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Fussball

Rebellen und Imperium einigen sich

Aus der Idee für eine fränkische Nationalmannschaft wird der BFV-Regionen-Cup. Es ist ein Kompromiss nach einem großem Zwist.
Von Mario Geisenhanslüke, MZ

Helmuth Weisensel auf dem Fußballplatz von Schleerieth, ein Gemeindeteil von Werneck: Der Fußball-Trainer wollte erst eine fränkische Nationalmannschaft gründen, jetzt organisiert er den BFV-Regionen-Cup mit.
Helmuth Weisensel auf dem Fußballplatz von Schleerieth, ein Gemeindeteil von Werneck: Der Fußball-Trainer wollte erst eine fränkische Nationalmannschaft gründen, jetzt organisiert er den BFV-Regionen-Cup mit. Foto: dpa

Regensburg.„Jede Saga hat einen Anfang.“ So warb George Lucas 1998 für den vierten Film seiner erfolgreichen Star-Wars-Reihe. Der indes hieß Episode I, weil es der Beginn der Vorgeschichte der ersten Trilogie war.

Auch der BFV-Regionen-Cup, der am 20. Juni seine Premiere feiert und über den der Bayerische Fußball-Verband (BFV) in dieser Woche alle Vereine informieren wird, hat eine Vorgeschichte. Keine so dramatische, vielleicht auch keine, die für drei Filme taugt. Aber dennoch eine, in der „Rebellen“ der Stein des Anstoßes sind, es aber – anders als im letzten Star-Wars-Teil – einen Kompromiss mit dem Imperium gibt. Doch der Reihe nach:

November 2013. Helmuth Weisensel aus dem unterfränkischen Werneck hat eine Idee: Er will eine fränkische Nationalmannschaft gründen (die MZ berichtete) – abseits der offiziellen Strukturen von Fifa, DFB oder BFV. Drei Antriebsfedern habe er für seine Idee damals gehabt, erinnert sich Weisensel heute im Gespräch mit der MZ. Für die fränkische Identität habe er etwas tun wollen, eine Auswahlmannschaft für junge und ambitionierte Fußballer habe er gründen wollen – und das Ganze außerdem für einen guten Zweck.

Eine hehre Idee. Sogar der Termin für das erste „Länderspiel“ gegen die Nationalmannschaft von Tamil Eelam, eine nach Unabhängigkeit strebende Volksgruppe auf Sri Lanka, steht bereits fest. Auf lange Sicht will Weisensel mit seiner Franken-Auswahl sogar zur Fußball-Weltmeisterschaft – aber eben nicht jener der Fifa, sondern der eines konkurrierenden, inoffiziellen Weltverbandes.

Der BFV verhindert das Team

Die Rechnung hat Weisensel jedoch ohne den BFV gemacht. Der reagiert mehr als verschnupft auf die fränkische Idee. Der Verband lehnt die Gründung einer solchen Mannschaft ab und untersagt allen Vereinsspielern ein Mitwirken. Sollte jemand dennoch mitspielen, droht der Entzug des Spielerpasses. Felix Jäckle, Hauptabteilungsleiter Sport beim BFV, sagt: „Wir haben vonseiten des BFV ja immer wieder betont, dass wir nichts gegen eine Franken-Auswahl haben, wenn sie unter dem Dach des BFV läuft, der für die Bildung von Auswahlmannschaften in Bayern zuständig ist.“

So wendete sich das Blatt – Ende des vergangenen Jahres. Im Rückblick drückt Weisensel das so aus: „Nach den Differenzen hat der BFV diese bayernweite Lösung angeboten.“ Und diese Lösung ist nun jener BFV-Regionen-Cup, der am 20. Juni im Steigerwaldstadion in Gerolzhofen zwischen vier bayerischen Auswahlmannschaften ausgetragen werden wird. Weisensel selbst ist Mitorganisator und trainiert die Franken-Auswahl. Eine fränkische Nationalmannschaft, wie sie Weisensel zunächst im Sinn hatte, hat sich derweil trotzdem gegründet und ist aktiv – nur hat Helmuth Weisensel damit nichts zu tun.

Beim BFV-Regionen-Cup treffen nun vier bayerische Auswahlmannschaften aufeinander: Ostbayern, Altbayern, Schwaben und Franken. Die Oberpfalz gehört zu Ostbayern wie auch die Landkreise Kelheim und Eichstätt sowie die kreisfreie Stadt Ingolstadt. „Ich bin mit dieser Lösung sehr zufrieden, und unter dem sportlichen Aspekt finde ich es sogar besser: lieber Mannschaften mit aktuellen Spielern als mit Oldies“, sagt Weisensel. Denn spielberechtigt sind alle volljährigen Verbands-Fußballer mit Ausnahme der Lizenzspieler – also bis zur dritten Liga. Profis des SSV Jahn Regensburg könnten theoretisch demnach mitspielen.

Trainiert die Ostbayern-Auswahl: Franz Koller
Trainiert die Ostbayern-Auswahl: Franz Koller Foto: Brüssel

Trainiert wird die Ostbayern-Auswahl von Franz Koller, der im regulären Ligabetrieb in der Bezirksliga Oberpfalz Süd für den TSV Kareth-Lappersdorf an der Seitenlinie steht. Ein paar Zusagen habe er schon, sagt der 38-Jährige. Anfragen werde er zwar sicherlich nicht bei der Profimannschaft von Jahn Regensburg – aber zumindest bei Jahn II. Am Ende, so glaubt er, werden Spieler irgendwo zwischen Landesliga und Regionalliga auf dem Rasen stehen. Doch wie auch immer sein Team aussehen werde: „Unser Ziel ist klar: Wir wollen gewinnen!“

Für einen guten Zweck

Die Zuschauereinnahmen des Turniertages wandern nach Abzug der Kosten in den Topf der BFV-Sozialstiftung. Eintritt wird das Turnier in Gerolzhofen nicht kosten: Jeder soll spenden können, wieviel er mag. Die Erlöse rund um das Turnier gehen an den ausrichtenden Verein.

Geht es nach Helmuth Weisensel soll der BFV-Regionen-Cup auch keine Eintagsfliege gewesen: „Wenn die Resonanz bei Zuschauern und Medien gut ist, soll das Turnier alle zwei Jahre stattfinden – natürlich immer in unterschiedlichen Regionen.“ Ähnlich drückt es auch Felix Jäckle aus Sicht des BFV aus. Ein Handschlag zwischen Rebellen und Imperium – ganz im Sinne des Fußballs.

Der BFV-Regionen-Cup

  • Vier Mannschaften

    Das Blitztunier unter dem Dach des BFV findet am 20. Juni 2015 erstmals im Steigerwaldstadion in Gerolzhofen statt. Vier bayerische Auswahlmannschaften treten an – aufgeteilt in die Bezirke Ostbayern (wozu die Oberpfalz gehört), Altbayern, Schwaben und Franken. Spielberechtigt sind alle volljährigen Verbandsspieler aller Spielklassen. Einzig Lizenzspieler, sprich Spieler der ersten oder zweiten Bundesliga, dürfen nicht antreten.

  • Direkt ins Elfmeterschießen

    Nach Auslosung werden zwei Halbfinals, das Spiel um Platz drei und das Finale gespielt – so, dass jede Mannschaft zwei Spiele zu bestreiten hat. Gespielt werden zweimal 25 Minuten. Bei Unentschieden gibt es Elfmeterschießen. Gespielt wird nach den DFB-Regeln aufs Großfeld mit. Jede Partie wird von einem Schiedsrichter geleitet, der von zwei Linienrichtern unterstützt wird.

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