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Fussball

Single-Bayern feiern Heynckes

Den Pokalfrust will Uli Hoeneß nicht mit teuren Einkäufen bekämpfen – der neue Trainer kommt als strahlender Triumphator.
Von Christian Kunz, Martin

Abschied mit Meisterschale, aber ohne Pokal: Jupp Heynckes will nun wieder sein „Leben genießen“. Foto: Günter Schiffmann/afp
Abschied mit Meisterschale, aber ohne Pokal: Jupp Heynckes will nun wieder sein „Leben genießen“. Foto: Günter Schiffmann/afp

München.Bei der stimmungsvollen Huldigung von Jupp Heynckes vor einem rot-weißen Fahnenmeer schalteten die Meister-Bayern schon wieder in den Angriffsmodus. Berlin-Triumphator Niko Kovac soll als neuer Trainer die jüngste Münchner Singlezeit beenden, eine kostspielige Shoppingtour plant der Rekordchampion aber nicht. „Wir werden nix mehr investieren, sondern werden unsere Spieler dazu bringen, besser zu spielen“, sagte ein entschlossener Präsident Uli Hoeneß – und nahm damit seine Stars gleich mal in die Pflicht. „Wir brauchen den einen oder anderen Spieler, der in wichtigen Spielen Höchstleistung bringt und nicht, wenn man gegen die schwachen Gegner spielt. Und daran müssen wir arbeiten“, sagte Hoeneß.

„Es hat ein bisschen was gefehlt im Endspiel.“

Karl-Heinz Rummenigge, Bayern-Vorstandschef

Einen Megatransfer mit einem Preisschild von 80 oder 90 Millionen schloss Karl-Heinz Rummenigge für die neue Kovac-Truppe anders als Hoeneß nicht aus. „Wir haben kein Limit“, sagte der Vorstandschef. „Wir haben da noch keine finale Entscheidung gefällt.“ Zum dritten Mal in den vergangenen vier Spielzeiten gehen die Münchner mit nur einer der drei großen Trophäen aus der Saison. Der sechste Meistertitel am Stück dokumentiert die Ausnahmestellung. Aber der stolze FC Bayern will auch in Europa bleibende Siege feiern. Wie in den Vorjahren fehlten in den K.o.-Spielen gegen Real Madrid Nuancen. Nach diesem unglücklichen Aus in der Champions League war der Stecker in der Bayern-Saison gezogen; zum Saisonende gab es noch das 1:3 im Pokalfinale gegen Frankfurt.

„Es hat ein bisschen was gefehlt im Endspiel“, räumte Rummenigge ein. Der Vorstandsboss erinnerte die 15 000 Fans auf dem Marienplatz an die schmerzhafteste Heynckes-Saison. „Wir haben das letzte Finale vor sechs Jahren verloren. Damals haben wir sogar zwei verloren. Es ist wichtig, dass man aus Niederlagen die richtigen Lehren zieht.“ Im Mai 2012 gab es ein 2:5 im Pokalendspiel gegen Dortmund, eine Woche später Tränen beim „Finale dahoam“ gegen den FC Chelsea.

Lust auf mehr Trophäen

Rummenigge verzichtete bei seiner Ansprache auf den Hinweis auf das zwölf Monate später folgende Triple unter Heynckes. Die Lust auf mehr Trophäen ist beim Ensemble um Rückkehrer Manuel Neuer auch ohne Chef-Ansage riesengroß. „Nächstes Jahr greifen wir wieder an und dann stehen wir hier mit mehr als einem Titel“, rief Wembley-Held Arjen Robben der jubelnden Anhängerschar zu. Heynckes dankte Mannschaft und Fans. „Ich möchte ab nächster Woche wieder mein Leben genießen“, sagte der 73-Jährige. Er wolle „auf Normaltemperatur kommen“ und wieder im „eigenen Bett“ schlafen. Wie gerne die in Tracht gekleideten Stars ihren „Jupp“ mit dem Pott in den Ruhestand verabschiedet hätten, war an den Frust-Mienen abzulesen. „Wir sollten uns nicht reinreden lassen, dass das eine schlechte Saison war“, sagte Hoeneß. Man habe die Meisterschaft gewonnen, eine „sehr gute“ Champions-League-Saison gespielt und sei auch im DFB-Pokal bis zum Abschluss „überragend“ aufgetreten. Doch am Ende zählen Trophäen. Hoeneß hatte vor einem Jahr betont, dass ein Titel auf Dauer zu wenig ist. „Auf jeden Fall, vor allem mit den Möglichkeiten, die wir hatten“, stimmte Weltmeister Mats Hummels zu. Joshua Kimmich sprach gar von einer „brutal enttäuschenden Saison“. „Wir werden Stand heute keine Spieler mehr verpflichten, aber sicher den einen oder anderen Spieler abgeben“, sagte Hoeneß. Ein kostspieliger Zugang würde „nur in Frage kommen, wenn der eine oder andere uns verlassen würde und wir das notwendige Geld einnehmen würden. Das sieht im Moment nicht so aus.“

Tränen der Erleichterung

Sichtlich bewegt verabschiedete sich Niko Kovac mit der Pokal-Trophäe im Arm auf dem Balkon des Römer in Frankfurt. Der Trainer genoss beim tosenden Jubel-Empfang erstmals die Gänsehaut-Atmosphäre, die er in München künftig regelmäßig erleben will. Mit dem Pokal-Coup gegen die Bayern gelang dem 46 Jahre alten Fußball-Lehrer ein Meisterstück, das ihm in Frankfurt doch noch die erhoffte Anerkennung einbrachte und in München den Einstieg beim Starensemble von der Isar erheblich erleichtert. „Natürlich wird ihn der Sieg hier ein Stück weit stärken“, sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Eine hohe Niederlage im Pokal-Endspiel hätte Kovac schon vor seinem ersten Arbeitstag beim Branchenprimus unter Druck gesetzt. Nun kommt er als strahlender Triumphator. „Ich habe keine Sorge, dass er hier keinen Erfolg haben wird. Ganz im Gegenteil, er wird großen Erfolg haben“, betonte Rummenigge. In Frankfurt, wo Kovac nach seiner Wechselverkündung Mitte April in Ungnade gefallen war, verschaffte sich der Kroate einen würdigen Abgang. Schon im Olympiastadion wurde der frühere Bundesligaprofi direkt nach dem Abpfiff von den Eintracht-Fans gefeiert, was ihm Tränen der Rührung in die Augen trieb. „Ich bin ein emotionaler Mensch, der seine Gefühle zeigt und zu ihnen steht“, sagte Kovac. „Es waren Tränen der Erleichterung, dass wir unseren Weg erfolgreich zu Ende geführt haben.“

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