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SSV Jahn

Jahn: Weiter Vertragsstreit um Vrenezi

Der Stürmer muss zuschauen, weil er auch in Sandhausen unterschrieben hat. Nun soll es eine Ablöse geben – aber wer zahlt?
Von Jürgen Scharf, MZ

Albion Vrenezi im Jahn-Trikot – so würden ihn die Regensburger Fans gerne auch in der 2. Liga sehen. Foto: Nickl
Albion Vrenezi im Jahn-Trikot – so würden ihn die Regensburger Fans gerne auch in der 2. Liga sehen. Foto: Nickl

Regensburg.Albion Vrenezi ist zum Zuschauen verdammt. Während seine Teamkollegen vom SSV Jahn Regensburg seit zwei Spielen in der 2. Liga auf dem Platz um Punkte kämpfen, sitzt er auf der Tribüne – obwohl er gesund und fit ist. Vrenezi hat von der Deutschen Fußball-Liga keine Spielgenehmigung für den Jahn erhalten, weil dort bereits ein anderer Verein, der SV Sandhausen, einen Vertrag mit ihm vorgelegt hat. Vrenezi ist völlig niedergeschlagen: „Die ganze Lage ist extrem schwer. Und nicht spielen zu können ist dabei die größte Strafe.“

Im Mai hatte sich Vrenezis Berater, Sebastian Schulze von der Agentur Soccernation, mit dem SV Sandhausen auf einen Vertrag geeinigt. Der SV schickte das Formular, Vrenezi schickte es unterschrieben zurück. Danach habe er vom SV erst einmal einige Zeit nichts mehr gehört, auch keinen gegengezeichneten Vertrag erhalten, sagt Schulze. „Als es wieder einen Kontakt gab, hat es aber plötzlich geheißen, dass Albion gleich wieder verliehen werden soll“, erzählt er. Das habe Vrenezi aber nicht gewollt.

Ist der Widerruf rechtmäßig?

Schulzes Rechtsanwalt prüfte die Vertragssituation. Er kam zum Ergebnis, dass der Vertrag widerrufen werden könne, weil es noch keine Annahmebestätigung durch den SV gebe. Dieser Widerruf wurde im Juni ausgestellt. Wenige Tage später unterschrieb Vrenezi einen neuen Vertrag beim Jahn, mit dem zuvor parallel Verhandlungen geführt worden waren.

Als der Jahn die Nachricht von der Verpflichtung des 23-jährigen Angreifers bekannt gab, meldete sich ein Vertreter Sandhausens in Regensburg und teilte mit, dass Vrenezi auch beim SV unter Vertrag stehe und es deswegen Gesprächsbedarf gebe. Jahn-Geschäftsführer Christian Keller sagt, dass er Schulze darüber informierte und ihn bat, die Sache zu regeln.

Jahn-Geschäftsführer Christian Keller Foto: Eibner
Jahn-Geschäftsführer Christian Keller Foto: Eibner

Die Zeit drängte, denn der Saisonstart rückte immer näher. Für jeden Spieler muss ein Verein eine Spielgenehmigung bei der Deutschen Fußball-Liga beantragen. Dafür muss unter anderem ein gültiger Vertrag eingereicht werden. Für Vrenezi war nun bereits vom SV Sandhausen ein Vertrag in das Computersystem der DFL geladen worden. Keller erhielt vom Verband auf Nachfrage eine eindeutige Auskunft: Sandhausen muss bestätigen, dass es keinen Vertrag mehr gibt – ansonsten kann keine Spielgenehmigung für den Jahn ausgestellt werden. Diese Bestätigung ist bis jetzt nicht ausgestellt worden.

Jahn-Geschäftsführer Christian Keller

„Ich habe dem Spieler gesagt, dass wir zunächst erst einmal zu ihm halten. Ich habe ihm aber auch gesagt, dass es irgendwann eine Einigung geben muss.“

In dem Zoff um alte und neue Verträge fühlt sich Vrenezis Berater nun zu Unrecht als Alleinschuldiger hingestellt. Er sagt, dass die Regensburger von Anfang an informiert gewesen seien. Dass es überhaupt ein Problem gibt, könne er ohnehin nicht nachvollziehen. Die Analyse seines Rechtsanwalts sei seiner Meinung nach eindeutig und der Vertrag mit Sandhausen schlichtweg nicht gültig.

Schork will sich nicht äußern

Der SV scheint da aber eine ganz andere Meinung zu vertreten und pocht offensichtlich weiter auf die Gültigkeit des Vertrags. Sandhausens Geschäftsführer Otmar Schork wollte am Dienstag unserem Medienhaus gegenüber allerdings keine Stellungnahme zu der Situation abgeben.

Von Jahn-Geschäftsführer Keller wird derweil Schulzes Aussage, die Regensburger seien von Anfang an informiert gewesen, gekontert: „Nein, uns war nichts bekannt. Dann wäre ein Vertragsabschluss auch vollkommen ausgeschlossen gewesen.“ Keller sagt, dass ihm von Schulze lediglich mitgeteilt worden sei, dass Vrenezi auch andere Angebote gehabt habe.

Er sei später völlig davon überrumpelt worden, dass es einen anderen Vertrag gibt. Wie bei jedem anderen Spieler sei mit Vrenezis Unterschrift beim Jahn die Erklärung verbunden gewesen, bei keinem anderen Klub unter Vertrag zu stehen: „Der gesamte Ablauf, so wie er mir geschildert wurde, ist höchst fragwürdig und seltsam. Und zwar von allen Beteiligten, sowohl vom SV Sandhausen wie auch von Albion Vrenezis Berater und dessen Rechtsbeistand.“

Sandhausens Geschäftsführer Otmar Schork wollte keine Stellungnahme abgeben. Foto: Eibner
Sandhausens Geschäftsführer Otmar Schork wollte keine Stellungnahme abgeben. Foto: Eibner

Eigentlich hatte Keller nach eigener Aussage zuletzt einen fixen Termin angesetzt, an dem Klarheit herrschen sollte. Der konnte nicht eingehalten werden. Auf die Frage, warum er hier kein Machtwort gesprochen und ohne Vrenezi weitergeplant hat, sagt Keller, „dass es da auch eine menschliche Komponente gibt. Ich habe dem Spieler auch gesagt, dass wir zunächst erst einmal zu ihm halten. Ich habe ihm aber auch gesagt, dass es irgendwann eine Einigung geben muss“.

Zahlen Berater und Spieler mit?

Ob es diese bald gibt, steht weiter in den Sternen. Sandhausen will nun offenbar eine Ablösesumme für Vrenezi. Schulze zufolge lag die erste Forderung dabei „jenseits von Gut und Böse“, mittlerweile sei sie aber reduziert worden. Keller zufolge liegt die Forderung auch nicht, wie spekuliert wurde, im sechsstelligen Bereich, sondern „deutlich unterhalb“. Zeitnah soll jetzt eine Entscheidung fallen, ob bezahlt wird. Vor allem soll geklärt werden, wer bezahlt: „Es ist die Frage ob der Jahn dazu bereit ist, eine Sache mitauszubaden, für die er nichts kann“, sagt Keller. Dies heißt wohl nichts anderes, als dass der Geschäftsführer des Jahn erwartet, dass Berater oder auch Spieler einen Teil übernehmen.

Vrenezi selbst schließt die Möglichkeit, dass er nun doch noch zum SV Sandhausen wechselt, aus: „Nein, ich will hier beim Jahn bleiben.“ Dafür braucht es aber jemand, der die Ablösesumme bezahlt. Hier könnte sich Vrenezi sogar vorstellen, einen Teil beizutragen: „Ich würde auch auf Geld verzichten, damit sich die Sache schnellstmöglich klärt.“

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