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Mittwoch, 15. August 2018 27° 6

Leichtathletik

Marathonis greifen nach den Sternen

Für die Regensburger Asse Franziska Reng und Philipp Pflieger geht es in Düsseldorf und Hamburg um die EM-Fahrkarten.

Steht vor einem Drahtseilakt: Franziska Reng Foto: Kiefner
Steht vor einem Drahtseilakt: Franziska Reng Foto: Kiefner

Regensburg.Für ihren ganz „heißen“ Sonntag in Hamburg und Düsseldorf wünschen sich Regensburgs Marathon-Asse Franziska Reng und Philipp Pflieger nur eins: möglichst günstige, also kühle Temperaturen für schnelle Zeiten. In Düsseldorf geht es – mit Franzi Reng am Start– um nationale Meisterehren, in Hamburg beim größten Frühjahrsmarathon Deutschlands will ihr Vereinskollege Philipp Pflieger alles klar machen für die Europameisterschaften im August in Berlin. Dorthin will auch Telis-Athlet Jonas Koller, für den es dann am 6. Mai ebenfalls in der Hauptstadt bei den 25 Kilometern von Berlin um die EM-Fahrkarte geht.

Gelingt dem Trio der große Coup, hätte die LG Telis Finanz vier Athleten bei den kontinentalen Meisterschaften an der Startlinie. Denn Olympiastarterin Anja Scherl ist nach ihren 2:29:29 Stunden vom Januar in Osaka nach menschlichen Ermessen für Berlin praktisch qualifiziert.

Unterschiedliche Aufgaben

Auch wenn die Distanz für Reng und Pflieger genau 42,195 Kilometer sein wird, könnten die Aufgabenstellungen für das Telis-Duo nicht unterschiedlicher sein. Franzi Reng hat eigentlich mit ihrem Halbmarathon-Leistungsnachweis als diesjährige deutsche Meisterin auf dieser Distanz mit 1:14:14 Stunden und ihrer letztjährigen Marathonleistung von 2:34:57 Stunden alle Punkte der DLV-Nominierungsrichtlinien erfüllt. Die Konkurrenz im eigenen Land ist aber derzeit so groß, dass daraus noch keine sichere Qualifikation abgeleitet werden kann.

„Ich hätte Franzi diesen Frühjahrsmarathon gerne erspart, weil zwei Marathonvorbereitungen in so kurzen Zeitabschnitten wahrlich kein Kinderfasching sind. Aber die unsicheren Verhältnisse machen den Drahtseilakt notwendig“, sagt Rengs Coach Kurt Ring zum Unternehmen. Für Franzi Reng wäre Berlin schon die zweite EM-Teilnahme nach dem Halbmarathon-Einsatz 2016 in Amsterdam. Dort hatte ihr eine plötzlich auftretende Muskelverletzung einen Strich durch die Rechnung gemacht und sie zur vorzeitigen Aufgabe gezwungen. Diesmal will sie natürlich beim Heimspiel kein zweites Drama erleben. So nebenbei geht’s in Düsseldorf auch noch um die deutschen Titel im Marathon. Reng will wieder unbedingt aufs Podest.

Der zweite Teil des großen Marathon-Showdowns spielt sich am 6. Mai in Berlin ab, wobei Jonas Koller auf den Straßen der Hauptstadt zunächst einmal nur eine Zeit möglichst unter 1:07:00 Stunden auf der Halbmarathon-Distanz braucht. Nach seinen formidablen 2:16:03 Stunden mit erfüllter B-Norm als deutscher Vizemeister im vergangenen Oktober in Frankfurt braucht der Regensburger eigentlich nur noch einen Leistungsnachweis, weil kaum zu erwarten ist, dass außer Hendrik Pfeiffer weitere vier deutsche Läufer schneller als diese 2:16:03 Stunden sein werden. „Jonas ist kein Hitzeläufer, was wir in Hannover bei der Halbmarathon-DM vor 14 Tagen wieder einmal deutlich erkennen mussten“, sagt Ring: „Den Leistungsnachweis braucht er eigentlich erst bis 22. Mai. Ob es dann aber von den Gesamttemperaturen kühler sein wird, ist eher unwahrscheinlich. Einziger Haken am Berliner Unternehmen dürfte sein, dass Jonas die dort ausgeschriebenen 25 Kilometer egal wie schnell durchlaufen muss, sonst zählt die Halbmarathonzeit nicht“, erklärt der Coach und fügt hinzu: „Er kann sich ja auf den letzten vier Kilometern Zeit lassen.“

Warum ausgerechnet Berlin?

Warum aber ausgerechnet der Start bei den 25 Kilometern in Berlin? Ganz einfach, Berlin hat mit solchen Dingen Erfahrung, auch die deutsche Marathonmeisterin Katharina Heinig hat auf diese Weise an gleicher Stelle schon mal ihren Leistungsnachweis für die Weltmeisterschaften in London erbracht.

Philipp Pflieger von der LG Telis Finanz hatte im Vorjahr auf Berlins Straßen bei Kilometer 39 sein ganz besonderes Marathon-Drama erlebt, als die Kräfte schwanden. Ein Helfer musste ihn stützen. „Es war, als hätte mir einer den Stecker gezogen“, berichtete Pflieger später.

„Philipp ist derzeit eigentlich Deutschlands stärkster Marathonmann, nachdem Rekordhalter Arne Gabius auf die EM-Teilnahme auf dieser Strecke verzichtet“, sagt Ring. Die Regularien des DLV sehen aber trotz fehlender Normvorgabe durch den Europäischen Verband Folgendes vor: „Die Nominierung einer DLV-Mannschaft im Europacup- Marathon (im Rahmen der EM in Berlin/d. Red.) kann erfolgen, wenn zumindest ein Athlet die DLV-EM-Norm (Männer: 2:14:00 Stunden, Frauen: 2:32:00 Stunden) im Nominierungszeitraum (1. August- 20. Mai 2018) und zumindest drei weitere Athleten die DLV-EC-Norm (Männer: 2:17:00 Stunden, Frauen: 2:35:00 Stunden) im Nominierungszeitraum (1. August 2017-20. Mai 2018) erfüllt haben.“ So muss sich Pflieger mit nur 95 Prozent Einsatz der „Hamburg-Schikane“ beim Marathon am Sonntag stellen.

Sinnvoll erscheint das aus Regensburger Sicht nicht. „Aber der Verband hätte wohl Angst vor Klagen haben müssen, wenn Philipp mit einer Wildcard und dann optimalen EM-Vorbereitung durchrutschen würde“, beschreibt Ring, sein langjähriger Coach, das Szenario.

Live in zwei „Dritten“

Im Regensburger Lager werden die Handys zwischen Hamburg und Düsseldorf heiß laufen. In der Rheinmetropole fällt der Startschuss eine halbe Stunde früher um 9 Uhr. Philipp Pflieger weiß also, was seine deutsche Konkurrenz, die fast vollständig am Rhein antritt, vorlegen wird. Ob er entsprechend agieren kann, wird sich zeigen.

Beide Rennen werden voraussichtlich in den dritten Programmen des NDR und WDR live übertragen. Für Regensburger Marathonfans dürfte am Vormittag des 29 April wohl Zappen bis zum Anschlag angesagt sein.

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