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Samstag, 18. August 2018 31° 3

Grossereignis

Marathon: Nicht alles läuft rund

Feuerwehrler in voller Montur und Spendenaufrufe: Der Regensburg Marathon wird plötzlich für viele zur Bühne – ungefragt.
Von Heinz Gläser

Im Vorjahr der Schnellste in der Königsdisziplin: Felix Mayerhöfer von der DJK Daßwang Foto: Christian Brüssel
Im Vorjahr der Schnellste in der Königsdisziplin: Felix Mayerhöfer von der DJK Daßwang Foto: Christian Brüssel

Regensburg.Eine tollkühne, ja eventuell waghalsige Idee macht Furore. Drei Feuerwehrmänner aus Sinzing (Lkr. Regensburg) wollen am 13. Mai den Viertelmarathon in Regensburg laufen – in voller Montur, also mit Brandschutzhose, Brandschutzmantel und mit einem Atemschutzgerät auf dem Rücken. Mehr als 15 Kilo wiegt diese Kluft. Mitgliederwerbung für den Dienst in den Freiwilligen Feuerwehren möchten die Floriansjünger mit der spektakulären Aktion treiben, wie sie in der Mittelbayerischen Zeitung angekündigt haben. Mittlerweile erregt das Projekt überregional Aufmerksamkeit. Am Freitag rief „Antenne Bayern“ Feuerwehrleute bayernweit zum Start beim 27. Regensburg-Marathon auf. „Die Teilnahmegebühr übernehmen natürlich wir!“, heißt es auf der Homepage des Radiosenders.

Der Veranstalter LLC Marathon Regensburg verfolgt den Hype indes mit gemischten Gefühlen. Sicherlich, es handle sich um ein „ehrenwertes Anliegen“ und habe durchaus einen „willkommenen Werbeeffekt“, sagt die langjährige Organisationsleiterin Claudia Fritsch. Und bei der Abwicklung des Großereignisses sei man ja jedes Jahr dringend auf die tatkräftige Mithilfe ehrenamtlich tätiger Feuerwehrmänner und -frauen angewiesen.

Auch ein Versicherungsthema

Andererseits sehen Fritsch und die LLC-Vorsitzende Sylvia Gingele die Aktion „zwiespältig“. Gingele sagt: „Bei uns laufen alle organisatorischen Fäden zusammen. Wir finden es nicht gut, mit so einem Plan an die Medien zu gehen, bevor man uns kontaktiert.“ Denn das war in diesem Fall die Krux: Vom Vorhaben der Sinziger Wehr erfuhren Gingele & Co. auf Nachfrage der Mittelbayerischen Zeitung.

•Das erste Training für den Viertelmarathon in voller Feuerwehr-Montur brachte die Sinzinger Feuerwehrler ordentlich zum Schwitzen. Von links nach rechts: FFW-Vorsitzender Wolfgang Pumberger, Helmut Finkenzellner und Bernhard Kranz Foto: Lindner
•Das erste Training für den Viertelmarathon in voller Feuerwehr-Montur brachte die Sinzinger Feuerwehrler ordentlich zum Schwitzen. Von links nach rechts: FFW-Vorsitzender Wolfgang Pumberger, Helmut Finkenzellner und Bernhard Kranz Foto: Lindner

Die Marathon-Veranstalter haben sich zwischenzeitlich abgesichert und „das Versicherungsthema geklärt“, wie Fritsch sagt: „Wir sind nicht für eventuelle gesundheitliche Probleme verantwortlich, wenn jemand in nicht sportadäquater Kleidung läuft. Jeder ist auf eigene Gefahr unterwegs.“ Das Thema hat deswegen besondere Brisanz, weil der Marathon im Vorjahr bei Temperaturen über 30 Grad einen Todesfall zu beklagen hatte. „Auch wenn uns keine Schuld trifft, kann so ein tragischer Vorfall der Veranstaltung negativ anhaften“, fügt Gingele hinzu. Immerhin: „Antenne Bayern“ hatte den LLC vor dem Aufruf kontaktiert.

„Wir haben aus all dem gelernt und ändern unsere Ausschreibungen. Alle Aktionen sind anzumelden.“

Claudia Fritsch, Veranstaltungsleiterin.

Auch auf unangekündigte Spendenaktionen privater Initiativen, die den Marathon nutzen, um für ihre Ziele Geld zu sammeln, reagieren die Veranstalter allergisch. „Solche Spendenläufe werden uns einfach übergestülpt. Wir sehen es gar nicht gern, wenn einer mit einer Spendendose unterwegs ist. Und auch das Verteilen von Flyern ist ein absolutes No-Go. Auf dem Müll bleiben dann nämlich wir sitzen“, kritisiert Fritsch.

Auch in diesen Fällen fehle es an der vorherigen Kommunikation, beklagt Gingele. Der Marathon könne durchaus eine Plattform sein, um auf sich aufmerksam zu machen – aber nach entsprechender Anmeldung und im offiziellen Rahmen. Die Bundeswehr beispielsweise sei mit einem – bezahlten – Stand bei der Messe auf dem Infineon-Parkplatz vertreten.

Veranstaltungsleiterin Claudia Fritsch (links) und LLC-Vorsitzende Sylvia Gingele Foto: altrofoto.de
Veranstaltungsleiterin Claudia Fritsch (links) und LLC-Vorsitzende Sylvia Gingele Foto: altrofoto.de

Der LLC Marathon zieht nun Konsequenzen. „Wir wollen wirklich keine Spaßbremsen sein. Aber wir haben aus all dem gelernt und ändern unsere Ausschreibungen. Alle Aktionen sind anzumelden“, sagt Claudia Fritsch.

Damit nicht genug der Irritationen im Marathon-Vorfeld. Bei der Kooperation mit der Stadt Regensburg, die Fritsch als „über die Jahre sehr, sehr gut“ beschreibt, holperte es heuer. Eine nicht angekündigte Komplettsperrung bei der Irler Höhe, die wegen der Streckenveränderung eine äußerst aufwendige Neuvermessung erforderlich gemacht habe, sei ebenso ärgerlich wie die Tatsache, dass die Marathon-Veranstalter heuer 500 Euro „Miete“ für die Nutzung eines kleinen Grünstreifens zwischen Westbad und Infineon zu berappen haben. „Wenn man sieht, was für eine Prestigeveranstaltung wir für die Stadt sind, sind das pingelige Schikanen“, kritisiert Claudia Fritsch.

Auf bewährten Pfaden

„42,195 Kilometer auf bewährten Pfaden“, so könnte ansonsten das Motto für den nunmehr bereits 27. Regensburg-Marathon lauten. Obwohl die Veranstaltung am 13. Mai wie im Jahr 2015 auf den Muttertag fällt, was den Starterzahlen erfahrungsgemäß nicht zuträglich ist, erwartet der LLC insgesamt rund 4500 Läuferinnen und Läufer in den verschiedenen Disziplinen – Marathon, Dreiviertelmarathon, Halbmarathon und Viertelmarathon. Hinzu kommen am Samstag, 12. Mai, rund 1700 enthusiastische junge Teilnehmer beim Minimarathon, der sich weiterhin zum Renner entwickelt, und der traditionelle Frühstückslauf der Mittelbayerischen Zeitung.

Marathon-Notizen

  • Anmeldezahlen:

    Für den 27. Regensburg-Marathon lagen – Stand 30. April – so viele Anmeldungen vor: 519 im Marathon, 1249 im Dreiviertelmarathon, 1922 im Halbmarathon und 787 im Viertelmarathon. Die Veranstalter gehen von 4500 Teilnehmern am 13. Mai aus.

  • Titelverteidiger:

    Einige Sieger von 2017 haben sich erneut angemeldet, so Alex Steinberger (Dreiviertelmarathon Männer), Angela Brito (Halbmarathon Frauen) und Laura Martinez (Viertelmarathon Frauen).

  • Am Start

    wird voraussichtlich auch das Regensburger Triathlon-Ass Sebastian Neef sein.

Neu im Programm ist ein Trachtenlauf über ein Zehntel der Marathon-Strecke, also 4,2 Kilometer. „Wir sind selbst gespannt, wie dieses Angebot im Einführungsjahr angenommen wird. Es wird auf keinen Fall ein Wettrennen, aber auf jeden Fall ein Hingucker sein“, sagt Fritsch. Gelaufen wird in Dirndl, Lederhose oder sonstiger Tracht durch den Donaupark. Der Trachtenlauf am Samstag ab 17 Uhr tritt an die Stelle des Marathon-Konzerts auf dem Haidplatz.

Im Vorjahr hatten auf der langen Distanz Eva-Maria Schmitt (TSV Rannungen/3:12:03 Stunden) und Felix Mayerhöfer (DJK Daßwang/2:31:36 Stunden) die Nase vorne. Zeiten, an denen sich die „Nachfolger“ in diesem Jahr messen lassen müssen.

Hier sehen Sie die Strecke für den Halbmarathon und Marathon:

„Natürlich bessern wir hier und da nach, aber unser Konzept hat sich bewährt. Das Ganze muss ja organisierbar bleiben und darf nicht aus dem Ruder laufen“, sagt Gingele zur breitensportlichen Orientierung des Regensburg-Marathons. Die LLC-Vorsitzende fügt hinzu: „So, wie wir jetzt aufgestellt sind, finde ich es super.“

Eine gravierende Veränderung im kommenden Jahr ist freilich bereits absehbar und höchst willkommen. 2019 wird die Strecke beim 28. Regensburg-Marathon nach vollendeter Instandsetzung wieder über die Steinerne Brücke führen. Für das Lauferlebnis in der Welterbe-Stadt ist das atmosphärisch sicherlich ein Gewinn.

Alle Informationen zum Regensburg-Marathon finden Sie hier: www.mittelbayerische.de/marathon

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