zeigten vier Blindenteams beim Hasit-Cup, was sie können. In Japan sind 30 000 Blinde im Baseball aktiv.
Von Claus-Dieter Wotruba

Und hoch die Baseball-Caps: Das Blindenteam aus Italien waren eine Klasse für sich in Regensburg. Foto: Brüssel
Und hoch die Baseball-Caps: Das Blindenteam aus Italien waren eine Klasse für sich in Regensburg. Foto: Brüssel

Regensburg.Schläger fallenlassen, losrennen, 20 Meter geradeaus, in höchstem Tempo. Und jetzt das Ganze mit geschlossenen Augen. Oder den geschlagenen Klingelball auf dem Boden suchen und so schnell über eine ähnliche Distanz zielgenau in den Handschuh werfen. Blind unmöglich? Nein! Wie gut solche Übungen gehen können, wenn man es übt und dann kann, zeigten vier Teams beim Hasit-Cup in der Armin-Wolf-Arena in Regensburg. Sechs Spiele am Samstag, zwei Endspiele am Sonntag, dann stand fest: Den Italienern kann in Sachen Blindenbaseball nach wie vor keiner das Wasser reichen. 7:0 hieß es im Endspiel gegen die Mannschaft aus Frankreich. Und nach einem 1:1 nach zwei Zusatz-Innings beschlossen das Mixed-Team und die deutsche Mannschaft der Bavarian Bats, sich den dritten Platz zu teilen.

Ein Video mit Bildern vom Turnier finden Sie hier.

Italien ist Blindenbaseball-Meister

3:1 gegen Frankreich, 8:0 gegen die Bavarian Bats und 2:0 gegen das Mixed-Team – in der Vorrunde ließen es die Italiener teils noch ein wenig ruhiger angehen. Im Finale am Sonntag aber war die höchste Konzentration sichtbar. Die Turniersieger spielten, als könnten sie sehen. Von ungefähr kommt das nicht: In Italien hat Blindenbaseball über 25 Jahre Tradition. Gespielt wird in einer Runde mit zehn, zwölf Mannschaften. Trainiert wird zweimal die Woche. In Deutschland dagegen gibt es genau ein Team – die Bavarian Bats, die einst in Freising begannen, neuerdings in Regensburg ihr Zuhause haben und nur untereinander spielen können. Den Bats ging es diesmal nicht so gut. „Wir haben das Schlagen so viel geübt, aber einfach nichts getroffen“, sagte eine Betreuerin. „Alle sind ein wenig frustriert. Vergangenes Jahr war das beim Turnier in Italien noch ganz anders.“ Da hatten die Deutschen lange sogar ein Unentschieden gegen die Italiener gehalten und erst im Endspurt gegen die großen Meister aus Südeuropa verloren.

Eine Geschichte rund um die Sportart Blindenbaseball lesen Sie hier.

Das Turnier hat Tradition und ist so etwas wie eine inoffizielle Europameisterschaft der Nationen, die Blindenbaseball vorantreiben wollen. Der Mole-Cup – selbstironisch benannt mit dem englischen Wort mole für Maulwurf – fand bereits zum achten Mal statt. In die Hand genommen hatte das Turnier die Inklusionsabteilung des FC Inter 09 Regensburg.

Romantik pur beim Heiratsantrag

  • Trophäe:

    Ein Preis nach dem anderen wurde bei der Siegerehrung des Hasit-Cups verliehen, dann kündigte Italiens Teamchef Lorenzo den „romatischsten Spieler des Turniers“ an. Der brachte Ringe als Trophäe des Tages mit.

  • Schlusspunkt:

    Der Heiratsantrag des Blindenbaseballers Guiseppe an seine Roberta (Foto: Brüssel) war der glorreiche Schlusspunkt der Veranstaltung, denn: Roberta sagte ja.

Gut, das parallele Halbfinale der Buchbinder Legionäre am Samstag sorgte für Schwierigkeiten, weil der ungewohnte Lärm den Blinden ihren Sport erschwerte. Andererseits aber brachte das Turnier den einen oder anderen in Kontakt mit ungewohnten Leistungen. Beeindruckte Zaungäste waren zum Beispiel auch die Playoff-Gegner der Legionäre aus Bonn.

Die Trophäe des Tages waren die Ringe beim geglückten Heiratsantrag von Guiseppe an seine Roberta. Foto: Brüssel
Die Trophäe des Tages waren die Ringe beim geglückten Heiratsantrag von Guiseppe an seine Roberta. Foto: Brüssel

Im nächsten Jahr wird der Cup in Paris ausgetragen. Und irgendwann soll Blindenbaseball paralympisch sein. Tom Nagel (70), der einst in Frankreich ein Team gründete, weil die Nachbarn blind waren, ist vor kurzem vom Baseball-Weltverband (WBSC) zum Chef einer Kommission ernannt worden, die paralympische Pläne vorantreiben soll. Neben den italienischen Regeln, nach denen in Regensburg gespielt wurde, gibt es auch eine amerikanische Variante – und eine japanische. „In Japan spielen 30 000 Blinde Baseball“, berichtet Nagel. Und wer weiß, vielleicht irgendwann mal ein Team in Regensburg.

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