MyMz

Fussball

Ökotrends: Noch viel Luft nach oben

Die Liste der Öko-Aktivitäten in der Bundesliga ist lang. Doch nicht alle Vereine setzen sie in gleichem Maße um.
Von Christina Storz

Bei jedem Bundesligaspiel fällt jede Menge Müll an. Foto: David Hecker/dpa
Bei jedem Bundesligaspiel fällt jede Menge Müll an. Foto: David Hecker/dpa

Berlin.Bier im Mehrwegbecher, die Wurst auf die Hand und mit dem Leihfahrrad ins Stadion: „Das Anliegen, die Umwelt zu schützen, ist inzwischen auch bei den Bundesligisten angekommen“, sagt Thomas Fischer, Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe. Dennoch gebe es im Profifußball noch viel Luft nach oben. „Insbesondere größere Vereine ziehen erst allmählich nach und tun sich mit der Umsetzung von Umweltaktivitäten schwer“, sagt Fischer. Anders sehe das bei vielen kleinen Vereinen aus.

Fussball

Jetzt ist Ribéry auch noch verletzt

Der Fußballer beendet ein turbulentes und teures Trainingslager mit einem Muskelfaserriss im rechten vorderen Oberschenkel.

Allein in der vergangenen Saison sind nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe 11,5 Millionen Einwegbecher in den Stadien angefallen. Vorne mit dabei: Borussia Dortmund mit 1,5 Millionen Bechern. Der Herbstmeister ist jedoch nach eigenen Angaben bereits im Dialog mit der Umwelthilfe, „an dessen Ende die Umstellung auf ein Mehrwegbecher-System stehen soll“. Auch der FC Bayern hat zu Beginn der Saison umgestellt. Doch Klubs wie beispielsweise der FC Schalke 04, Hamburger SV, 1. FC Köln oder die TSG 1899 Hoffenheim setzten weiterhin auf Wegwerfbecher.

Die CO2-Bilanz

Der stellvertretende Bereichsleiter Mobilität und Ressourcen vom Öko-Institut, Daniel Bleher, bemängelt die konsequente Umsetzung der Umweltmaßnahmen. „Wenn man sich die Einnahmen und Budgets anschaut, die auf dem Spielermarkt verbraten werden, sollte die Umstellung auf ein Mehrweg-System auf jeden Fall drin sein.“ Vereine sollten daher vernünftig abwägen, was sie sich leisten können – „und vor allem wollen“.

Das Mage Solar Stadion des SC Freiburg Foto: Patrick Seeger/dpa
Das Mage Solar Stadion des SC Freiburg Foto: Patrick Seeger/dpa

Noch mehr ins Gewicht fallen nach Blehers Angaben allerdings die Fahrten ins Stadion. „Die Fan-Mobilität macht rund 60 bis 80 Prozent der gesamten CO2-Bilanz eines Vereins aus“, sagt Bleher. Hunderte Tonnen CO2 würden Saison für Saison allein bei den Heimspielen produziert. Es sei zwar im europäischen Ausland im Gegensatz zur Bundesliga nicht selbstverständlich, dass man mit fast allen Eintrittstickets auch den öffentlichen Nahverkehr nutzen kann. „Es bringt aber nichts, wenn die Stadien trotzdem nur schwer mit Bus, Bahn oder zu Fuß zu erreichen sind.“ Es gebe aber auch positive Beispiele.

Der SC Freiburg als Pionier

Ganz vorne mit dabei ist der SC Freiburg. Die Schwarzwälder hatten die erste Solaranlage auf dem Stadiondach, bauen gerade nach eigenen Angaben eine neue weitgehend klimaneutrale Arena und sind sogar kürzlich eine Partnerschaft mit der Umweltorganisation WWF eingegangen. „Ein Pionier der Umweltszene im Fußball“, attestiert Thomas Fischer. Aber auch andere Erstligisten setzen sich mit dem Thema auseinander. Werder Bremen beispielsweise mit einem laut Fischer „tollen Mobilitätskonzept“, das es den Zuschauern sogar ermöglicht, mit dem Leihfahrrad oder der Fähre zum Stadion zu fahren. Oder die Hoffenheimer, die im vergangenen Jahr von den Grünen zum „Nachhaltigkeits-Meister“ ernannt wurden, weil die TSG insbesondere im Bereich erneuerbare Energien eine Vorreiterrolle einnimmt.

Es fehlt der Kostendruck

  • Investition:

    „Bei einigen Umweltthemen fehlt der Kostendruck und deshalb wird dort nichts gemacht“, sagt Fischer. Zwar investierten viele Klubs in Solaranlagen und versuchen Wasser zu sparen, „weil es sich betriebswirtschaftlich sehr schnell auszahlt“.

  • Wurst:

    Glaubwürdiger Umweltschutz fange aber schon bei den kleinen Dingen an. Bei Union Berlin gebe es zum Beispiel die Wurst im Brötchen und den Senf aus dem Großspender – ohne Plastikbesteck und kleine Einzelverpackungen. (dpa)

Dennoch finden sich nach den Umweltexperten noch zahlreiche Lücken. Während Fischer von „Flickenteppich“ redet, spricht Bleher von „Häppchen“. „Der Umweltschutz ist noch nicht hinreichend in der DNA der gesamten Liga verankert“, erklärt Fischer. Was fehle, seien einheitliche Regeln, die von der DFL festgelegt und umgesetzt werden – und für die gesamte Branche gelten. Doch die DFL sieht sich nicht am Zug. Umweltschutz sei zwar ein gesellschaftlich wichtiges Thema, „aber es gibt keine Vorgaben der DFL an die Klubs“, sagt ein Sprecher. Die Vereine würden individuell entscheiden, was sie in dem Bereich machen.

Hier geht es zum Sport.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht