mz_logo

Sport
Freitag, 25. Mai 2018 24° 8

Fussball

Lahm: Botschafter mit Zukunftsvisionen

Kapitän Lahm vermisst das Spielen in vollen Stadien nicht. Er arbeitet akribisch an der zweiten Karriere.
Von Klaus Bergmann, dpa

Die frühere Nationalspielerin und DFB-Integrationsbotschafterin Celia Sasic und DFB-Ehrenspielführer Philipp Lahm machen Werbung für die EM. Foto: Harold Cunningham/UEFA/dpa

München.An die längste Zeitspanne in seiner erfolgreichen Fußball-Karriere erinnert sich Philipp Lahm so kurz vor der WM in Russland wieder häufiger. Denn das erste, woran der Kapitän der deutschen Weltmeister-Mannschaft von 2014 denkt, wenn es um den Triumph in Brasilien geht, ist der „Schlusspfiff im Finale“ gegen Argentinien. „Vom Tor von Mario Götze bis zum Abpfiff, das waren die längsten Minuten meines Fußballlebens. Da dachte ich nur: Bitte, bitte, pfeif endlich ab!“, erzählt der heute 34 Jahre alte Lahm.

Nach dem endlosen Warten im Anschluss an das 1:0 von Götze in der zweiten Hälfte der Verlängerung pfiff der Italiener Nicola Rizzoli ab - und Lahm durfte im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro den goldenen WM-Pokal in Empfang nehmen. Nach seinem 113. Länderspiel und dem größten Fußball-Triumph hörte Titelsammler Lahm im Alter von nur 30 Jahren auf. „Am Höhepunkt“, wie er vier Jahre später sagt. Und rückblickend betont: „Es war für mich die richtige Entscheidung.“

Konsequenz zeichnet Lahm aus. Er verfolgt Pläne, Ziele und Projekte akribisch. So ist es auch in seinem neuen Leben, dass er ein Jahr nach dem ebenfalls terminierten Karriereende beim FC Bayern mit Inhalten füllt. „Mein Tagesablauf ist abwechslungsreicher geworden“, sagt der gebürtige Münchner. Lahm ist Unternehmer. Er hat seine inzwischen zehn Jahre alte Stiftung für Sport und Bildung. Und er schätzt das Mehr an Zeit für seine Familie, den Sohn und die gerade mal neun Monate alte Tochter. „Ausruhen gibt es da nicht.“

Spiele vor 70 000 Fans fehlen ihm nicht

Am wenigsten vermisst Lahm die „tote Zeit“, wie er das ständige Warten rund um die Spiele an Flughäfen und in Hotels bezeichnet, „diese Zeit des Nichtstuns“. Aber auch das Spielen vor 70 000 Fans fehle ihm nicht. „Wenn ich etwas vermisse, ist es die Atmosphäre in der Kabine. Die ist speziell. Aber Profi war ich lange genug.“

Der Fußball fesselt ihn weiterhin. Aber Lahm nimmt eine andere Rolle ein. Als Botschafter des DFB für die EM-Bewerbung 2024 kämpft er gegen den Mitbewerber Türkei um ein neues Fußballfest in Deutschland, 18 Jahre nach der WM, die er als Spieler miterlebte. „2006 hatten wir super Wochen in Deutschland.“ Diese Zeit hat ihn geprägt. Das hat ihn empfänglich gemacht für die verantwortungsvolle Botschafteraufgabe. „Deshalb war schnell klar, dass ich ‚Ja‘ sagen muss. Als Ehrenspielführer und Weltmeister will ich weiterhin Verantwortung im Fußball übernehmen. Ich sehe das schon als große Verpflichtung.“

Vor vier Jahren holte Lahm noch als Spieler den Pokal. Foto: Marcus Brandt/dpa

Am 27. September wird der EM-Gastgeber 2024 gekürt. Über eine Anschlussaufgabe mag Lahm noch nicht öffentlich reden. „Wir müssen erst einmal den Zuschlag bekommen.“ Aber wer ihn kennt, weiß, dass er Projekte gerne bis zum Ende verfolgt. „Ich habe viel Spaß und Freude an dieser Aufgabe“, sagt er. In Russland wird er zur DFB-Delegation gehören. Auf das WM-Turnier freut er sich. Es ist die erste WM seit 2002, die er nicht als Spieler erlebt. Jetzt könne er mal das gesamte „Drumherum“ bei einem so großen Turnier kennenlernen, betont Lahm.

Zudem wird er für die ARD im Einsatz sein. Er will dem Fan in den Gesprächen mit Jessy Wellmer Einblicke geben, „da hilft mir meine Erfahrung von sechs großen Turnieren“. Er sieht sich aber nicht als Gegenpol zum ZDF-Experten Oliver Kahn, seinem früheren Kollegen beim FC Bayern und der Nationalelf. Lahms Gespräche finden auch nicht im WM-Studio in Baden-Baden statt, sondern am Tegernsee, wo er wohnt.

Philipp Lahm ist auf die WM gespannt

Er ist gespannt, ob die noch neun WM-Kollegen von Brasilien, die von Bundestrainer Joachim Löw in den vorläufigen Russland-Kader berufen wurden, den Titelgewinn wiederholen können. „Jogi traue ich sehr viel zu“, sagt Lahm: „Er weiß, wie er die Mannschaft perfekt zusammenstellen und vorbereiten kann. Deutschland war immer eine Turniermannschaft. Sie zählt zu den Favoriten.“

„Jogi traue ich sehr viel zu.“

Ehrenspielführer Philipp Lahm

Trainer Löw und Käpt’n Lahm - das war ein vertrautes Gespann. Als Lahm Ende 2017 zum Ehrenspielführer ernannt wurde, hielt Löw die Laudatio auf dem DFB-Bundestag in Frankfurt. Der Weltmeistercoach würdigte den Spieler, Anführer, Kapitän und Menschen Philipp Lahm. Löw sagte einen bemerkenswerten Satz: „Für Dich müsste eine neue Ehrung erfunden werden: Weltfußballer des Jahrzehnts.“

Lesen Sie auch: Löws Kaderplanung findet MZ-Sportredakteur Jürgen Scharf „Hart, aber fair“.

Lahms Zukunft nach dem Anfang als EM-Botschafter könnte auch beim DFB liegen. Zum Beispiel als Nachfolger von Teammanager Oliver Bierhoff (50) - irgendwann einmal. Oder es kommt doch zu einer Rückkehr zu dem Verein, zu dem Lahm schon als elfjähriger Bub stieß: Bayern München.

Der Versuch, ihn direkt als Sportchef ins Management einzubinden, ist vor einem Jahr fehlgeschlagen. Lahm wurde von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge lange umgarnt. Er hätte die Lücke schließen können, die Sportvorstand Matthias Sammer hinterlassen hatte. Mit verschiedenen Auffassungen von der Tätigkeit, Verantwortungsbereichen und Verantwortlichkeiten begründet Lahm die verfehlte Einigung.

Eine Option für die Zukunft bleibt der FC Bayern dennoch für ihn. „Klar. Ich bin 34 Jahre alt. Ich habe hoffentlich noch viel vor mir in meinem Leben. Ich habe aktuell interessante Aufgaben, aber wie gesagt: Ich bin erst 34, ich kann mir das natürlich vorstellen!“

Weitere Meldungen aus der Welt des Sports lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht