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Tennis

Kerber gewinnt die Australian Open

Angelique Kerber, Tennisspielerin des TC Rot-Blau Regensburg, schafft die Sensation und besiegt die Weltranglisten-Erste.
Von Lars Reinefeld, dpa und Felix Kronawitter, MZ

Ist am Ziel ihrer Träume: Angelique Kerber Foto: afp
Ist am Ziel ihrer Träume: Angelique Kerber Foto: afp

Melbourne.Nach der größten deutschen Tennis-Sensation seit Boris Beckers Wimbledonsieg 1985 ließ sich Angelique Kerber auf den Rücken fallen – dann flossen Freudentränen. Die Kielerin, die in der Bundesliga für den TC Rot-Blau Regensburg aufschlägt, gewann am Samstag im Finale der Australian Open nach einer Weltklasse-Leistung gegen Titelverteidigerin Serena Williams mit 6:4, 3:6, 6:4 und sorgte damit für den ersten Grand-Slam-Titel einer deutschen Spielerin seit dem Triumph von Steffi Graf bei den French Open 1999.

Kerber verteidigte damit zugleich Grafs Grand-Slam-Rekord von 22 Titeln. Williams bleibt nach ihrer erst fünften Niederlage in einem Finale der vier Major-Events bei 21 Erfolgen stehen. Kerber wird nach dem größten Sieg ihrer Karriere am Montag die Nummer zwei der Tennis-Welt sein.

Grand-Slam-Siegerin schlägt in Regensburg auf

Michael Geserer, Teammanager des Eckert-Tennis-Teams des TC Rot-Blau Regensburg
Michael Geserer, Teammanager des Eckert-Tennis-Teams des TC Rot-Blau Regensburg

„Wahnsinn! Eine grandiose Leistung!“, bringt es Michael Geserer, Teammanager des Eckert-Tennis-Teams des TC Rot-Blau Regensburg, der vor dem Fernseher mitfieberte, auf den Punkt.

In der 1. Runde war er noch live mit dabei in Melbourne, als Kerber gegen die Japanerin Misaki Doi am Rande einer Niederlage stand, sich aber durchbiss. Solche Spiele gelte es zu überstehen, weiß Geserer. „Wenn man dann Azarenka und Williams schlägt, ist man die verdiente Siegerin.“ In der neuen Bundesliga-Saison schlägt bei einem Heimspiel der Regensburger mit Kerber nun also tatsächlich eine Grand-Slam-Siegerin auf. „Das unterstreicht, was wir in Regensburg hier für ein Glück haben, Angie auf unserer Anlage spielen zu sehen“, weiß Geserer, der mit Julia Görges und Karolina Pliskova, die in Melbourne im Doppel erst im Halbfinale scheiterten, noch weitere Kaliber aufbieten kann.

Klaus Eder Foto: dpa
Klaus Eder Foto: dpa

„Das freut mich riesig für die Angie“, sagt Klaus Eder, der neben der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auch das deutsche Tennis-Team als Physiotherapeut betreut. Der Sensationssiegerin kann Eder, der am Samstagvormittag einen Vortrag hielt, als auf einmal ein Raunen durch den Hörsaal ging, in Leipzig, wo es am 6./7. Februar für das deutsche Fed-Cup-Team im Erstrundenduell gegen die Schweiz geht, gleich nochmal persönlich gratulieren. „Ich hoffe, dass dieser schöne Sport durch den sensationellen Erfolg wieder Aufschwung bekommt.“

Williams als faire Verliererin

Verpasste den nächsten Triumph: Serena Williams Foto: dpa
Verpasste den nächsten Triumph: Serena Williams Foto: dpa

„Puuuhhh“, sagte Kerber derweil in ihrer Sieger-Ansprache und rang nach Worten. Doch dann sprudelte es aus der 28-Jährigen nur noch so heraus. „An diesem Abend ist mein Traum wahr geworden. Ich habe mein ganzes Leben hart gearbeitet, und jetzt stehe ich hier und bin ein Grand-Slam-Champion“, sagte Kerber. „Das hört sich verrückt an.“

Die Kielerin wollte gar nicht mehr aufhören zu reden. „Danke an meine Familie, an meine Freunde, an mein Team. Ich weiß, manchmal bin ich nicht einfach. Danke an alle.“ Williams zeigte sich als faire Verliererin. „Angie, du hast es so sehr verdient. Ich hoffe, du genießt den Moment.“

„An diesem Abend ist mein Traum wahr geworden. Ich habe mein ganzes Leben hart gearbeitet, und jetzt stehe ich hier und bin ein Grand-Slam-Champion.“

Angelique Kerber

Zuletzt hatte Sabine Lisicki 2013 in Wimbledon im Finale gestanden, war dort gegen Marion Bartoli aus Frankreich aber chancenlos gewesen. Kerber spielte bei ihrer Premiere in einem Grand-Slam-Finale dagegen überragend und wie entfesselt, nach 2:08 Stunden verwandelte sie ihren ersten Matchball.

Dabei hatte sie vor der Partie noch zugegeben, sehr nervös zu sein. Der Tag sei extrem lang gewesen, meinte sie nach dem Einschlagen mit ihrem Trainer Torben Beltz rund zwei Stunden vor der Partie.

Doch als das bislang wichtigste Spiel ihrer Karriere begann, agierte Kerber so, als habe sie in ihrem Leben noch nie etwas anderes gemacht, als ein Grand-Slam-Finale zu bestreiten. Gelöst und voller Vorfreude nahm sie beim Einmarsch in die Rod Laver Arena den Blumenstrauß aus den Händen eines Kindes in Empfang.

„Angie, du hast es so sehr verdient. Ich hoffe, du genießt den Moment.“

Serena Williams

Und auch als die Partie begann, schien ihre Nervosität wie verflogen. Zwar machte sie beim ersten Aufschlagspiel der Amerikanerin keinen Punkt, doch dann brachte sie ihr Service ebenfalls durch. Damit hatte die Norddeutsche sofort ein kleines Ausrufezeichen gesetzt. Doch es kam noch besser. Kerber spielte weiter mutig drauf los und nahm der großen Favoritin das Service zum 2:1 ab. Ein Raunen ging durch das Stadion. Sollte hier die große Überraschung in der Luft liegen?

Auch einige prominente Regensburger drückten die Daumen:

Regensburg drückt Kerber die Daumen

Ein packendes Match

Kerber hatte Williams auf jeden Fall früh die Laune verdorben. Die Amerikanerin zeigte sich sichtlich verärgert und steigerte sich nun. Zum 3:3 nahm sie Kerber das Service ab, weil deren zweiter Aufschlag einfach zu harmlos war. Nun schien alles wieder in der Reihe zu sein.

Aber Kerber wich nicht zurück. Sie schaffte prompt das nächste Break, weil sie deutlich mehr Bälle zurückbrachte als alle anderen bisherigen Williams-Gegnerinnen im Turnier zusammen. Williams wirkte verdutzt und leitete sich einen leichten Fehler nach dem anderen. 23 waren es bis zum Ende des ersten Satzes, den sich Kerber nach 39 Minuten unter dem großen Jubel der Zuschauer sicherte.

Im zweiten Durchgang hob Williams ihr Niveau dann aber deutlich an. Zugleich unterliefen Kerber ein paar Fehler mehr, die die dreimalige Grand-Slam-Turnier-Siegerin des vergangenen Jahres zu nutzen wusste. Zum 3:1 gelang ihr das Break, nach insgesamt 72 Minuten schaffte Williams den Satz-Ausgleich. Vor allem deshalb, weil die Amerikanerin ihre Anzahl an leichten Fehlern von 23 auf fünf zurückschraubte.

Kommentar

Deutlicher Fingerzeig

Seit vier Jahren zählt Angelique Kerber zu den besten zehn Tennisspielerinnen der Welt. Sie gewann sieben mittelgroße Turniere, stand in zwei Grand-Slam-Halbfinals...

Doch wer gedacht hatte, nun würde Williams problemlos durch den dritten Satz spazieren, der sah sich getäuscht. Kerber zeigte keine Nerven, spielte weiter mutig und kämpfte um jeden Ball. Der Lohn war ein frühes Break zum 2:0, auch weil Kerber zwei spektakuläre Ballwechsel mit großem Kampfgeist für sich entschied. Allerdings konnte Kerber ihren Vorsprung danach nicht halten und gab sofort selbst ihr Service ab.

Aber auch von diesem Rückschlag ließ sich die Schleswig-Holsteinerin nicht unterkriegen. Zum 4:2 schaffte sie das nächste Break und führte die Nummer eins der Welt dabei mit traumhaften Stoppbällen phasenweise vor. Beim Stand von 5:3 schlug Kerber zum Matchgewinn auf, muste aber wieder ein Break hinnehmen. Doch Kerber machte einfach weiter und wurde nach gut zwei Stunden schließlich belohnt.

Ein Video von Kerbers Auftritt 2015 in Regensburg:

Kerber und Pliskova begeistern Regensburger Fans

Reaktionen auf Twitter zum Sensationssieg:

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Nr.2 der Welt im Eckert-Tennis-Team!!!

Posted by TC Rot Blau Regensburg on Samstag, 30. Januar 2016

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