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Leichtathletik

Miriam Dattke bekommt wohl Gold

Der Ein-Tages-Dopingfall der Siegerin macht die Regensburger Läuferin 192 Tage später zur U-20-Europameisterin.
Von Claus-Dieter Wotruba

Am Dienstagabend saß Miriam Dattke mit Katrin Fehm, Michael Geserer und Monika Karsch (von links) bei der Sportlerwahl im Kolpinghaus auf der Bühne. Foto: Tino Lex

Regensburg.Am Dienstagabend saß Miriam Dattke noch als Fünftplatzierte auf der Bühne im Kolpinghaus. 11,64 Prozent hatten für sie in der Frauenkategorie bei der Wahl zu „Ostbayerns Sportler des Jahres“ gestimmt – und wer weiß, vielleicht wäre ja sogar diese Wahl mit dem Wissen von einem Tag später anders gelaufen. Nach Lage der Dinge ist am 1. Februar nämlich aus der Zweitplatzierten Miriam Dattke eine U-20-Europameisterin über 5000 Meter geworden.

Das Rennen, um das es geht, fand am 23. Juli 2017 im italienischen Grosseto statt. Dort war nur die Niederländerin Jasmijn Lau eine Sekunde schneller als die 19-Jährige von der LG Telis Finanz ins Ziel gelaufen. 192 Tage später veröffentliche der Weltverband IAAF jetzt in seinem Newsletter den kuriosen Dopingfall auf europäischer Ebene. Lau wurde disqualifiziert – mit der bemerkenswerten Bewertung, dass ihr kein Fehler oder auch nachlässiges Verhalten vorgeworfen wird. Sie habe einen Tee getrunken, der eine verbotene Substanz enthalten habe – eine Tatsache, von der Lau nichts wissen konnte, so die IAAF, weswegen auch keine weitere Sperre ausgesprochen wurde, sondern eben nur die Disqualifikation für jenen 23. Juli.

Das Internet-Fachportal „leichtathletik.de“ zitierte in seinem Bericht auch das niederländische Blatt „Telegraaf“, in dem Lau sagt: „Das mag schade sein, aber das macht mir nichts aus. Ich weiß, dass ich an diesem Tag die Schnellste war.“ Und Miriam Dattke? „Ich finde es schon schade“, sagt sie, „vor allem, weil dir dieser Moment des Sieges genommen wird. Meine Erinnerung wird bleiben, dass ich als Zweite ins Ziel gekommen bin. Und mein größter Traum war es, einmal bei der Siegerehrung die Hymne zu hören.“ Ein Traum, der schon seit Italien erfüllt hätte sein können – und unwiederbringlich ist.

„Ich hatte ja bisher immer Distanz zum Thema Doping“, sagt Dattke und fühlte sich weit davon entfernt – obwohl sich in Dattkes unmittelbarer Umgebung Vergleichbares bei der Regensburger Klubkollegin Corinna Harrer abspielte und auch „bei meinem ersten Trainer Andre Höhne“. Auch die Art und Weise, wie Dattke es erfuhr „zeigt wenig Anerkennung“: Eine befreundete Läuferin schickte den Link. „Ich dachte, es würde mich weniger ärgern: Aber ein bisschen Wut war schon da.“ Und doch: „Ich werde versuchen, mir wenig Gedanken zu machen“, sagt Miriam Dattke. „Es gib wichtigere Dinge. Bald schreibe ich an der Uni meine erste Klausur. Und ich trainiere ja gerne – und nicht nur für eine Medaille. Irgendwann einmal will ich einen Marathon. Ob Silber oder Gold: Das macht nicht den Riesenunterschied.“

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