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Fußball

Der SSV Jahn gehört sich wieder selbst

Führung und Fans des Fußballklubs sind erleichtert: BTT kauft Schobers Anteile zurück, die nun der Mutterverein übernimmt.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Philipp Schober zieht sich beim SSV Jahn Regensburg zurück. Foto: Lex
Philipp Schober zieht sich beim SSV Jahn Regensburg zurück. Foto: Lex

Regensburg.Die Episode zwischen dem SSV Jahn Regensburg und dem Münchner Investor Philipp Schober ist beendet. Am Freitag teilte der 32-Jährige mit, dass er sich aus dem Fußballstandort in Regensburg zurückziehen werde. Seine Beteiligungsgesellschaft Global Sports Invest AG werde sämtliche Aktien an das Bauteam Tretzel (BTT) zurückverkaufen.

Diese Anteile übernahm der SSV Jahn umgehend. Der SSV Jahn Regensburg ist nun wieder Eigentümer von 90 Prozent der Aktien an der SSV Jahn Regensburg GmbH & Co. KGaA. „Ein wunderschöner Tag“, freute sich Jahn-Vorstandsvorsitzender Hans Rothammer in einer ersten Reaktion. Jahn-Fans jubelten in den Foren: „Ein voller Sieg auf ganzer Linie und hoffentlich folgen jetzt auch Siege auf dem Spielfeld.“

„Ich will den Weg freimachen“

Hans Rothammer bestätigte am Freitag, dass der Regensburger Verein sich nun wieder selbst gehört: „Nach äußerst hektischen Tagen“ gab er „mit großer Erleichterung“ den Aktien-Kauf bekannt. Der Eintrag ins Aktienbuch der KG sei bereits erfolgt, das Eigentum „vollumfänglich und unwiderruflich übergegangen“. Ausdrücklich dankte er Volker Tretzel von BTT: „Ohne ihn wäre das alles nicht möglich gewesen.“ Über die Summe, die der Jahn an BTT für die ehemaligen Schober-Anteile zahlte, wurde nach Informationen unseres Medienhauses Stillschweigen vereinbart.

Schober betonte am Freitag, dass es sich nicht um eine Rückabwicklung des Vertrags handelte, sondern um einen freiwilligen Verkauf. Er wolle den Weg freimachen für eine Struktur, wie sie dem aktuellen Vorstand und der Geschäftsführung des Jahn vorschwebe. Schober hatte Anfang Juni die Anteile von dem in die Korruptionsaffäre involvierten Bauträger und Jahn-Mäzen Volker Tretzel übernommen und hielt damit rund 90 Prozent an der SSV Jahn GmbH & Co. KGaA. Es wurde kolportiert, die Global Sports Invest AG habe für die angeblich wertlosen Anteile 4,2 Millionen Euro Kaufpreis akzeptiert und ein noch fälliges Darlehen über 800 000 Euro übernommen. Schober wurde finanziell von einem „väterlichen Freund“ unterstützt, dessen Namen er aber aus der Öffentlichkeit hielt.

MZ-Redakteur Jürgen Scharf kommentiert die neuesten Entwicklungen:

Kommentar

Endlich vorbei

Das Gezerre um die Anteile an der Kapitalgesellschaft des SSV Jahn ist vorbei. Endlich! Die Dauerfehde in den vergangenen Monaten hat allen Beteiligten...

Von Anfang gab es beim Jahn massive Vorbehalte gegen den jungen Geschäftsmann, der große Pläne für den Fußballstandort entwickelte. Er brachte ein Nachwuchsleistungszentrum und sogar einen Aufstieg in die erste Bundesliga ins Gespräch. Ein sportlicher Eifer, den die Jahn-Verantwortlichen als absurd zurückwiesen.

Aber nicht nur wegen der hochgesteckten Ziele Schobers gab es Vorbehalte. Der Investor hatte in der Vergangenheit auch bei Kooperationen mit Fußball- und Eishockey-Clubs kein glückliches Händchen. Meist endete die Zusammenarbeit nach wenigen Monaten. Unliebsame Misserfolge ließ er mit Hilfe einer Reputationsagentur aus seiner Vita entfernen. Weder die Führungsspitze des SSV Jahn noch die Fans machten ein Geheimnis daraus, dass sie den Investor auf schnellstem Wege loswerden wollten. „Wir sind keine Übungsfirma für anderweitig gescheiterte Existenzen“, betonte Rothammer vor drei Wochen. Da zeichnete sich bereits eine Wende ab. Am 24. September verkündeten BTT und SSV Jahn, dass BTT von einem Rücktrittsrecht gegen Global Sports Gebrauch gemacht habe. Diese Anteile – insgesamt 62 Prozent – habe man bereits an den Jahn verkauft, hieß es. Doch Schober verwahrte sich gegen diese Darstellung und verwies auf eine Eil-Entscheidung des Landgerichts Regensburg, das die Eintragung von Global Sports Invest ins Aktienregister angeordnet hatte.

Schober will Jahn-Fan bleiben

Am Freitag dann die Überraschung: „Mit Wirkung zum 10. Oktober 2017 habe ich die im Eigentum der Global Sports Invest AG befindlichen Aktien des Zweitligisten SSV Jahn Regensburg an das Bauteam Tretzel (BTT) verkauft“, teilte Schober mit. Er habe als Investor einen Beitrag für eine gute sportliche und wirtschaftliche Zukunft für den Fußball in Regensburg leisten wollen. „Stattdessen sah ich mich einer regelrechten Kampagne ausgesetzt, für die es keinerlei sachliche Begründung gab.“ Als Fußballfan wolle er dem Jahn aber treu bleiben.

Die Chronologie des Investor-Einstiegs beim SSV Jahn finden Sie hier.

Lesenswertes zu Schobers Einstieg und seinem Streit mit dem SSV Jahn

Rückblick: So bestimmte der Streit mit Investor Schober die Jahn-Mitgliederversammlung

Fragen und Antworten zu Schobers Einstieg

Alle Neuigkeiten, Analysen und Berichte zum SSV Jahn finden Sie hier.

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