MyMz

SSV Jahn

Jahn hält auf St. Pauli voll dagegen

Die Regensburger stehen in Hamburg ihren Mann und nehmen nach einem packenden Spiel verdient einen Punkt mit.
Von Jürgen Scharf und Thomas Gottschling, MZ

Der SSV Jahn (hier Marc Lais, Mitte, und Sargis Adamyan, rechts) kämpft auf St. Pauli um die Punkte. Foto: Gatzka
Der SSV Jahn (hier Marc Lais, Mitte, und Sargis Adamyan, rechts) kämpft auf St. Pauli um die Punkte. Foto: Gatzka

Hamburg.Vier tolle Tore, packende Zweikämpfe und eine prickelnde Stimmung in einem rappelvollen Stadion – die Partie des SSV Jahn Regensburg beim FC St. Pauli wurde zu dem erhofften Fußballfest. Am Ende stand dabei ein 2:2 (2:2)-Unentschieden, mit dem beide Mannschaften durchaus zufrieden sein dürften. Die Regensburger, weil sie nun seit drei Spielen ungeschlagen sind und auch im Hexenkessel am Hamburger Millerntor nicht leer ausgingen. Der FC St. Pauli, weil er nach der schnellen 2:0-Führung der Oberpfälzer wieder ins Spiel zurückfand. „Es war ein ganz intensives Spiel mit tollen Szenen“, zog Jahn-Trainer Achim Beierlorzer am Ende Bilanz.

Mit dem Zug waren die Regensburger am Samstag nach Hamburg gereist und hatten frisch getanktes Selbstbewusstsein im Gepäck. Zuletzt gab es zwei Siege am Stück. Und auch beim FC St. Pauli rechneten sich die Regensburger Chancen aus. „Wir wollen eine Serie starten und auch auf St. Pauli unseren Mann stehen“, meinte Beierlorzer vor der Abfahrt.

Stolze wieder von Beginn an dabei

In die Partie beim Hamburger Kult-Klub schickte er dann die Erfolgself der vergangenen zwei Spiele. Auch Sebastian Stolze durfte wieder auf der rechten Seite stürmen, obwohl Jann George seinen Zehenbruch auskuriert hatte und einsatzbereit war. Er nahm aber zunächst auf der Ersatzbank Platz und konnte von dort aus verfolgen, wie sein Team im Stadion am Millerntor von 1200 Jahn-Fans, die den weiten Weg nach Norddeutschland auf sich genommen hatten, empfangen wurde.

Stimmen zum Spiel

  • Jahn-Verteidiger Sebastian Nachreiner:

    „War eine intensive Nummer auf alle Fälle. Die Zuschauer waren Wahnsinn, auch unsere Fans. Es war natürlich cool, dass da von uns auch so viel dabei waren. Es war dann eine richtig intensive Partie, wo wir leider Gottes nach einem Superstart mit einer 2:0-Führung St. Pauli wieder ins Spiel gelassen haben. Deswegen können wir am Ende mit einem Unentschieden auch ganz gut leben, auch wenn’s natürlich schade ist, dass wir es so weit kommen haben lassen und es nach dem 2:0 nochmal spannend gemacht haben. Am Ende sind wir zufrieden mit dem Punkt.“

  • Jahn-Kapitän Marco Grüttner:

    „Wenn man den Spielverlauf so sieht, sind wir hochzufrieden. Ich denke andere Mannschaften brechen da vielleicht sogar ganz ein. Da muss man seinen Hut davor ziehen, wie wir das über die Runden gebracht haben. Es ist nicht einfach hier, es war ein enormer Druck, den St. Pauli dann auch gemacht hat. Wenn wir vielleicht den ein oder anderen Konter besser ausfahren, können wir sogar das 3:2 machen, aber wir sind zufrieden mit dem Punkt. Den nehmen wir mit und sind glücklich.“

  • Jahn-Verteidiger Marvin Knoll:

    „Geiles Spiel, muss man sagen. 2:0 in Führung gewesen, das Momentum auf unserer Seite. Momentum wieder abgegeben. Wir hatten da keine Entlastung mehr, die hatten einen zweiten Stürmer gebracht und haben jeden Ball vorne reingeschlagen, jeden Standard. Die hatten ja auch mit dem Sobiech einen Riesenspieler. Dann sind wir zweimal unachtsam gewesen, haben die Bälle nicht mehr festgemacht. Aber geiles Spiel. Die Fans von St. Pauli haben uns zum Schluss auch Applaus gegeben und dem eigenen Team. Da sieht man was das für ein schönes Spiel war für die Zuschauer.“

  • Jahn-Stürmer Sargis Adamyan:

    „In Hamburg auf Pauli ein Tor zu schießen ist geil. Ich hab hier noch nie gespielt. Es war das erste Mal und es ist einfach Gänsehaut, wenn es ausverkauft ist. Ich hab mich schon recht lange drauf gefreut und meine Familie war heute das erste Mal da. Leider bekommen wir noch zwei Gegentore vor der Halbzeit. Ich denke, wenn wir mit 2:0 in die Halbzeit gehen, dann schaut es anders aus. Zum Schluss muss man sagen, es ist glaub ich ein gerechtes Ergebnis.“

  • Jahn-Trainer Achim Beierlorzer:

    „Es ist natürlich bitter, dass bei den beiden Toren, die wir bekommen, eins klar abseits, eins ebenfalls abseits war. Wobei ich schon Verständnis hab, dass es für den Linienrichter schwierig ist. Wenn es so ist, dann ist es halt so. Wir sind mit dem Punkt zufrieden und ich denke, es ist ein gerechtes Unentschieden, weil wir hier sehr engagiert aufgetreten sind. Ich bedanke mich auch für die tolle Atmosphäre, die wir hier erleben durften.“

Über mangelnde Unterhaltung konnten sich alle knapp 30 000 Zuschauer dann auch nicht beklagen. Sie sahen eine turbulente Partie, in der die Regensburger den besseren Start hatten. Die sahen sich eine Viertelstunde in Ruhe an, was die Hamburger so vorhatten. Als klar war, dass den Gastgebern noch nicht wirklich viel einfiel, nahmen die Regensburger die Sache selbst in die Hand. Nach und nach erhöhten sie den Druck und bekamen immer mehr Eckbälle zugesprochen. Einer davon war der Ausgangspunkt für den ersten Treffer.

Marco Grüttner (Mitte) jubelt über sein Tor zum 1:0 für den Jahn. Foto: Gatzka
Marco Grüttner (Mitte) jubelt über sein Tor zum 1:0 für den Jahn. Foto: Gatzka

Andy Geipl donnerte den Ball in den Strafraum. Marco Grüttner machte, während das Spielgerät hereinflog, einen kurzen Zwischenspurt. Er rannte im Halbkreis in den hinteren Sektor des Sechzehnmeterraums und verwirrte die Hamburger Abwehrspieler damit derart, dass er am Ende völlig frei stand und abgezockt zum 1:0 für seinen Jahn einköpfte (21. Minute).

Die Hamburger wirkten verdattert. Es schien ihnen überhaupt nicht zu schmecken, wie sich die Dinge hier entwickelten. Und mitten in diese Phase, in der sich die Gastgeber eigentlich erst einmal wieder in Ruhe neu aufstellen wollten, schlugen die Regensburger zum zweiten Mal zu. Benedikt Saller flankte in den Strafraum, Jonas Nietfeld verlängerte den Ball per Hinterkopf und Sargis Adamyan hämmerte ihn aus zwölf Metern zum 2:0 für sein Team ins Tor (24. Minute).

Hier gibt es eine Einzelkritik der Spieler des SSV Jahn:

SSV Jahn auf St. Pauli - die Einzelkritik

Der Jahn lag damit klar auf Kurs in Richtung dritter Sieg in Folge. „Bis zur 35. Minute hatten wir das Spiel im Griff“, analysierte Beierlorzer. Bei den Hamburgern sah es danach aus, dass sich die Heimschwäche fortsetzen würde. Allerdings sollte sich das alles schnell wieder ändern. Und das lag daran, dass der Jahn nun rätselhafterweise zurückschaltete. Es schien, als ob die Regensburger den Vorsprung nur noch verwalten wollten. Die Spieler von St. Pauli hatten plötzlich mehr Platz und kämpften sich in die Partie zurück. In der 40. Minute schickte Hamburgs Kapitän Lasse Sobiech Jahn-Verteidiger Alexander Nandzik mit einer Körpertäuschung ins Leere. Sobiech hatte freie Bahn und schlenzte den Ball zum 1:2 ins Regensburger Tor. Eine Minute vor der Pause fiel sogar noch der Ausgleich. Den erzielte Sami Allagui – stand beim Anspiel allerdings klar im Abseits, was die Schiedsrichter aber nicht sahen.

Beide Hamburger Tore irregulär?

Auch Sobiech hatte beim Treffer zuvor den Ball zumindest in abseitsverdächtiger Position zugespielt bekommen. Es sei bitter, dass beide Tore – eines klar und das andere wohl auch – aus Abseitssituationen heraus entstanden, sagte Beierlorzer zu den Entscheidungen der Referees. Es wäre interessant, zu wissen, „wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn wir mit 2:0 in die Halbzeit gegangen wären“, sagte der Jahn-Coach.

So stand es jedoch 2:2 – und das blieb bis zum Ende so. Daran änderte auch nichts, dass die Hamburger nach der Pause am Drücker blieben und die besseren Chancen hatten. Sogar eine riesige hatte Aziz Bouhaddouz. Er lief in der 70. Minute frei auf Jahn-Keeper Philipp Pentke zu, schlenzte den Ball jedoch übers Tor. Da auch sonst kein Treffer fallen wollte, stand zum Schluss das unterm Strich gerechte Unentschieden. Und die Regensburger Mannschaft konnte ihrem Coach damit auch zumindest einen Punkt zum 50. Geburtstag schenken, den Beierlorzer an diesem Montag feiert.

Alles zum SSV Jahn lesen Sie hier!

Und hier geht’s zum Sport!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht