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Diskussion

Mögliches Aus für Kunstrasenplätze

Mikroplastik, das als Füllmaterial für Kunstrasen auf Fußballplätzen dient, soll verringert werden. Das sorgt für Wirbel.
Von David Schwarz, Ansgar Haase und Florian Lütticke

Mikroplastik-Granulat wird als Füllmaterial für Kunstrasen auf Fußballplätzen genutzt. Foto: Carmen Jaspersen/dpa
Mikroplastik-Granulat wird als Füllmaterial für Kunstrasen auf Fußballplätzen genutzt. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Worum geht es bei der Diskussion überhaupt?

Die Europäische Kommission will sogenanntes Mikroplastik, kleine Kunststoffteilchen mit einem Durchmesser unter fünf Millimeter, verringern, weil dieses umweltschädlich sei. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) führt in diesem Zusammenhang öffentliche Befragungen durch, welche Auswirkungen es hätte, wenn weniger Mikroplastik-Granulat eingesetzt würde. Dieses wird unter anderem als Füllmaterial für Kunstrasen auf Fußballplätzen genutzt. Die ECHA geht davon aus, dass jährlich erhebliche Mengen Mikroplastik in den Boden und in Flüsse, Seen und Meere gelangen. Dort werden die Partikel womöglich von Tieren aufgenommen und können somit in die Nahrungskette gelangen. Welche Auswirkungen dies auf die menschliche Gesundheit hat, ist nach Angaben der ECHA noch weitgehend unbekannt.

Wie konkret ist nun ein mögliches Verbot?

Noch nicht sehr. Die Konsultationen der ECHA laufen noch bis 20. September, im kommenden Frühjahr werden der Europäischen Kommission die Ergebnisse vorgelegt. Diese erarbeitet dann einen Vorschlag. Über ein mögliches Verbot von Kunststoffgranulat und dessen Ausmaß wird vermutlich im kommenden Jahr in einem Ausschussverfahren unter Einbeziehung der Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments gefällt. Mit einem Inkrafttreten der neuen Regelung wird frühestens 2021 gerechnet.

Wie sind die Reaktionen darauf?

Sportpolitiker und Verbände bringen sich bereits in Stellung. Bundesinnenminister Horst Seehofer will sich für eine Übergangsfrist von sechs Jahren für bestehende Plätze einsetzen. Der Deutsche Fußball-Bund fordert Bestandsschutz. Die EU-Kommission betonte, dass eine Bestimmung auch Übergangszeiten beinhalten könnte. „Wir sind uns bewusst, was für eine wichtige Rolle Sportplätze spielen“, sagt eine Sprecherin der EU-Kommission.

Hohe Kosten

  • Millionenbetrag:

    Die jährlichen Mehrkosten nach einem Mikroplastik-Verbot könnten sich deutschlandweit auf einen hohen einstelligen Millionenbetrag belaufen. Der Gesamtbetrag für den Austausch des Füllstoffes der Kunststoffrasensysteme wird auf bis zu 90 Millionen Euro beziffert.

  • Umrüstung:

    Wenn lediglich das Füllmaterial ausgetauscht wird, kostet eine Umrüstung laut Müller rund 75 000 Euro. Dafür würde das Granulat abgesaugt und durch Kork ersetzt werden, so Rummenigge. Der Städte- und Gemeindebund schätzt die Kosten für eine Sanierung auf 250 000 Euro, in Einzelfällen auch höher. Bei dieser Summe müsste dann vermutlich der komplette Rasen neu verlegt werden. (dpa)

Wie viele Kunstrasenplätze wären betroffen?

Nach Angaben des DFB gibt es etwa 5000 für den Fußballspielbetrieb gemeldete Kunststoffrasenplätze sowie 1000 DFB-Minispielfelder. Hinzu kommen noch Plätze, die nicht von Fußballklubs genutzt werden. Sie könnten die Gesamtzahl auf mehr als 13 000 erhöhen. Dabei bleibt offen, auf wie vielen Plätzen Granulat genutzt wird.

Warum wird überhaupt Mikroplastik als Füllmaterial genutzt?

Das Granulat bietet die besten Spieleigenschaften und den höchsten Spielerschutz, sagt Tobias Müller, Pressesprecher des Kunstrasensystemherstellers Polytan. Deswegen würden sich die meisten Vereine für eine Mischung aus Granulat und Sand entscheiden. Nach Ansicht von Michael Rummenigge, Geschäftsführer eines Unternehmens für Kunstrasen-Minispielfeldbau, könne das Granulat problemlos durch Kork ersetzt werden: „Da spürt man keinen Unterschied“. Die Uefa bezeichnete existierende Alternativen als „weder machbar noch nachhaltig“ und verwies auf hohe Kosten.

Welche anderen Füllmaterialien gibt es?

Nach Aussage von Müller gibt es drei Alternativen: eine Mischung aus Sand und Kork, reiner Sand und ein komplett unverfüllter Platz. Kork sei jedoch anfälliger für die Witterung und müsse häufiger nachgefüllt werden. Auf reinem Sand komme es schneller zu Schürfverletzungen und die unverfüllten Plätze müssten bei großer Dürre gewässert werden. Ein mit Kork gefüllter Platz sei nicht wesentlich teurer als einer mit Granulat, sagt Arnd Schade, Geschäftsführer eines Unternehmens für Kunstrasen-Minispielfeldbau. Sand sei sogar billiger und auch unverfüllte Plätze seien nicht „unbezahlbar“.

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