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Tennis

Julia Görges hat ein liebstes-Turnier

Die Regensburgerin verteidigt in Auckland als erste Spielerin seit 15 Jahren den Titel – und schafft noch mehr Besonderes.
Von Claus-Dieter Wotruba und Robert Semmler

Julia Görges durfte die Trophäe in Auckland zum Saisonauftakt auch in diesem Jahr wieder küssen. Foto: Chris Symes/Photosport/AP/dpa
Julia Görges durfte die Trophäe in Auckland zum Saisonauftakt auch in diesem Jahr wieder küssen. Foto: Chris Symes/Photosport/AP/dpa

Auckland. Julia Görges ließ sich auf den Platz fallen und feierte emotional: Es sind genau diese Auftritte wie im Finale von Auckland, die die Fortschritte der Weltklasse-Tennisspielerin zeigen, die seit über drei Jahren in Regensburg zuhause ist. Das Turnier mit 250 000 Dollar Preisgeld, von denen die Siegerin 43 000 Dollar bekommt, war kein Selbstläufer – auch das Endspiel nicht. Die 105 Minuten beim 2:6, 7:5 und 6:1 gegen die 18-jährige kanadische Qualifikantin und Überraschungsfinalistin Bianca Andreescu, die zuvor mit Venus Williams, der topgesetzten Caroline Wozniacki und auch Hsieh Su-wei im Halbfinale namhafteste Konkurrenz ausgeschaltet hatte.

Die Bilanz beim traditionellen Saisonauftakt für die Regensburger Crew mit Trainer Michael Geserer und Athletik-Coach Florian Zitzelsberger liest sich seit 2016, wie es sich für ein gutes Pflaster gehört: Finale, Halbfinale, Turniersieg, Turniersieg. Julia Görges ist die erste Spielerin, die es zum dritten Mal ins Finale von Auckland schaffte und die erste seit Eleni Daniilidou 2004, die ihren Titel verteidigte.

Ein Maori-Umhang als Trophäe

Der siebte Turniersieg in der Görges-Karriere wies noch mehr Besonderheiten auf: Zum ersten Mal hat die Regensburgerin, die als Trophäe auch einen traditionellen Maori-Umhang alsTrophäe erhielt, ein Turnier zweimal gewonnen – und dazu auch erstmals bei einem Turnier die Oberhand behalten, in dessen Turnierverlauf sie einen Matchball gegen sich hatte, nämlich beim Dreisatzerfolg gegen Eugenie Bouchard im Viertelfinale. „Ich glaube, das war eins der härtesten Spiele, das ich je bestritten habe“, wurde Görges nach diesem Match zitiert. „Heute war das Wichtigste, Lösungen zu finden und im dritten Satz zurückzukommen – das ist mir gut gelungen.“

„Bianca hat es mir sehr schwer gemacht.“

Julia Görges

Und auch im Endspiel von Auckland sah es lange gar nicht so gut aus. Im ersten Satz brachte die Regensburgerin, die 2018 die Spielerin mit den meisten Assen auf der WTA-Tour war, keines ihrer vier Aufschlagsspiele durch. Auch im zweiten Durchgang lag Görges mit 4:5-Rückstand – auch wenn diesmal ein Matchball für die Gegnerin ausblieb. „Ich habe meine Erfahrung ausgespielt. Ich habe alles reingelegt und in den wichtigen Momenten versucht, eine Wende zu meinen Gunsten zu erzwingen“, sagte die Wimbledon-Halbfinalistin bei der Siegerehrung und zog sich selbst aus den Schwierigkeiten. Görges profitierte am Ende auch davon, dass es für ihre Gegnerin bereits das achte Turnierspiel war. „Bianca hat es mir sehr schwer gemacht“, räumte Julia Görges ein.

„Ich habe meine Erfahrung ausgespielt.“

Julia Görges

Im Feld der 16 Doppel hatte Görges übrigens bereits im ersten Spiel mit der ungarischen Topspielerin Timea Babos (Nummer drei der Doppel-Weltrangliste) mit dem 4:6, 6:1, 5:10 im Match-Tiebreak gegen die chilenisch-neuseeländische Kombination Aleaxa Gurachi/Erin Routliffe die Segel streichen müssen.

Julia Görges dankte ihrem Team, das maßgeblich zu den seit längerem konstant guten Leistungen seit dem Ortswechsel beigetragen habe. „Es hat mir sehr geholfen, auch mit solchen Situation klarzukommen“, betonte Görges, die unter dem sommerlichen Abendhimmel am anderen Ende der Welt auch wieder ihre Emotionen zeigte. „Manchmal muss man die negativen Erfahrungen machen, um ein positives Resultat zu bekommen“, hatte die 30-Jährige schon in einem Gespräch mit der Mittelbayerischen gesagt. „Der langjährige Prozess ist das Wichtigste, was dahintersteckt.“

Eine Woche in Melbourne

Genau dieser Entwicklungsprozess war auch im Turnier von Auckland wieder sichtbar und drückte sich in der großen Freude der Regensburgerin aus. Schon in der Nacht zum Montag nach deutscher Zeit ging die Reise für Julia Görges und Co. übrigens nach Melbourne weiter, wo sich die Regensburgerin mit gezieltem Training auf die Australian Open, das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres, vorbereiten wird. Und wer weiß: Vielleicht geht der Entwicklungsprozess dort, wo sie in den vergangenen drei Jahren stets in der zweiten Runde ausschied, ja schon sichtbar weiter.

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Julia Görges bleibt an Position 14

  • Konstanz:

    Ohne den Erfolg von Auckland wäre Julia Görges in der Weltrangliste um zwei bis vier Ränge zurückgefallen. Jetzt geht die Regensburgerin als Nummer 14 der Welt in die Australian Open ab 14. Januar in Melbourne.

  • Gegnerin:

    Bianca Andreescu wäre mit einem Turniersieg erstmals in ihrer Karriere in die Top 100 vorgestoßen und wird ab heute statt an 152 an Position 107 notiert sein.

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