mz_logo

Sport
Montag, 16. Juli 2018 29° 8

Olympia

Mit innerer Ruhe zur Präzision

Die Regensburger Sportschützin Monika Karsch reist heute nach Rio de Janeiro. Sie hofft natürlich auf Edelmetall.
Von Armin Wolf

Monika Karsch hofft auf Edelmetall in Rio.
Monika Karsch hofft auf Edelmetall in Rio. Foto: dpa/Archiv

Regensburg.Wir blicken optimistisch in die Zukunft: Es ist der 7. August 2016. Bei den olympischen Schießwettbewerben in Rio reißt eine 33-jährige Schützin aus Regensburg die Arme nach oben. Der Einzug ins Finale der Luftpistolen-Schützinnen ist gelungen. Sie steht unter den besten acht Athletinnen und kämpft um die Medaillen! – Noch ist dieses Bild ein schöner Traum, aber: „Wenn ich den Finaleinzug schaffe, dann bin ich gefährlich für die anderen, dann kann ich Edelmetall holen“, versichert Monika Karsch, Olympiateilnehmerin aus Regensburg. Für sie ist alles möglich, sogar eine weitere Medaille, denn am 9. August startet sie in den Wettkampf mit der Sportpistole. „An einem guten Tag ist alles drin“, behauptet auch Thomas Karsch, Ehemann und Trainer.

In den letzten Jahren hat oft das letzte Quäntchen Glück gefehlt

Dabei war es für Monika Karsch ein langer Weg bis nach Rio. Als die positive Nachricht über ihre Nominierung heuer endlich kam, war die Sportlerin völlig überwältigt: „In diesem Moment war es ein ganz komisches Gefühl. Die Anspannung war riesengroß, es hat einen ganzen Tag gedauert, bis alles so richtig bei mir angekommen ist und ich habe wirklich Zeit gebraucht, um die Nachricht zu verarbeiten.“ Es sei eine „innerliche Freude und ein schönes Gefühl“ das große Ziel endlich erreicht zu haben, sagt die Sportschützin.

Dabei war es für sie eine schwierige Geburt, die Olympiateilnahme zu packen. Schon 2004, in ihrem ersten Jahr bei den Erwachsenen, hätte die Sportlerin die Qualifikation beinahe geschafft. Aber irgendwie hatte ihr in den vergangenen Jahren immer wieder das letzte Quäntchen Glück gefehlt. „2008 klappte es nicht, weil ich mir 2007 die Hand gebrochen hatte. Auch 2012 war es unheimlich eng“, erinnert sich Karsch. Sie gab nicht auf, sondern legte im Gegenteil nochmal eine Schippe drauf, war noch fokussierter und arbeitete die vergangenen vier Jahre extrem konzentriert weiter. Seit zwei Jahren ist Monika Karsch in der Weltrangliste unter den besten zehn, teilweise auf Platz zwei. Jetzt endlich ist ihr großer sportlicher Wunsch in Erfüllung gegangen. „Wir waren fünf Sportler, die um einen Platz gekämpft haben, das war aber kein Hauen und Stechen, das war sehr fair. Jeder kann gut in den Spiegel schauen und das ist mir sehr wichtig“, erzählt die Schützin.

Bei der Verabschiedung der Olympiateilnehmerin Monika Karsch trugen Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, Sportjournalist Armin Wolf und Landrätin Tanja Schweiger (von links) die Sportschützin auf Händen.
Bei der Verabschiedung der Olympiateilnehmerin Monika Karsch trugen Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, Sportjournalist Armin Wolf und Landrätin Tanja Schweiger (von links) die Sportschützin auf Händen. Foto: altrofoto.de

Olympiateilnehmerin zu werden, das hatte sie natürlich als Kind noch nicht im Sinn. „Ich komme aus Rott am Lech in Oberbayern, 2000 Einwohner, und war als Kind bei allen Vereinen aktiv. Trachtenverein, Sportverein, Wasserwacht und mit elf Jahren im Schützenverein.“ Und warum liebt sie gerade den Schießsport so? „Weil ich auf einem ganz hohen Niveau eine unheimliche Präzision an den Tag legen muss, das ist die pure Faszination. Das ist immer wieder ein Kampf mit sich selbst, damit man das immer wieder schafft.“ Konzentriert ist Monika Karsch das Jahr angegangen. „Wir haben die Saison gut aufgebaut, Vorbereitung, Wettkämpfe. Technik und Taktiktraining standen in den letzten Wochen im Vordergrund, dann gab’s nochmal vier Wettkämpfe. Jetzt habe ich ein gutes Gefühl und will ausgeruht nach Rio anreisen.“

Alles zu organisieren war nicht einfach. Die Kinder Lina (5 Jahre) und Bruno (3 Jahre) werden bei der Oma untergebracht. Besucht man die Familie, dann hat man sofort den Eindruck: Hier ist alles sehr gut geplant. „Mir macht es Spaß, mein Leben zu organisieren. Wir haben viele Leute, auf die wir uns verlassen können, ein tolles Netzwerk“, sagt Monika Karsch. Thomas Karsch, ihr Ehemann, ist auch ihr Coach, er kümmert sich um die Einzelheiten des Trainings. Er kennt alle Facetten von ihr. Ihm muss sie nicht viel erklären. „Insgesamt ist das ein Vorteil“, findet Monika Karsch. Ihre größte Stärke ist ihre innere Ruhe und die Konzentrationsfähigkeit. Daran arbeitet sie mit Hilfe von Life Kinetik. Hier wird mit Bewegungsübungen das Gehirn auf Vordermann gebracht. Ein Beispiel: Man legt die Hände auf die Oberschenkel. Wenn der Begriff Walhalla genannt wird, müssen die Zeigefinger angehoben werden, bei ,Steinerner Brücke’ die Ringfinger. Das kann immer mehr gesteigert werden, es gibt unendliche Variationen. Monika Karsch übt selbst auch mit Schülern, mit behinderten Kindern und mit Promis wie Johann Lafer. „Eine Stunde pro Woche reicht, um vorwärtszukommen.“ Life Kinetik gehört zum Training geanuso dazu wie Laufen, Krafttraining und die Schießübungen. Das soll sich jetzt auszahlen.

Am 1. August reist Monika Karsch nach Rio, Thomas Karsch folgt am 3. nach. Sie wird nochmal mit ihm trainieren, bei den Wettkämpfen ist er in der Nähe. „Viel Einfluss kann ich da aber nicht mehr nehmen“, ist er sich sicher. Wie schätzt er als Trainer seine Athletin ein? „Sie ist zielstrebig, sehr gut strukturiert und sehr gut organisiert, sie ist offen und geht auch auf die Menschen zu.“ Was übrigens auch bei der Suche nach Sponsoren hilft. Diesbezüglich gab es nach der erfolgreichen Olympiaqualifikation auch einen Schub nach vorne.

Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie mit Olympia-Startern aus Ostbayern:

Das sind Ostbayerns Olympia-Starter

Bei der Liveübertragung will Karsch „ganz viel winken“

Besonders gespannt ist Olympianeuling Monika auf die Begegnungen mit den anderen Sportlern. Gemeinsam wohnen alle im olympischen Dorf. So etwas Ähnliches hat sie schon bei den Europaspielen in Baku erlebt. „Es ist wahnsinnig toll, andere Sportler zu treffen, mit denen zu frühstücken, sich zu unterhalten und etwas über deren Sportart oder über deren Land zu erfahren“, freut sich die 33-Jährige. Karsch will in Rio auch die Möglichkeit nutzen, andere Wettkämpfe zu besuchen. Dafür stehen Kartenkontingente und Shuttle-Busse bereit. Das größte Erlebnis wird aber die Eröffnungsfeier werden. Monika Karsch: „Es gibt ja Athleten, die auf eine Teilnahme verzichten, weil es zeitaufwendig ist und man viel steht. Das ist direkt vor einem Wettkampf nicht super, aber ich habe ja noch ein wenig Pause vor meinem ersten Auftritt.“ Bei der Liveübertragung im Fernsehen wird sie „ganz viel winken“, das hat sie bei einer kleinen Olympiafeier mit Freunden und Unterstützern versprochen. Vor einer guten Woche präsentierte sie da ihre Olympiakleidung. Regensburgs Oberbürgermeister Joachim Wolbergs verabschiedete die Olympionikin bei der Feier mit den Worten: „Viel Glück bei Olympia und egal, wie es ausgeht: Es gibt bei der Rückkehr einen offiziellen Empfang der Stadt!“ Vielleicht kann Monika Karsch da tatsächlich Edelmetall präsentieren.

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische erstmals exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Wie bereiten sich die Athleten aus der Region auf die Olympischen Spiele vor? Wir berichten im NewsBlog:

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht