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Biathlon

Peiffer: „Keinen Zeitpunkt, an dem ich aufhören möchte“

Olympiasieger Arnd Peiffer blickt auf ein tolles Jahr 2018 zurück. Wie lange der Niedersachse noch im Biathlon-Weltcup unterwegs sein will, verrät er im Interview vor dem Heim-Weltcup in Oberhof.
Interview: Volker Gundrum, dpa

Arnd Pfeiffer kann sich ein zeitnahes Karriere-Ende vorstellen. Foto: Expa/Stefan Adelsberger/APA
Arnd Pfeiffer kann sich ein zeitnahes Karriere-Ende vorstellen. Foto: Expa/Stefan Adelsberger/APA

Oberhof.Hört Arnd Peiffer nach der Biathlon-Saison auf, oder macht er weiter? Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht der 31 Jahre alte Skijäger über seine Karriere-Planung, wie es ist, als junger Vater im Weltcup gefordert zu sein und wer großen Anteil an seinem Erfolg hat.

Mit dem Heim-Weltcup in dieser Woche Oberhof und dann in Ruhpolding beginnt der stressige Teil des Biathlon-Lebens...

Arnd Peiffer: Ich bin relativ gut in die Saison gekommen. Viele sagen, nach Olympia sei das nicht so einfach, aber das ist mir nicht so schwer gefallen. Das Entscheidende ist, dass man auch jetzt eine ordentliche Form hat, dann fällt alles leichter. Man muss schon mit vollem Tank in den Januar gehen, der ist unser härtester Monat.

Nur der härteste oder auch der schönste?

Peiffer: Je nachdem, wie es läuft. Wenn es gut läuft, dann sind die tollsten Erlebnisse dabei, zumindest was den Weltcup angeht. Wenn man in Oberhof oder in Ruhpolding auf das Podium läuft, dann ist das einfach gigantisch. Aber wenn es überhaupt nicht läuft, dann ist es unendlich hart.

Mit dem vergangenen Jahr können Sie sehr zufrieden sein.

Peiffer: Olympia war schon etwas Besonderes für mich, mit der Goldmedaille im Sprint. Natürlich auch mit dem Tief, mit der Mixed-Staffel, wo ich so ein bisschen der Depp war. Dann haben wir aber mit einer guten Staffel zum Schluss noch einmal eine Medaille geholt, das war richtig cool. Es war ein schöner Winter.

Vater sind Sie auch geworden. Verändert das den Blick auf den Biathlon-Zirkus?

Peiffer: Nein. Viele sagen, ihre Weltsicht hat sich komplett gedreht. Das kann ich jetzt nicht behaupten. Ich habe schon immer gesagt, erstmal kommt die Familie, dann kommt lange nichts. Das ist jetzt natürlich erst recht so.

Ist das Reisen schwieriger geworden?

Peiffer: Das Wegfahren ist mir nie leicht gefallen. Ich bin jemand, der gerne zu Hause bei der Familie ist. Aber jetzt hat man auch noch Verantwortung für einen kleinen Menschen.

Ändert das den Blick auf die Frage, wie lange man den Job überhaupt noch machen will?

Peiffer: Ja schon. Aber ich habe keinen Zeitpunkt, an dem ich aufhören möchte. Ich schaue nach jeder Saison, mache ich noch eine, oder nicht. Das kann durchaus drei, vier, fünf Jahre hintereinander so passieren. Es kann aber durchaus sein, dass ich nach der Saison sage, jetzt ist es gut. Familie und Kinder, die spielen natürlich in der Überlegung eine große Rolle. Da muss man schauen, wie kriegt man es hin. Das ist ein Faktor, der hinzugekommen ist.

Was wäre so ein Punkt, wo Sie sagen würden: Jetzt reicht es?

Peiffer: Ich glaube, es kommt ein Stück weit von innen. Man sagt sich, es ist gut, es reicht jetzt. Aber noch bin ich heiß. Aber natürlich hat die Familie das Recht, ein Veto einzulegen. Man muss ja schon gucken, dass man das unter einen Hut bringt.

Und wenn Sie einfach mal eine Pause einlegen?

Peiffer: Wenn ich aufgehört habe, dann habe ich aufgehört. Dann fange ich nach einem halben Jahr nicht wieder an. Dann bin ich weg!

Aber arbeiten müssen Sie nicht mehr, als Olympiasieger. Da ist man doch bestimmt Millionär?

Peiffer: Nein, schön wäre es. Ich muss schon arbeiten, und das ist auch gut so.

Was kommt dann? Werden Sie Trainer?

Peiffer: Als Trainer sehe ich mich im Moment nicht so. Ich könnte mir vorstellen, bei der Polizei zu bleiben. Ich könnte mir auch vorstellen, etwas komplett anderes zu machen. Im Moment erscheint es mir attraktiv, etwas außerhalb des Sports zu machen.

Welchen Anteil hat Bundestrainer Mark Kirchner an Ihren Erfolgen?

Peiffer: Für mich persönlich einen extrem hohen. Ich bin seit 2008 in der Trainingsgruppe vom Mark. Ich trainiere seitdem nach seinen Plänen. Was mir am Mark sehr liegt, dass er wahnsinnig strukturiert arbeitet. Es ist immer sehr ruhig, er hat immer einen Plan. Er optimiert immer weiter. Und er fordert uns. Er erwartet im Trainingslager, dass wir das Programm mit einer guten Qualität abspulen. Ich komme oft aus dem Trainingslager und bin wirklich breit. Man kann ja nicht im Komfort-Level vor sich hin trainieren und dann erwarten, dass man im Weltcup bestehen kann. Man muss sich schon im Sommer ziemlich schinden.

Der Bundestrainer hat aus den Individualisten einen verschworenen Haufen geformt...

Peiffer: Wir sind ein ziemlich guter Haufen. Ganz wichtig ist, dass man grundsätzlich Respekt voreinander hat, vor der Leistung des anderen, vor dem Charakter des anderen. Bei uns gibt es keinen, der glaubt, er steht über den anderen.

Zur Person: Arnd Peiffer (31) ist Biathlon-Olympiasieger. Der Familienvater gewann im vergangenen Jahr in Südkorea Sprint-Gold. Über die zehn Kilometer feierte der in Wolfenbüttel in Niedersachsen geborene Skijäger auch seinen ersten großen Erfolg: 2011 bei der Weltmeisterschaft im russischen Chanty-Mansijsk.

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