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Dienstag, 25. September 2018 15° 1

Tennis

Jules Traum vom Finale platzt

Die ehemalige Weltranglistenerste Serena Williams ist am Ende zu stark für Julia Görges. Im Finale wartet Angelique Kerber.

Foto: AFP PHOTO / Oli SCARFF
Foto: AFP PHOTO / Oli SCARFF

London.Nach 66 Minuten hüpfte Julia Görges auf dem Center Court von London und ballte die Faust. Ginge vielleicht doch noch etwas gegen Serena Williams? Gerade hatte die Regensburgerin den Aufschlag zum ersten Mal durchbrochen und Hoffnung geschöpft. Sechs weitere Minuten später war der Traum von einem deutschen Finale auf dem Rasen von Wimbledon geplatzt. So schnell Angelique Kerber die Lettin Jelena Ostapenko in 69 Minuten mit 6:3 und 6:3 geschlagen hatte, so glatt verlor die Regensburgerin ihrerseits gegen die Williams in zwei Sätzen mit 2:6 und 4:6. Die ehemalige Nummer eins, die jetzt 20 Mal in Folge in Wimbledon gewonnen hat, macht dadurch in der Weltrangliste einen Sprung von mindestens 153 Plätzen auf mindestens Rang 28. Am Samstag kommt es nun zur Neuauflage des Wimbledon-Finales von 2016: Kerber versus Serena Williams.

„Ich hätte mich über einen Sieg von Jule gefreut, weil dann auf jeden Fall eine Deutsche gewonnen hätte.“

Angelique Kerber

Angelique Kerber hatte mit Julia Görges, mit der sie auch schon im Aufgebot des deutschen Mannschaftsmeisters vom TC Rot-Blau in Regensburg stand, mitgefiebert. „Ich habe ihr nach meinem Match die Daumen gedrückt, aber es hat nicht gereicht“, sagte Kerber nach dem Aus der 29-jährigen Regensburgerin. „Ich hätte mich über einen Sieg von Jule gefreut, weil dann auf jeden Fall eine Deutsche gewonnen hätte.“

Es geht um den Allzeit-Rekord

Jetzt liegt es an Kerber: Die ehemalige Weltranglisten-Erste würde mit einem weiteren Meisterstück gegen die 36-Jährige als erste Deutsche seit Steffi Graf 1996 auf den Rasenplätzen in London triumphieren und sich mit ihrem dritten Grand-Slam-Titel in der Historie von Wimbledon verewigen. Serena Williams würde sich ihrerseits als älteste Grand-Slam-Siegerin aller Zeiten überbieten, zudem bei ihrem erst zweiten Grand-Slam-Auftritt als Mutter ihren 24. Grand-Slam-Titel holen und den Allzeit-Rekord der Australierin Margaret Court einstellen.

Angelique Kerber freut sich über ihren Sieg. Kerber gewann das Halbfinale mit 6:3, 6:3. Foto: Nigel French/PA Wire/dpa +
Angelique Kerber freut sich über ihren Sieg. Kerber gewann das Halbfinale mit 6:3, 6:3. Foto: Nigel French/PA Wire/dpa +

„Ich habe Wimbledon immer als kleines Kind verfolgt, mit Boris und Steffi. Es war immer als kleines Kind mein Traum hier mal zu spielen“, sagte die glückliche, aber noch nicht zufrieden wirkende deutsche Nummer eins. „Jetzt stehe ich zum zweiten Mal im Finale. Für die Historie ist das bestimmt schön.“ Mit ihrer überzeugenden Konstanz und Geduld spielte die Linkshänderin ihre Erfahrung gegenüber der neun Jahre jüngeren Haudrauf-Spielerin Ostapenko aus. „Hier wieder im Finale zu stehen, bedeutet mir schon sehr viel“, sagte Kerber. „Es ist ein großartiges Gefühl. Dafür trainieren wir, für die Matches auf der großen Bühne. Es kommt aber noch ein Match.“

Williams gelang jeweils das Break zum 2:4

Kerbers Daumendrücken für Görges und das erste deutsche Damen-Endspiel in Wimbledon seit 1931 half anschließend nicht. Görges verpasste eine Überraschung gegen die siebenmalige Wimbledonsiegerin Serena Williams und kassierte jedes Mal die entscheidenden Breaks in beiden Sätzen zum 2:4. In ihrem ersten Grand-Slam-Halbfinale – Serena Williams spielte Grand-Slam-Halbfinale 35 und gewann 30 davon – hielt in Phasen immer wieder gut mit und bot Topschläge, doch Williams zeigte ihre wohl beste Leistung im bisherigen Turnierverlauf. Görges gab alles, doch gegen die kraftvollen Schläge ihrer Gegenspielerin fand sie kein Rezept.

„Momentan eine einfache Analyse... Serena in dieser Form einfach zu gut“, schrieb die Damen-Verantwortliche im deutschen Tennis, Barbara Rittner, während der Begegnung auf Twitter. Und nach ihrem Zweisatzsieg fasste sich Serena Williams mit der Faust ans Herz, ganz so, als wollte sie demonstrieren, wie sehr sie sich ihre Leidenschaft fürs Tennis auch als Mutter bewahrt hat.

Barbara Rittner nach dem Match auf Twitter:

Für die Neuauflage des Finals von 2016 scheint Kerber gerüstet, die wohl auch wieder eine so starke Quote des ersten Aufschlags wie gegen Ostapenko braucht (77 Prozent). Schon vor zwei Jahren hatte die zweimalige Grand-Slam-Siegerin einen glänzenden Auftritt gezeigt, unterlag der jahrelangen Branchen-Anführerin aus den USA aber dennoch. Wiederholt sie aber ihren Coup von Melbourne 2016, als sie Serena Williams im Endspiel der Australian Open besiegte, würde sie auch eine Bestmarke von Graf verteidigen. Mit ihrem achten Wimbledon-Titel könnte Williams Graf in dieser Statistik abhängen (7).

Williams liebt Kerbers Spiel

„Es ist ein komplett neues Match“, sagte Kerber, die von ihrer Finalkontrahentin viel Lob bekommt: „Ich liebe es, sie spielen zu sehen. Egal was für mich passiert, es ist eine unglaubliche Motivation für mich“, sagte Williams über die Kielerin. Wenn Ostapenko auf den Ball hämmerte und richtig traf, konnte die Linkshänderin wenig ausrichten. Mit ihrem Tempo sorgte die Lettin für Raunen im Publikum, zahlreiche Fehler blieben allerdings nicht aus. So lag Kerber in Durchgang zwei schon 5:1, 30:0 in Führung, musste noch ein wenig zittern. Doch dann verwandelte sie ihren zweiten Matchball.

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