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Interview

„Neonazis sollen sich extrem unwohl fühlen“

1860 München hat ein Problem mit rechtsradikalen Fans. Löwen-Vizepräsident Franz Maget spricht über den Kampf gegen diese unliebsamen Anhänger.

Zeichen setzen: Die Löwen-Profis präsentieren vor dem Spiel gegen St. Pauli ein Banner gegen Rechtsextremismus. Foto: imago

München. Das Magazin „11Freunde“ konstatiert einen „Angriff von Rechts“. Und „Spiegel Online“ behauptet: „Bei wohl keinem anderen süddeutschen Fußballverein stehen so viele aktive Neonazis in der Kurve wie beim TSV 1860 München.“ Stammplatz der Rechtsradikalen soll demnach Block 132 in der Münchner Arena sein, mitten in der Nordkurve, dem Herz der Löwen-Fans. „30 bis 50 Personen, die ganz klar dem rechten Spektrum zuzuordnen sind, stehen regelmäßig dort“, wird Thomas Emmes vom Fanprojekt München zitiert. Herbert Schröger von der Aktion „Löwen-Fans gegen Rechts“ geht von bis zu 100 Neonazis im Block 132 aus.

Der Fußball-Zweitligist hat die braune Gefahr erkannt und ein erstes Zeichen gesetzt. Vor dem Spiel gegen den FC St. Pauli am 5. März (1:1) präsentierten die Profis ein Banner mit der Aufschrift „Rechtsradikalismus links liegen lassen“. Die Initiative ging von den „Löwen-Fans gegen Rechts“ und Otto Steiner aus. Der 1860-Aufsichtsratschef hat zudem versprochen, die Problematik in jeder Aufsichtsratssitzung neu zu thematisieren.

Löwen-Vizepräsident Franz Maget betont: „Wir wollen keine Neonazis im Stadion.“ Die MZ-Mitarbeiter Maximilian Zierer und Julius Lukas sprachen mit dem 58 Jahre alten SPD-Politiker über den schwierigen Kampf gegen die unliebsamen Anhänger.

Herr Maget, bundesweit wird seit einiger Zeit über Neonazis in der Fanszene von 1860 München berichtet. Hat Ihr Verein ein Rechtsextremismus-Problem?

Franz Maget: Alle Bundesligavereine müssen sich damit auseinandersetzen, dass sich Rechtsextreme in Fußballstadien bewegen. Wir haben in einem bestimmten Fanblock zu viele Neonazis stehen. Das ist ein massives Problem.

Was unternimmt der Verein dagegen?

Franz Maget: Wir haben einen Maßnahmenkatalog erarbeitet. Beim Heimspiel gegen St. Pauli präsentierten unsere Spieler vor dem Anpfiff ein Plakat gegen Rechtsextremismus. Demnächst werden weitere Aktionen folgen. Wir wollen, dass sich Neonazis bei uns extrem unwohl fühlen.

Kommt das nicht ein bisschen spät? Bayernweit bekannte Neonazis sind bereits seit vergangenem Jahr sehr präsent.

Franz Maget: Nein, in unserer Satzung steht bereits seit letztem Jahr, dass Rechtsextremismus, Rassismus, Sexismus und Antisemitismus vereinsschädigendes Verhalten und damit Ausschlussgründe sind. Das wurde von der Delegiertenversammlung einstimmig beschlossen. Wir wollen diesem Problem jetzt Schritt für Schritt beikommen. Aber es ist schwer.

Bei einer Fan-Demo auf dem Münchner Marienplatz hat ein Neonazi dem Bayerischen Rundfunk ein Interview gegeben. Wie bewerten Sie, dass Rechtsextreme öffentlich für den TSV 1860 eintreten?

Franz Maget: Ich kenne den Vorfall. Wenn der Vereinsmitglied wäre, würden wir ihn auch rausschmeißen. Ist er aber nicht.

Und Stadionverbot?

Franz Maget: Stadionverbot wird im Augenblick für drei Leute geprüft. Das Problem dabei ist, dass wir unsere Eintrittskarten öffentlich verkaufen und deshalb niemanden so einfach ausschließen können. Wenn einer mit Neonazi-Symbolen käme, wäre er natürlich sofort raus. So blöd sind die aber nicht.

Wie geht die Mehrheit der Löwen-Fans mit dem Rechtsextremismus-Problem um?

Franz Maget: Ich glaube, dass sie genauso denken wie die Bürger auf der Straße. Sie mögen das nicht und wollen, dass etwas dagegen gemacht wird. Aber im Grunde genommen ist es für die Fans, denke ich, nicht so bedeutend. Sie wollen Fußball sehen!

Es gibt ja auch die „Löwenfans gegen Rechts“, die sich aktiv mit dem Problem auseinandersetzen.

Franz Maget: Ja, diese Aktivitäten wollen wir auch stärken. Mit den „Löwen gegen Rechts“ sind wir schon in einer guten Verbindung. Ich bin jetzt seit fünf Jahren im Präsidium. Eine meiner ersten Initiativen war es, ihnen die Veröffentlichung von „Löwen unter dem Hakenkreuz“ zu ermöglichen. In diesem Buch wird die Geschichte des TSV 1860 München in der Zeit des Nationalsozialismus aufgearbeitet.

Wieso hat der Verein nicht selbst ein solches Buch veröffentlicht? Es wurde sogar berichtet, dass die Nachforschungen des Autors behindert wurden.

Franz Maget: Ob er wirklich behindert wurde, weiß ich nicht. Sagen wir es mal so: Er wurde wenig unterstützt. Als ich Vizepräsident wurde, habe ich das aber geändert. Auf der anderen Seite ist der Fußballalltag aber auch so. Man sagt: „Lass den Schmarrn, wir haben ganz andere Probleme. Wir kümmern uns um Fußball und nicht um Politik.“ Man gewinnt in so einem Verein schnell die Oberhand, wenn man sagt, wir wollen all das nicht. Das halte ich aber für einen Fehler – und wir haben den auch korrigiert.

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