MyMz

Nationalelf

Löw spürt Zeitnot in Richtung EM

Der Druck war dem jungen Team in Belfast anzumerken. Für den Bundestrainer ist der Weg in die Weltspitze „nicht so einfach“.
Von Klaus Bergmann und Arne Richter

„Am Ende zählen drei Punkte“, sagt Joachim Löw. Mit der Leistung in Belfast war der Bundestrainer trotzdem nicht zufrieden. Foto: Charisius/dpa
„Am Ende zählen drei Punkte“, sagt Joachim Löw. Mit der Leistung in Belfast war der Bundestrainer trotzdem nicht zufrieden. Foto: Charisius/dpa

Belfast.Nach einer kurzen Nacht konnte ein nachdenklich gewordener Joachim Löw mit seinen lernwilligen EM-Azubis planmäßig den Heimflug aus Belfast antreten. Vom Pilotenstreik bei British Airways wurde die DFB-Delegation dank ihrer Sondermaschine nicht aufgehalten. Planmäßig war auch der zähe Fußballabend gegen aufsässige Nordiren verlaufen, wenn man die laut Löw „sehr schwierigen 90 Minuten“ auf das Wesentliche reduziert. „Am Ende zählen drei Punkte in der Quali, das haben wir erreicht. Von daher können wir zufrieden sein“, sagte Löw. Das Problem: Zufriedenheit strahlte er bei den Worten nicht aus.

EM-Qualifikation

Deutschland gewinnt mit viel Mühe

Die DFB-Auswahl siegt gegen Nordirland mit 2:0. Damit ist das Team wieder Spitzenreiter in der Gruppe.

Der Start in die EM-Saison hat Zweifel am raschen Reifen zu einer starken Turniermannschaft gesät, auch wenn Marco Reus betonte: „Wir haben einen wichtigen Schritt getan.“ Als Tabellenführer geht das DFB-Team (zwölf Punkte) in den finalen Dreikampf mit den Nordiren (zwölf) und den Niederlanden (neun Punkte, ein Spiel weniger) um zwei EM-Tickets. „Wir haben nicht gesagt, dass wir mit dieser jungen Mannschaft jetzt jeden Gegner weghauen“, erklärte Reus.

Es fehlt die Leichtigkeit

Die Woche war für die größtenteils unerfahrene Umbruch-Generation ein weiterer wertvoller Lernschritt. „Das war ein ganz wichtiges Spiel für uns. Es war schon zu merken, dass wir unter Druck standen“, sagte Kapitän Manuel Neuer, der wieder als Rückhalt im Tor gefordert war. „Wir mussten einige Schwierigkeiten überwinden in diesem Spiel“, gestand auch Löw ein. Die Souveränität fehlte. Die Leichtigkeit. Am Anfang auch der Behauptungswille gegen körperlich robuste Nordiren.

Die Termine der Nationalelf

  • Testspiel:

    Die EM-Qualifikation geht für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit dem Auswärtsspiel am 13. Oktober in Tallinn gegen Tabellenschlusslicht Estland weiter. Vier Tage zuvor steht in Dortmund ein Test gegen Argentinien an.

  • Qualifikation:

    Superstar Lionel Messi wird dabei fehlen, er ist gesperrt. In den letzten beiden Qualifikationsspielen trifft die DFB-Auswahl am 16. November in Mönchengladbach auf Weißrussland und am 19. November in Frankfurt auf Nordirland. (dpa)

Erst das Premierentor von Marcel Halstenberg löste die Bremse etwas. Serge Gnabry beseitigte in der Nachspielzeit mit dem 2:0 die Restzweifel am Sieg. Hinterher war ein sehr analytischer Bundestrainer zu erleben. Löw spürt, dass er beim Neuaufbau eines turniertauglichen Teams in Zeitnot geraten könnte. Die zahlreichen Ausfälle behindern die Entwicklung. „Man hat in manchen Phasen gesehen, dass die Mannschaft so noch nicht zusammengespielt hat. Kontinuität und Eingespieltsein sind wichtig für die Zukunft. So einfach, wie das manche denken, so einfach geht es halt auch nicht.“

WM 2022 statt EM 2020?

Auf die zentrale Frage wusste der Weltmeistercoach von 2014 auch keine Antwort. Reicht die Zeit, um schon 2020 wieder zur erweiterten Weltspitze zu gehören? „Der Weg in die Spitze ist kein einfaches Unterfangen. Wir haben noch einige Monate Zeit und noch einige Länderspiele. Im nächsten Jahr wird sich zeigen, wo wir stehen. Das kann ich jetzt auch nicht sagen. Holland hat auch drei Jahre mit der aktuellen Mannschaft gebraucht. Da müssen wir noch hinkommen.“

Fussball

Löw als Tröster nach Holland-Pleite

Gegen die Niederlande kassiert die Nationalmannschaft eine bittere Niederlage. Bundestrainer Löw verspricht Besserung.

Drei Jahre also? WM 2022 statt EM 2020? Das Potenzial sei schon vorhanden, meinte Löw, etwa mit Blick auf Ausnahmetalente wie Kai Havertz. „Bei einem Turnier hängt es von vielen Faktoren ab. Wenn wir komplett sind, haben wir schon eine sehr gute Mannschaft“, erklärte Löw. In der Aussage steckt das Problem. Permanent brechen wichtige Akteure weg, nicht nur ein Leroy Sané. Immer wieder zählte Löw die Namen der Fehlenden auf, von Gündogan über Goretzka hin zu Draxler oder Rüdiger. „Einspielen ist bei einer jungen Mannschaft schon die Priorität. Wir müssen in allen Mannschaftsteilen die Automatismen schärfen“, sagte Löw zur zentralen Aufgabe in den kommenden Monaten.

Weitere Nachrichten vom Sport lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht