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Leichtathletik

Neue Konkurrenz für Florian Orth

Der Regensburger Dauerbrenner läuft bei der Hallen-EM mit zwei bislang in Deutschland unbekannten Gesichtern die 3000 Meter.
Von Claus-Dieter Wotruba und Ralf Jarkowski

Sam Parsons war ein überraschend neuer Konkurrent für den Regensburger Florian Orth.  Foto: Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Sam Parsons war ein überraschend neuer Konkurrent für den Regensburger Florian Orth. Foto: Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Regensburg.„Ambitionierter Hobbyathlet“ – so nennt sich Florian Orth und ein paar Prisen Sarkasmus schwingen mit. „Ich fahr halt mal wieder mit.“ Der Läufer der LG Telis Finanz Regensburg, der im Juli 30 Jahre alt wird, ist einmal mehr auf der internationalen Bühne zu sehen. Seit er 2011 die EM-Bühne in Paris in der Halle betrat, war der Hesse in Regensburger Klub-Diensten EM-Stammgast – ob drinnen oder draußen. Auch diesmal hat er über 3000 Meter erst in Stockholm die Normzeit abgeliefert (7:54,29 Minuten) und dann mit DM-Bronze in Leipzig de Teilnahme an den Europameisterschaften in Glasgow perfekt gemacht. Am Freitag (13.20 deutscher Zeit) steht der Vorlauf an. Orths Ziel unter den 36 Startern ist klar: „Erst einmal das Finale erreichen.“ Der Lauf der Top zwölf um die Medaillen wäre dann für Samstagabend um 20.47 Uhr angesetzt.

Auch am Abreisetag kombinierte Florian Orth wieder mal Beruf und Sport. Bis elf Uhr arbeitete er in der elterlichen Zahnarztpraxis, dann brachte ihn die Schwester zum Flughafen. „Ich hatte überlegt, eventuell erst am Donnerstag anzureisen.“ Weil aber die Vorläufe bereits am Freitagmittag über die Bühne gehen, verwarf Orth diese Überlegungen schnell.

Florian Orth ist der EM-Dauerbrenner aus Regensburg. Foto: Eibner
Florian Orth ist der EM-Dauerbrenner aus Regensburg. Foto: Eibner

Auch ein anderes Thema hatte Florian Orth in die eigenen Hände genommen. Als Läufer, der längst keinem Kader mehr angehört, mahnte der 29-jährige EM-Stammgast und Olympiastarter von Rio 2016 die Aufnahme in den Doping-Kontrollkader selbst an. „Direkt nach der deutschen Meisterschaft war ich wieder drin“, berichtet Orth. „Zwei Tage später stand der Kontrolleur um sechs Uhr morgens vor der Tür.“

In Leipzig war in Form der Deutsch-Amerikaner Amos Bartelsmeyer (24) und Sam Parsons unvermittelt ungeahnte neue Konkurrenz aufgetaucht, die Orths vermeintlich sichere EM-Teilnahme noch einmal in Frage gestellt hatte. „Trotz einer 7:49 in der Meldeliste war in keinem Vorbericht von den beiden die Rede“, sagt Florian Orth. „Ist ja auch okay: Wer einen deutschen Pass hat, darf starten. Dass in dem Moment nicht begeistert war, ist auch klar, aber Regeln sind Regeln. Und vielleicht lerne ich sie jetzt ja näher kennen.“

Nada Pauer startet für Österreich

  • Starter:

    In den Meldelisten für die Hallen-EM im schottischen Glasgow finden sich 307 Frauen und 330 Männer aus 49 Nationen in der Starterliste.

  • Duo:

    Neben Florian Orth (Foto: Eibner) ist Nada Pauer dabei. Die 32-Jährige läuft ebenfalls für die LG Telis Finanz Regensburg und startet in Glasgow am Abschluss des Starttages heute um 22.40 Uhr ebenfalls über die 3000 Meter, wo es bei den Frauen keine Vorläufe gibt.

Amos Bartelsmeyer ist in Aschaffenburg geboren, wuchs in St. Louis auf und lebt in Seattle.„Das ist ein wahnsinnig aufregendes Gefühl. Das hatte ich schon immer im Hinterkopf, für Deutschland zu laufen“, sagte Bartelsmeyer. „Bis zum College war ich ja jedes Jahr bei der Familie meiner Mutter in Aschaffenburg“, erzählte der junge Mann, der Mitte Februar in Leipzig in 7:54,39 Minuten Hallen-Vizemeister über 3000 Meter wurde. Noch 68 Hundertstelsekunden besser war sein Landsmann Sam Parsons (7:53,71). Der neue deutsche Meister hat ebenfalls einen Doppelpass, auch er rennt in Glasgow die 3000 Meter im DLV-Trikot. Beide haben sich - rein zufällig - der LG Eintracht Frankfurt angeschlossen.

„Das ist mehr ein Glücksfall als ein Politikum. Sam und Amos waren ja schon immer Deutsche - nun haben sie es ein bisschen spannend gemacht“, sagte Bundestrainer Georg Schmidt über das Duo mit Doppelpass. „Amos und Sam sind gute Jungs. Die wollen angreifen!“ Schon in Glasgow. „Wir wollen ins Finale. Dort kämpfen sechs, sieben Läufer um die Medaillen. Wenn wir mit Intelligenz und Herz laufen, sind wir dabei“, sagte Parsons. Eine Medaille? Möglich. Parsons ist die Nummer sechs, Bartelsmeyer der Siebte der europäischen Saison-Bestenliste.

Samuel Parsons, der auch in offiziellen Statistiken als „Sam“ durchgeht, wurde im Sommer 2018 nach einem enttäuschenden Rennen im belgischen Heusden, vom Onkel gefragt, wann er für Deutschland laufen wolle. Die Option lag auf der Hand, Parsons war noch nie im US-Trikot gerannt – und gibt jetzt sein Debüt für Deutschland.

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