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Superstars

Neue Helden am Tag des Falls der Götter

Ronaldo und Messi bleiben unvollendet und ohne K.-o.-Runden-Tor. Mbappé ist der jüngste Doppel-Torschütze seit Pelé.
Von Jens Marx, Miriam Schmidt und Nils Bastek

Lionel Messi (links) und Kylian Mbappé: Bei Argentiniens 3:4 war’s, als hätte ein Superstar den Staffelstab an den nächsten übergeben. Foto: De Luca/dpa
Lionel Messi (links) und Kylian Mbappé: Bei Argentiniens 3:4 war’s, als hätte ein Superstar den Staffelstab an den nächsten übergeben. Foto: De Luca/dpa

Bronnizy.Lionel Messi und Cristiano Ronaldo vereint ein WM-Scheitern vermutlich für die Ewigkeit: Das Ende der WM-Träume für die beiden Giganten des Weltfußballs hat die Sehnsuchtsbühne freigemacht für die nächste Generation. Auch wenn Messi beharrlich zu seinem möglichen Ende in der argentinischen Nationalmannschaft schwieg und Ronaldo das Thema weglächelte – in Katar 2022 wären die Weltfußballer der vergangenen zehn Jahre 35 (Messi) und 37 (Ronaldo) Jahre alt. „Der Fall der Götter“, schrieb Italiens „La Repubblica“. „Das war womöglich die letzte Episode ihrer Jahrzehntelangen Rivalität“, meinte Frankreichs „Liberation“: „Wirklich untrennbar.“

Dass beide im riesigen Russland während der Weltmeisterschaft mit ihren Teams nur 30 Kilometer voneinander entfernt wohnten, mutet wie eine weitere Fügung des gemeinsamen WM-Schicksals an. Ronaldo, der eitle Fußballperfektionist mit einem unbändigen Selbstverbesserungsdrang im wenig schmucken Kratowo. Messi, der gereifte, aber von Lust und (Glücks)-Gefühl abhängige Ausnahmefußballer im malerisch gelegenen WM-Camp in Bronnizy.

Zumindest eine gute Woche lang schien die WM-Endrunde das Turnier des Cristiano Ronaldo zu werden mit vier Toren in zwei Spielen. Nie wurde sie zum Spielplatz der Freude für Lionel Messi, der am Sonntag wie einige seiner Teamkollegen nicht den Charterflug nach Argentinien nehmen, sondern separat mit seiner Familie Russland verlassen wollte.

Mbappé hat das Potenzial

Wer ist der „Größte aller Zeiten?“ Das Duell zwischen dem fünfmaligen Weltfußballer aus Argentinien und dem fünfmaligen Weltfußballer aus Portugal endete nicht mal mit einem Remis. Beide wurden zu Verlierern, Image-Kampagnen als Eigentore. Und selbst der Weltverband Fifa fragte auf seiner Homepage: „Noch die Besten?“ Die Antworten gaben andere auf dem Platz. Allen voran Kylian Mbappé. Gerade mal 19 Jahre alt, zerlegte er Argentiniens Abwehr praktisch allein. „Er hat das Potenzial, auf das Niveau von Messi und Ronaldo zu kommen“, prophezeite am Sonntag der frühere französische Nationalspieler Florent Malouda (38): „Wenn er den Willen zeigt und sie als Inspiration nimmt, kann er das Gleiche wie sie erreichen.“ Nur einer war jünger als Mbappé bei einem WM-Doppelpack: Der berühmte Pelé 1958. „Pelé ist eine andere Kategorie“, sagte Mbappé nach dem Spiel, gab aber auch zu, dass es schmeichelhaft sei, „zu diesem Klub zu gehören“.

Von Star-Gehabe ist bei Mbappé nichts zu sehen, er tritt bescheiden, höflich und zurückhaltend auf. Seine WM-Prämien will er für wohltätige Zwecke spenden. Nach seinem Gala-Auftritt lobte er vor allem das Team. „Diese Gruppe kann großartige Dinge tun“, sagte er.

Zwei sind besser als einer

Die anderen in dem Klub der Gefeierten und Gewinner sind sogar in der Altersklasse Messi/Ronaldo. „Wenn es gestern eine Lektion in Russland gab, dann die, dass zwei Stars besser sind als ein Megastar“, schrieb die Londoner „The Times“ am Sonntag und meinte Uruguays kongeniales Sturmduo Edinson Cavani und Luis Suárez. Beim frühen 1:0 in der 7. Minute hatte Cavani zunächst das Spiel mit einem langen Querpass auf Suárez verlagert. Dieser flankte anschließend in den Strafraum, wo Cavani den Ball zur Führung ins Tor köpfte. Beim 2:1 schlenzte der Matchwinner den Ball herrlich ins lange Eck. Cavani, Teamkollege von Mbappé bei Paris Saint-Germain und Suárez, Angriffspartner von Messi beim FC Barcelona, sind auch schon 31 Jahre alt. Das Bild, wie Ronaldo den angeschlagenen Doppel-Torschützen Cavani beim 2:1-Sieg der Uruguayer stützte und ihn vom Platz brachte, scheint auch eine Geste des größten Respekts voreinander zu sein. „Ich habe einen Schlag abbekommen“, berichtete er lediglich. Sollte Cavani ausfallen, wäre das für die Südamerikaner ein herber Verlust.

Ronaldo und Messi, die Bestimmer des Weltfußballs der vergangenen Jahre, die zusammen neunmal die Champions League gewannen, trafen indes nie in einem K.-o.-Spiel einer Weltmeisterschaft. 1270 Minuten sind es genau, hat die Fifa zusammengerechnet. Messi absolvierte acht K.-o.-Spiele mit 23 Schüssen ohne Erfolg. Bei Ronaldo sind es sechs Spiele und 25 missglückte Torversuche. Lächerlich für Spieler ihres Niveaus, die im Verein und der Nationalmannschaft mehr Tore schossen, als je einer vor ihnen. „Ja, das sind zwei glänzende Spieler, zwei mächtige Athleten, zwei Ikonen des Weltfußballs“, meinte Russlands Zeitung „Sport-Express“, nicht ohne zu fragen: „Aber geht Ihnen das nicht auf die Nerven, dass alle Fernsehsender diese zwei Namen nennen?“

Man stelle sich vor, beide wären weitergekommen. Dann hätte es statt der Partie Frankreich gegen Uruguay am Freitag das Gigantenduell auf dem Platz gegeben. Bei einer WM standen sich Messi und Ronaldo indes noch nie gegenüber. Und womöglich wird es auch nie passieren. „Leo und CR7: Es kann kaum ein Zufall sein, dass Messi und Ronaldo am gleichen Tag ausscheiden. Gemeinsam bis zum Ende“, schrieb Italiens „Corriere della Sera“.

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