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Futsal

Maximale Herausforderung für Jahn-Kicker

Der SSV Jahn 1889 Regensburg will unter die besten 16 Teams Europas. Der Weg ab heute in Finnland ist schwer.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Den Gegner aus Bern kennen Lucas Kruel und die Jahn-Futsaler schon von einem Testspiel im August. Der Jahn gewann mit 4:3. Foto: Brüssel
Den Gegner aus Bern kennen Lucas Kruel und die Jahn-Futsaler schon von einem Testspiel im August. Der Jahn gewann mit 4:3. Foto: Brüssel

Regensburg.Am Samstag wäre Derbytag gewesen. Der deutsche Futsal-Meister SSV Jahn 1889 hätte in Regensburg im TV Wackersdorf einen Herausforderer aus der Region gefunden. Nach drei Spieltagen und jeweils drei Siegen führen nämlich zwei Oberpfalz-Teams mit makelloser Bilanz die Tabelle der Futsal-Regionalliga Süd an. Doch es bleibt beim Konjunktiv: Das 1889-Heimspiel gegen Wackersdorf ist auf den 14. Februar verschoben, das reguläre Treffen in Wackersdorf findet am 31. Oktober statt.

Schon davor ruft für die Regensburger um Abteilungsleiter Oliver Vogel und den brasilianischen Futsal-Besessenen Lucas Kruel die nächste Stufe auf europäischer Ebene, die größte Herausforderung der jungen Regensburger Futsal-Geschichte des SSV Jahn 1889, der es in zwei Jahren auf Europas Bühne schaffte: die zweite Runde der Champions League. Im Vergleich zum Gruppensieg in der Vorrunde in Schweden gegen Konkurrenz aus San Marino, Andorra und den starken Gastgeber Uddevalla Ende August wird die Aufgabe diesmal ungleich schwerer.

Mit dem finnischen Hausherren Sievi FS, dem Favoriten Halle-Gooik aus Belgien und dem Schweizer Meister Minerva Futsal aus Bern, der in einem Testspiel im August trotz Rumpfaufgebot schon 4:3 bezwungen worden war, warten Gegner von einem fortgeschrittenen Format. Gespielt wird übrigens in Raahe, einer rund 100 Kilometer vom 5000-Einwohnerort der Gastgeber aus Sievi entfernten 25 000-Einwohner-Stadt.

Modus macht es schwerer



Anders als in Schweden, wo von vorneherein vieles auf das letztlich auch eingetretene und erfolgreich bestrittene „Endspiel“ gegen Uddevalla hindeutete, sind diesmal schon die ersten beiden Spiele der Wegweiser, ob der SSV Jahn 1889 auf den Vorjahres-Spuren des deutschen Rekordmeisters Hamburg Panthers wandeln kann und als zweites deutsches Team in die Runde der besten 16 Mannschaften in Europa einzieht. Allerdings erschwert das der modifizierte Modus deutlich: Reichten den Hamburgern 2016 sieben Punkte und Rang zwei, so ist diesmal nur der Gruppensieger eine Runde weiter.

Nur der Gruppensieg zählt

  • Chance

    Die Regensburger vom SSV Jahn 1889 könnten in Raahe beim finnischen Gastgeber als erst zweite deutsche Mannschaft den Einzug in die Eliterunde des Uefa-Futsal-Pokals schaffen und dem nächsten deutschen Meister eventuell sogar erstmals die Teilnahme an der Qualifikation zur Champions League ersparen.

  • Die Spiele

    Dazwischen stehen für den deutschen Meister drei Spiele gegen Sievi (Mittwoch, 18 Uhr), Halle-Gooik aus Belgien (Donnerstag, 15.30 Uhr) und den Schweizer Meister Minerva Futsal aus Bern am Samstag (12.30 Uhr) auf dem Programm. Nur der Gruppensieger erreicht die Runde der besten 16 Teams Europas.

„Ach, ich finde das gar nicht schlecht“, sagt 1889-Abteilungsleiter Oliver Vogel. „So gibt es kein Geeiere, keine taktischen Spielchen auf ein Unentschieden oder so etwas.“ Eine Modusänderung des europäischen Dachverbandes Uefa bringt für die Saison 2017/18 zwei Arten der Hauptrunde mit sich. Während sich die besseren Teams der Koeffizienten-Rangliste in vier Gruppen tummeln, in denen sich der Konkurrenzkampf in engen Grenzen hält und aus denen drei Teams weiterkommen, gehören die Regensburger als Mannschaft aus dem bisherigen Futsal-Entwicklungsland zu jenem Weg B, in dem die Mannschaften in ihren vier Gruppen die deutlich verschärfte Dosis abbekommen.

Australische Legende neu dabei

Oliver Vogels Futsal-Traum in Regensburg wächst sich immer weiter aus. Foto: Brüssel
Oliver Vogels Futsal-Traum in Regensburg wächst sich immer weiter aus. Foto: Brüssel


Und die hat es in sich. „Ganz ehrlich: Wir haben durchaus das Potenzial, um weiterzukommen, auch wenn die Belgier das erfahrenste Team sind und damit die Favoritenrolle haben“, sagt Oliver Vogel. „Den meisten Respekt hat die Mannschaft übrigens vor Omar Rahou.“ Wem der Name nichts sagt: Jener Mann mit der Rückennummer 18 schoss Anfang September die deutsche Nationalmannschaft beim belgischen 10:5 im Finale des Vierländerturniers von Neu-Ulm mit vier Toren quasi im Alleingang ab und zeigte deutlich auf, dass international die Messlatte doch noch ein Stück höher liegt.

Schon Spiel eins gegen die Gastgeber aus Sievi wird der Gradmesser. „Die Finnen tragen schon das dritte Mal so eine Runde aus“, sagt Vogel. „Und die werden auch zwei, drei Granaten eigens zu diesem Zweck aus der Tasche ziehen“, hat er gehört. Untätig blieben auch die Regensburger nicht: Zwar ist das Fehlen von Luis „Alemao“ Gustavo, der in der Vorrunde in Schweden mit sieben Treffern der zweitbeste Torschütze aller acht Gruppen gewesen war, ein herber Verlust, aber in Fernando de Moraes ist der eingebürgerte Ex-Kapitän der australischen Futsal-Nationalmannschaft neu dabei. „Er strahlt bemerkenswerte Ruhe aus“, sagt Oliver Vogel über den 37-jährigen Neuzugang, der am Sonntag beim 7:1 in Karlsruhe sein Debüt bei der Regionalliga-Generalprobe gab. Dazu kommen mit Douglas Ferreira (28) und dem genauso alten Andre Bolina noch zwei Spieler, die sich wieder einmal aus Porto-Alegre-Zeiten in Brasilien bestens kennen.

„Unser Potenzial ist damit insgesamt größer als in Schweden“, sagt Oliver Vogel über das zwölfköpfige Aufgebot. Zumal in Halison Goncalves ein Mann der ersten Jahn-1889-Futsal-Stunde anders als in Schweden nicht nur für ein paar Sekunden einsatzbereit, sondern topfit ist.

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