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Seligenporten, die zweite Kraft

Nach dem Abstieg in die Bayernliga geht’s für die „Klosterer“ neu los. Und das mit einem fast komplett neuen Team.
Von Udo Weller

Der zuletzt beim FC Schweinfurt 05 spielende Marco Janz (rot) soll beim SV Seligenporten in der Bayernliga einer der Anführer sein. Foto: Udo Weller
Der zuletzt beim FC Schweinfurt 05 spielende Marco Janz (rot) soll beim SV Seligenporten in der Bayernliga einer der Anführer sein. Foto: Udo Weller

Seligenporten.Eingebettet in einer Weiherlandschaft und üppigen Wäldern, liegt Seligenporten in der äußersten westlichen Oberpfalz. Der Name des zum Landkreis Neumarkt gehörenden, 1400 Einwohner zählenden Dorfes geht zurück auf das 1242 gegründete Kloster. Der die Silhouette dominierende Sakralbau erklärt, weshalb der Ort in der Umgebung unter dem Namen „Kloster“ firmiert. Diesem Umstand Rechnung tragend, schmückte sich der 1949 ins Leben gerufene Spielverein Seligenporten bald mit dem Beinamen „die Klosterer“. Auf dem Vereinsgelände am nördlichen Ortsrand schaffte man es bis in die Regionalliga: Nach dem Abstieg im Sommer geht es am Sonntag (14 Uhr) gegen den Würzburger FV in der Bayernliga los.

Zwar ist für den SVS ein Abstieg nicht Neues, geschah das doch schon einmal im Sommer 2015: Im Gegensatz zu damals, als der Mannschaftskern weitgehend intakt blieb, gilt es nun ein komplett neues Team aus dem Rasen zu stampfen. Dass sich Trainer Roger Prinzen vor kurzem einen vertraglich vereinbarten Passus nutzte, um auszusteigen und sich jetzt in Heidenheim anschickt, seinen Traum im Profifußball tätig zu sein zu verwirklichen, macht die Aufgabe nicht einfacher. Was Wunder also, dass es Walter Eisl, dem Geschäftsführer der SVS-Fußball GmbH, fernliegt, seinen bisherigen Co-und nun zum neuen Cheftrainer erkorenen Hendrik Baumgart unter Druck zu setzen: „Der Aufstieg ist kein Ziel, wir müssen uns erst einmal in der Liga zurechtfinden.“ Dass der gerade einmal 600 Mitglieder umfassende Verein lange Jahre hinter dem SSV Jahn Regensburg zur zweiten Kraft in der Oberpfalz avancierte, ist zu einem großen Teil Eisl zu verdanken.

Lang mehr oder weniger unscheinbar, sollten die Geschicke des SVS im Spätsommer 2003 eine ebenso markante, wie auch nachhaltige Wende erfahren. Pate stand ein Zufall in Form zweier Nachbarn. Der eine, Karlheinz Wild, ein sehr bekannter Fußballjournalist und seit jeher dem SVS eng verbunden. Der andere, eben jener Walter Eisl, seines Zeichens großer Fußballanhänger sowie Geschäftsführer der Nürnberger Niederlassung eines bayernweit agierenden Recyclingunternehmens. Anlässlich eines Freundschaftsspieles gegen den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth trafen sich beide zu einem immer länger werdenden Gespräch, welches, so Wild: „damit endete, dass wir nachts um halb Zwei in der Garageneinfahrt einen Sponsorenvertrag aufsetzten.“

Im DFB-Pokal kam Bielefeld

Zu der ersten Werbetafel auf dem damaligen Sportgelände, gesellten sich alsbald immer mehr hinzu. „Im Laufe der Zeit hab ich immer mehr Spaß an der ganzen Sache bekommen“, wirft Eisl, der von 2007 bis 2017 zusätzlich das Amt des ersten Vorsitzenden übernahm, einen Blick zurück. Großes Vergnügen bereiteten auch die Früchte im sportlichen Bereich, wo 2007/08 der Sprung in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals gelang. „Dieses Spiel war ein Meilenstein für die wirtschaftliche Entwicklung“, erinnert sich Wild noch allzu gut an diesen, zwar mit einer 1:2-Niederlage gegen den Bundesligisten Arminia Bielefeld servierten, dennoch aber nicht minder wohlschmeckenden Leckerbissen. Der nächste sollte mit dem Aufstieg in die damals viertklassige Bayernliga schon ein Jahr später folgen.

Nachdem der SVS dort arg ins Trudeln und in allerhöchste Abstiegsnot geriet, sorgte Wild mit der Verpflichtung von Karsten Wettberg für einen in der Fußballszene unüberhörbaren Paukenschlag. Die Ursachen dieser bemerkenswerten Konstellation waren zu einem der beidseitigen großen persönlichen Wertschätzung geschuldet. Zum anderen hatte der vertragslose Wettberg Lust auf ein neues Engagement. „Damals steckte der SVS in einer schwierigen Situation und ich wollte unbedingt helfen“, erklärt der wohl erfolgreichste Amateurtrainer Deutschlands seine Beweggründe. Unter Wettberg gelang schließlich mit drei Siegen in der Relegation der kaum noch für möglich gehaltene Klassenerhalt. Für Wild noch immer eine „echte Meisterleistung.“

Die Organisation

  • Ausgliederung:

    Damit der Gesamtverein SV Seligenporten vor den immer mehr steigenden Anforderungen und Risiken geschützt ist, wurde die Fußballabteilung vor kurzem in eine GmbH ausgegliedert, deren Geschäftsführung Walter Eisl obliegt. Der pflegt die Maxime des vernünftigen Wirtschaftens: „Die Spielerforderungen sind immer extremer, doch wir werden unseren Kurs weiterfahren und das Wohl des Vereins oben anstellen.“

  • Ärgernisse:

    Bauchgrimmen bereitet Eisl die Regulierungswut im Amateurbereich: „Wenn der Zirkus so weitergeht, kann ich mir nicht vorstellen, das noch lange weiter zu machen“, sagt er und findet drastische Worte: „Verband und Profifußball tun alles dafür, um den Amateurfußball systematisch zu ruinieren.“ Dabei wird die Vereinsarbeit in Seligenporten ausschließlich von Ehrenamtlichen geschultert, zum Beispiel in Person des langjährigen Präsidenten Horst Rödel, der als fundierter Wegweiser durch den Dschungel des Regelwerks gilt.

In dem Maße, wie die „Klosterer“ in der Bayernliga zur festen Größe erwuchsen, fand auch der Coach immer mehr Gefallen an seiner Aufgabe: „Damals hat alles gestimmt, so dass es mit fast viereinhalb Jahren ein längeres Engagement wurde.“ Ungeachtet der obersten Prämisse, nur ablösefreie Spieler zu verpflichten, umschmeichelte das zumeist rote Trikot so manches Juwel, mit Dominik Stolz als zweifellos hochkarätigstem. Technisch elegant, wie spielerisch brillant, schwang er drei Jahre den Taktstock und sorgte im Verbund mit seinem kongenialen Sturmpartner Bernd Rosinger maßgeblich dafür, dass 2012 der Sprung in die neu geschaffene Regionalliga Bayern gelang. Für den kleinen Provinzverein ein Quantensprung, stellte er doch nun zwischen Bayerischem Jura und Passauer Land, Oberpfälzer Wald und Altmühltal das Nonplusultra im Amateurfußball dar.

Investition in „Steine und Beine“

Um dem sportlichen Erfolg auch eine angemessene Infrastruktur zu verleihen, entschloss man sich zum Bau einer neuer Vereinsstätte. „Die Investition in Steine und Beine war eine extreme Herausforderung“, beschreibt Eisl den Spagat. Ein Spagat, der den Verein bis an die Grenzen belastete, so dass man unter dem Trainerduo Florian Schlicker und Serdal Gündogan nach einem formidablen siebten Rang 2013/14 im Jahr darauf Abstieg und in der Folge zu einer sogenannten Fahrstuhlmannschaft entwickelte. Für Eisl indes kein Grund, seine Linie zu verlieren: „Wir werden sicherlich keine finanziellen Abenteuer eingehen.“

Es sind viele Helfer, die mit Herzblut und Leidenschaft ihre Arbeit verreichten. Ausdruck dafür ist auch Josef „Sepp“ Bock, der zusammen mit Heinz Lock stets für perfektes Grün sorgt, welches sogar DFB-Ansprüche mehr als erfüllte. So geschehen im Oktober 2014, als U-16-Coach Meikel Schönweitz anlässlich eines Freundschaftsspieles gegen Österreich von einem „wahren Teppich“ schwärmte.

Es ist diese Hintergrundarbeit, die den SV Seligenporten bis in die Regionalliga gebracht hat. Und auch die Bayernliga ist aller Ehren wert – hier in Kloster bei den Klosterern.

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