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Denksport

Schach: SC Bavaria erntet die Früchte

Der Regensburger Club steht vor dem Zweitliga-Aufstieg. Der rasche sportliche Aufschwung überrascht selbst die Vereinsspitze.
Von Heinz Gläser

Spiel der Könige: Der Schachclub Bavaria Regensburg strebt sportlich in höhere Sphären.  Foto: Eibner-Pressefoto
Spiel der Könige: Der Schachclub Bavaria Regensburg strebt sportlich in höhere Sphären. Foto: Eibner-Pressefoto

Regensburg.Die U20 ist seit sechs Jahren ununterbrochen bayerischer Mannschaftsmeister und hat in diesem langen Zeitraum lediglich eine Niederlage eingesteckt. Die Damen treten seit zwei Jahren in der 2. Bundesliga an und haben jüngst wieder den Klassenerhalt unter Dach und Fach gebracht. Nun schickt sich auch die 1. Mannschaft des Schachclubs Bavaria Regensburg von 1881 an, sportlich in höhere Sphären vorzustoßen.

An diesem Sonntag sollte mit dem SC SW Nürnberg Süd der Tabellenletzte der Oberliga Bayern im Regensburger Goethe-Gymnasium zu Gast sein. Mit einem Sieg hätte der SC Bavaria einen Spieltag vor dem Saisonende den bayerischen Meistertitel und den Aufstieg in die 2. Schach-Bundesliga vorzeitig perfekt gemacht. Die abschließende Begegnung bei der SG Pang-Rosenheim in zwei Wochen hätte nur noch statistischen Charakter gehabt. Am Donnerstagabend verkündeten jedoch auch die Schachverbände die Aussetzung des gesamten Spielbetriebs in Deutschland – vorerst bis zum Ende der Osterferien. Die kleine Meisterfeier des SC Bavaria ist damit zumindest vertagt. Am sportlichen Aufwärtstrend des Klubs ändert dies nichts.

Intensive Jugendarbeit

„Wir betreiben seit rund zehn Jahren intensive Jugendarbeit, und die trägt jetzt Früchte“, sagt Peter Oberhofer, der 1. Vorsitzende des SC Bavaria. Dabei ist auch er von der Rasanz des sportlichen Aufschwungs überrascht. Erst im vergangenen Jahr war der SC in die Oberliga aufgestiegen und hatte sich in dieser Spielklasse mit einer blutjungen Mannschaft im Mittelfeld behauptet. Dass nun bereits der nächste Schritt gelingt, verblüfft sogar Oberhofer.

Der Internationale Meister Florian Kaczur zählt zu den Leistungsträgern im Bavaria-Team. Foto: Parik Stefanov
Der Internationale Meister Florian Kaczur zählt zu den Leistungsträgern im Bavaria-Team. Foto: Parik Stefanov

„Wir haben zu unserer eigenen Überraschung die Liga dominiert“, sagt er. Dabei ist das Gros des Teams erst 19 oder 20 Jahre alt, stammt aus dem eigenen Nachwuchs. „Die Leistungssteigerung der Jungen ist imposant“, sagt Peter Oberhofer. Besonders hebt er den Anteil von Jana Schneider hervor, die im April gerade mal 18 Jahre alt wird, aber bereits 2017 deutsche Einzelmeisterin der Frauen wurde. Zudem stieß mit dem Ungarn Florian Kaczur ein dritter Internationaler Meister (IM) zum SC Bavaria, der damit personell breiter aufgestellt war und in jeder Begegnung zwei IM am Brett hatte.

Der Aufstieg, so er denn nur aufgeschoben ist, wäre strukturell zu bewältigen, sagt Oberhofer. In der 2. Liga würden an fünf Terminen Doppelrunden gespielt, während in der Oberliga neun Runden auf dem Terminplan standen. „Der Aufwand, auch der Reiseaufwand, bliebe in etwa gleich“, so Oberhofer. Keinesfalls werde der SC Bavaria für die 1. Bundesliga personell extrem aufrüsten, versichert der Vorsitzende. „Unsere Intention ist es, so hoch wie möglich zu spielen. Es wird erst mal schwierig genug, die 2. Liga zu halten. Ziel ist es, das Team in dieser Spielklasse zu etablieren. Aber wir werden dafür sicherlich keine Profis holen“, skizziert Oberhofer die Bavaria-Marschroute im Aufstiegsfall. Die Schach-Bundesliga sei als „reine Profiliga“ überhaupt kein Thema. Perspektivisch könnte sie das werden, sofern die Entwicklung der Bavaria-Talente weiterhin so schnell voranschreitet.

Die U20 des SC Bavaria Regensburg ist sechs Jahre in Folge bayerischer Mannschaftsmeister. Foto: Ruth Dechant
Die U20 des SC Bavaria Regensburg ist sechs Jahre in Folge bayerischer Mannschaftsmeister. Foto: Ruth Dechant

Völliges Neuland wäre die oberste nationale Spielklasse für Regensburg nicht. Der 1881 gegründete Schachclub Regensburg hatte seine Blütezeit in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, war –in einer anderen Ligenstruktur – „auf höchstem Niveau“ (Oberhofer) unterwegs. Im Jahr 1989 fusionierten der SC und Bavaria. „Damals kränkelten beide Vereine so ein bisschen vor sich hin“, so Oberhofer. Aktuell zählt der SC Bavaria etwas mehr als 100 Mitglieder.

Viele Anfragen von Schulen

Das gängige Vorurteil, Kinder und Jugendliche ließen sich heutzutage schwerlich für den Schachsport begeistern, mag Oberhofer so nicht stehenlassen – ganz im Gegenteil. „Meine Erfahrung ist eine ganz andere. Das Interesse an Schach ist in der jungen Generation sehr groß“, berichtet er. Der SC Bavaria habe viele Anfragen von Schulen, es gebe angesichts des Trainermangels Probleme, die Wünsche zu erfüllen. Die Kinder und Jugendlichen zu motivieren, langfristig „bei der Stange zu bleiben“, das sei die eigentliche Herausforderung für Schachvereine.

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