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Baseball

Niklas Rimmel: Den großen Wurf vor Augen

Die Major League ist der Traum eines jeden Baseball-Spielers. Einer, der davor ist, ihn sich zu erfüllen, ist Niklas Rimmel.
Von Bastian Schmidt

Für Niklas Rimmel geht es bald von Regensburg in die USA. Foto: Schmidt
Für Niklas Rimmel geht es bald von Regensburg in die USA. Foto: Schmidt

Regensburg.Es ist ein sonniger Herbsttag, als ich mich mit Niklas Rimmel im zweiten Anlauf am Sportinternat der Buchbinder Legionäre zu einem Gespräch treffe. Das erste Treffen hatten wir vorsorglich verschoben, da mich ein grippaler Infekt einige Tage zuvor außer Gefecht gesetzt hatte. Und krank sein ist etwas, worauf das deutsche Baseball-Nachwuchstalent aktuell dankend verzichten kann, denn er hat in den kommenden Monaten viel vor. Der 18-jährige Rimmel ist der insgesamt zwölfte Spieler aus der Regensburger Baseball Akademie, der seit ihrer Gründung im Jahr 2002 den Sprung in Richtung der größten Baseball-Liga der Welt, der Major League Baseball (MLB), geschafft hat. Im Sommer unterschrieb der 1,95 Meter große Pitcher (Werfer) einen Minor-League-Vertrag bei den Minnesota Twins, einem etablierten MLB-Club, bei dem vor ihm bereits vier deutsche Spieler ihr sportliches Glück gesucht haben. Ein solcher Platz im Profikader ist der Traum aller Baseballspieler – weltweit. Denn wer hier spielt, hat es geschafft, sowohl sportlich, als auch finanziell. Allein im Jahr 2016 wurden in der MLB über zehn Milliarden US-Dollar erwirtschaftet und die Topspieler verdienen nicht selten 20 Millionen Dollar pro Jahr und mehr. Den höchstdotierten Kontrakt der MLB hat derzeit Giancarlo Stanton inne. Der Schlagmann der Miami Marlins unterschrieb 2015 einen Vertrag über 13 Jahre, für ein Gehalt von insgesamt rund 325 Millionen Dollar.

Im Regensburger Internatsgebäude, in direkter Nachbarschaft zur Armin-Wolf-Arena, ist an diesem Tag allerdings nichts vom Rummel der größten Baseball-Liga der Welt zu spüren. Den Hausregeln folgend suchen wir in Hausschuhen, beziehungsweise auf Socken, ein ruhiges Plätzchen für unser Gespräch. Rimmel fragt sich freundlich bei den Betreuern durch, da der Aufenthaltsraum gerade von seinen Mitbewohnern für die täglichen Schulaufgaben in Beschlag genommen wird. Wir finden unsere Ecke in einem zurzeit unbesetzten Internatszimmer.

Rimmel selbst lebt seit knapp drei Jahren in einem dieser Räume. Mit 15 Jahren beschloss er, den Schritt aus dem elterlichen Haus im bayerischen Herzogenaurach ins Internat nach Regensburg zu wagen. Bereits damals hatte der Teenager den großen Traum, eines Tages in die USA zu gehen und mit Baseball sein Geld zu verdienen. Der Umzug nach Regensburg war für ihn ein logischer Schritt, um diesem Ziel näher zu kommen. „Es war einzig und alleine meine Entscheidung, aber natürlich ging es nur, weil mich meine Familie immer zu 100 Prozent unterstützt hat“, blickt er heute auf seinen Entschluss zurück. Seiner Familie, genauer gesagt seinem Vater, hat er es auch zu verdanken, dass er in jungen Jahren überhaupt mit dem Baseballspielen angefangen hat. Denn wie fast alle Jungs in Deutschland stand Rimmel in seinen Kindertagen zuerst auf einem Fußballplatz und versuchte, das Runde in das Eckige zu befördern. Sein Trainer damals: sein Vater. Was der junge Rimmel allerdings noch nicht wusste, war, dass sein Vater bereits eine erfolgreiche Karriere als Baseball-Bundesligaspieler für die Colone Cardinals und die Berlin Sluggers hinter sich hatte.

Baseball hat mir einfach viel mehr Spaß gemacht als Fußball. Aber ohne meinen Vater hätte ich das Spiel wohl nie so kennengelernt und ich würde sagen, ohne ihn würde ich heute kein Baseball spielen.

Niklas Rimmel

Mit der Geburt seines Sohnes beendete Vater Rimmel seine aktive Karriere, drei Jahre später zog die Familie von Berlin nach Herzogenaurach. „Als ich acht war, habe ich in unserem Keller Fotos von ihm im Trikot gesehen und sein Baseball-Equipment gefunden. Daraufhin haben wir gemeinsam angefangen, Bälle zu werfen“, erinnert sich Rimmel. Dass sich das Talent des Vaters auf den Sohn übertragen haben könnte, wurde schnell ersichtlich und schon bald erschien das Duo bereits zwei Stunden vor dem Fußballtraining am Platz, um Bälle zu werfen und zu schlagen, statt sie zu treten. Mit neun Jahren fiel die Entscheidung. Rimmel kehrte dem Fußball den Rücken und fing bei den Fürth Pirates an, Baseball zu spielen. „Es hat mir einfach viel mehr Spaß gemacht. Ich würde sagen, ohne meinen Vater würde ich heute kein Baseball spielen.“

Leistung in der Schule

Mit ihrer Zustimmung zum Umzug ins Sportinternat förderten die Eltern dann nicht nur die sportliche Karriere ihres einzigen Kindes, sondern sicherten auch seine schulische Ausbildung. „Ich hatte schon mit zwölf Jahren bei einem Spiel der Bayernauswahl Kontakt zu Martin Brunner, dem langjährigen Leiter des Internats. Er fragte als Erstes: Wie läuft es in der Schule? Das hat mich überrascht, aber ich habe gemerkt, ohne ordentliche Leistungen in der Schule geht hier nichts.“ Seit drei Jahren geht er jetzt in Regensburg auf das Siemensgymnasium, wo er im kommenden Sommer sein Abitur machen wird.

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Seine Tage sind gut gefüllt, vormittags Schule, dann Mittagessen und Hausaufgaben im Internat, etwas Freizeit und abends sechsmal pro Woche rund drei Stunden Training. Ein Spagat zwischen Schule und Leistungssport, der auf Dauer gerade pubertierenden Teenagern zu schaffen machen kann. „Mit 15 oder 16 Jahren ist man ja gerne mal ein bisschen faul und liegt lieber auf dem Bett oder telefoniert mit der Freundin. Aber dann sammelt sich das an, was man für die Schule hätte machen müssen. Das muss man dann abends nachholen und schon fehlt einem der Schlaf. Das wirkt sich dann wieder direkt auf die Leistungen in der Schule und im Training aus. Keiner von uns hier möchte in diesen Kreislauf geraten und deshalb versucht jeder, tagtäglich seine Routine durchzuziehen“, erklärt der Pitcher in einem Tonfall, der suggeriert, dass es ihm ernst mit diesem Thema ist.

Auf den Spuren von Max Kepler: Niklas Rimmel unterzeichnet seinen Profivertrag bei den Minnesota Twins. Nach dem Abitur 2018 wechselt er in die USA.

Motivation, Fokus und Fleiß, Tugenden, nach denen zu streben im Internat vielleicht sogar leichter fällt als außerhalb. Dazu kommt, dass Rimmel von früher Kindheit an seinen Fokus auf den Sport gelegt hat und dafür gerne auf die nächtlichen Eskapaden seiner Altersgenossen verzichtete. „Natürlich könnte ich abends rausgehen und feiern, aber ich habe nicht das Bedürfnis danach“, erklärt der dreimalige deutsche Jugendmeister. Und so kam es, dass die drei Jahre auf dem Sportinternat nicht nur einen besseren Baseballspieler aus Rimmel gemacht haben, sondern auch einen selbstbewussten und eigenverantwortlich handelnden jungen Mann.

Sechsstelliges Handgeld

Sein nächstes Ziel, noch vor dem Wechsel in die USA: das Abitur. „Man braucht immer einen Plan B. Das ist keine Sympathieliga.“ Die Mannschaften haben so viel Auswahl, dass sie auf einen speziellen Nachwuchsspieler kaum angewiesen sind. „Mit meinem Abi stehen mir auch für den Fall einer Verletzung oder lieber am Ende einer erfolgreichen Karriere einfach mehr Türen offen“, begründet Niklas Rimmel seine Entscheidung. Eine angenehm bodenständige Einstellung bei einem 18-Jährigen, dem man gerade ein sechsstelliges Handgeld für seine Unterschrift auf dem Minorleague-Vertrag gezahlt hat. Anfang Juli 2018 wird er in die bereits im April gestartete Gulf Coast League in Florida einsteigen und dort für das Sechstligateam der Minnesota Twins, die GCL Twins, auflaufen.

Der Plan ist es, von da an jedes Jahr eine Liga höher spielen zu können, so dass nach sechs bis sieben Jahren ein Engagement in der MLB winkt. Richtig viel Geld gibt es erst, wenn man es nach ganz oben geschafft hat. Für den selbstbewussten Schüler ist dies aber kein Hemmnis. „Ich weiß, was auf mich zukommt und ich habe keinen Bammel, sondern nehme den langen Weg als pure Motivation.“ Damit eifert er auch einem seiner persönlichen Vorbilder, Max Kepler-Rozycki nach, der seit 2009 genau diesen Weg bei den Minnesota Twins beschritten hat. „Wie Max sich Jahr für Jahr bis an die Spitze gearbeitet hat, ist absolut bewundernswert und mein Ziel.“ Bis es so weit ist, hat sich Rimmel für seine verbleibende Zeit in Deutschland allerdings noch ein ordentliches Restprogramm auferlegt. „Dazu zählt das Abitur, 100 Prozent Trainingsbeteiligung und die Verbesserung meiner Wurfgeschwindigkeit.“ Danach steht einem langen und anstrengenden, aber im Endeffekt sicher lohnenden Trip durch die Niederungen des amerikanischen Minor-League-Systems bis auf den Baseball-Olymp MLB nichts mehr im Weg.

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

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