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Winterspiele

Medaillenflut bei den Paralympics

Zweimal Gold, zweimal Silber, einmal Bronze – aber die Gold-Lieferantin Anna Schaffelhuber wurde erstmals geschlagen.
Von Holger Schmidt

Andrea Eskau spielte ihre Erfahrung aus und holte Gold. Foto: Jan Woitas/dpa
Andrea Eskau spielte ihre Erfahrung aus und holte Gold. Foto: Jan Woitas/dpa

Pyeongchang.Die gebürtige Regensburgerin Anna Schaffelhuber zeigte auch in der Niederlage Größe, Anna-Lena Forster wollte am liebsten die ganze Welt umarmen, und Andrea Rothfuss kämpfte trotzig mit ihren Tränen: Der vierte Wettkampf-Tag der Paralympics in Pyeongchang war für die deutschen Athletinnen ein hochemotionaler Tag. Fahnenträgerin Andrea Eskau holte Gold im Biathlon, doch vor allem auf der Skipiste überschlugen sich die Ereignisse.

Zunächst verschenkte Rothfuss das sicher geglaubte Gold in der Super-Kombi der stehenden Athletinnen und konnte ihren Ärger kaum verbergen. Dann beendete die zunächst hypernervöse und später überglückliche Teamkollegin Forster die fast schon unheimliche Siegesserie Schaffelhubers in der Super-Kombi der Monoskifahrerinnen.

„Nach dem Super-G habe ich nur geheult, weil ich so unzufrieden war. Vor dem Start heute war mir dann kotzübel, so nervös war ich“, sagte die 22 Jahre alte Forster nach ihrem ersten Paralympics-Gold: „Ich bin froh, dass ich Anna mal schlagen und etwas aus ihrem Schatten treten konnte.“ Schaffelhuber nahm die Niederlage sportlich und gratulierte fair. „Anna-Lena hat es absolut verdient. Von ihr fällt sicher viel ab jetzt. Ich suche mir nicht aus, wer vor mir steht, aber ich freue mich, dass es die Teamkollegin war.“

Die Männer gehen leer aus

Derweil siegte Eskau im stolzen Sportler-Alter von 46 Jahren über zehn Kilometer. Die Magdeburgerin hat nun bei fünf verschiedenen Paralympics insgesamt sieben Siege errungen. Die sehbehinderte Clara Klug gewann über dieselbe Distanz Bronze.

Damit holte der Deutsche Behindertensportverband gestern fünf Medaillen – so viele wie an den ersten drei Tagen zusammen. Alle zehn bisherigen Medaillen holten übrigens Frauen, die deutschen Männer gingen bisher wie schon während der gesamten Spiele 2014 in Sotschi leer aus.

Zunächst sah es auch so aus, als könne Anna Schaffelhuber weiter zuverlässig Gold liefern. Nach dem Super-G führte die 28-Jährige die Konkurrenz noch an. Doch dann nahm Forster ihr Herz in die Hand und der siebenmaligen Paralympics-Siegerin im Slalom gleich viereinhalb Sekunden ab. Die Aufforderung ihrer Familie auf einem Tribünen-Plakat („Leni Go! Lebe deinen Traum!“) hatte Forster damit erfüllt.

Zwei Duelle folgen noch

„Ja, damit ist definitiv ein Traum wahr geworden. Und das in einer Disziplin, in der ich es nicht erwartet hätte“, sagte die Schwäbin, die von Geburt an im Rollstuhl sitzt: „Ich habe schon damit gerechnet, dass ich noch eine Medaille gewinnen kann. Aber niemals damit, dass es noch Gold werden könnte.“ Nach dem Sieg habe ihr Schaffelhuber sofort herzlich gratuliert, berichtete Forster: „Wir sind ja auch befreundet.“

Aus den Freundinnen sind durch Forsters Leistungssteigerung aber auch Konkurrentinnen geworden. In Pyeongchang werden noch zwei Duelle folgen. Im letzten, am Sonntag im Slalom, sieht Schaffelhuber Forster als klare Favoritin: „Das ist sie aber nicht erst seit heute.“

„Ich bin sehr stolz, ich bin eine alte Frau.“

Goldmedaillengewinnerin Andrea Eskau (46)

Eskau startete am Dienstag nicht die Favoritin, doch die Fahnenträgerin eilte schließlich allen davon. „Ich bin sehr stolz, ich bin eine alte Frau“, sagte die 46-Jährige lachend. „Es ist echt verrückt.“ Ihr Alter war dann eher ein Vorteil, denn die Diplom-Psychologin spielte ihre ganze Erfahrung aus: „Ich war überhaupt nicht aufgeregt und das ist halt mein großer Vorteil.“ Auch Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands, war begeistert. „Das ist unbeschreiblich“, sagte er. „Ich habe bei jedem der 30 letzten Stockschläge gebrüllt.“

Auch Clara Klug überraschte mit Bronze sich selbst. „Ich habe im Ziel hundertmal gefragt, ob das wirklich stimmt, dass ich eine Medaille habe“, sagte sie. „Ich habe es noch gar nicht richtig realisiert.“

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