mz_logo

Sport
Samstag, 21. Juli 2018 28° 8

Analyse

So könnte die DFB-Elf Südkorea knacken

Die Lage ist ernst, aber aussichtsreich. Der MZ-Vorschlag: Bitte mit Goretzka und Brandt spielen. Müller schleicht dann dazu.

Die DFB-Elf will, ja muss auch gegen Südkorea wieder jubeln. Die MZ präsentiert mit Fachwissen, Ernst, aber auch ein bisschen Augenaufschlag ein Team, mit dem das wieder gelingen soll. Foto: Ye Pingfan/dpa
Die DFB-Elf will, ja muss auch gegen Südkorea wieder jubeln. Die MZ präsentiert mit Fachwissen, Ernst, aber auch ein bisschen Augenaufschlag ein Team, mit dem das wieder gelingen soll. Foto: Ye Pingfan/dpa

Manuel Neuer: Zur Not stürmt halt auch der Keeper noch mit

Wirft, schieß, hält präzise: Es ist so, als sei manuel Neuer nie weg gewesen. Foto: Adrian Dennis/afp
Wirft, schieß, hält präzise: Es ist so, als sei manuel Neuer nie weg gewesen. Foto: Adrian Dennis/afp

Dieser Mann verwundert: Spielt ewige Zeiten nicht, kommt – und lässt sich die fehlende Spielpraxis nullkommanull anmerken. Und wenn der Bayer im Mannschaftsquartier sich auch nur halb so aktiv einbringt, wie er gegen Schweden Bälle holte, abfing und von hinten verteilte, dann ist Leben in der Bude. Neuer vermittelt den Eindruck, dass er zur Not einfach mitstürmen könnte. Seine Passquote jedenfalls stimmt. Und bestimmt könnte er sogar Freistöße so zwirbeln wie einst Kolumbiens Higuita – oder Herr Kroos.

Joshua Kimmich: Ein bisschen Geduld für die Jugend muss sein

Joshua Kimmich muss sich diesmal auf die Verteidigung beschränken. Foto: Adrian Dennis/afp
Joshua Kimmich muss sich diesmal auf die Verteidigung beschränken. Foto: Adrian Dennis/afp

Das Wichtigste vorneweg: Wir stellen in der Abwehr um auf Dreierkette. Ein gutes Team kann so etwas und kann sich umstellen. Weil wir doch Offensivpower brauchen. Und weil die Südkoreaner – ohne ihnen zu nahe treten zu wollen – nicht so gefährlich sind wie die Mexikaner. Dennoch: Der gute Kimmich wird sich bremsen müssen und soll einfach nur rechts verteidigen. VERTEIDIGEN! Sich gedulden ist eine gute Schule für einen jungen Mann wie ihn. Er darf nur mit nach vorne, wenn ihn jemand absichert. Und die Betonung liegt auf „Wenn“.

Mats Hummels: Einer allein muss für die Kopfbälle reichen

Der gutgelaunte Kopfball-Abräumer: Mats Hummels Foto: Ina Fassbender/dpa
Der gutgelaunte Kopfball-Abräumer: Mats Hummels Foto: Ina Fassbender/dpa

Mats ist zurück. Er darf nicht groß zurückschauen (alleine schon, um sich nicht wieder den Halswirbel zu verrenken) und sollte als Prackl von einem Mannsbild, wie man in Bayern sagt, ausreichend sein, dass die meist kleinen Südkoreaner nicht an einen einzigen Kopfball kommen. Innenverteidiger-Kollege Jerome Boateng hat sich also genau das richtige Spiel ausgesucht, um zu pausieren. Wenn’s in den K.o.-Modus geht, werden wir das Duo Hummels/Boateng ganz sicher in ganz anderer Form brauchen.

Jonas Hector: Ein Mister Unauffällig ist immer wichtig

Nein, ins Tor geht Jonas Hector nicht: Das deutsche Team braucht ihn hinten links. Foto: Odd Andersen/afp
Nein, ins Tor geht Jonas Hector nicht: Das deutsche Team braucht ihn hinten links. Foto: Odd Andersen/afp

Unser Mister Unauffällig. Einer, der einfach nur seinen Job macht. Einer, der Mumm und Ehre hat, weil er mit dem 1. FC Köln als Nationalspieler sogar in die zweite Liga geht und gegen Regensburg spielt. Einer, dessen Wert besser messbar war, als er gegen Mexiko fehlte. Einer, der klaglos tut, was nötig ist. Einer, den man immer braucht – gerade in Situationen wie jetzt.

Toni Kroos: Wenn er noch die richtigen Fehlpässe spielt

Toni Kroos muss nur noch seine Fehlpässe besser steuern. Foto: Petter Arvidson/dpa
Toni Kroos muss nur noch seine Fehlpässe besser steuern. Foto: Petter Arvidson/dpa

Auf dem Weg zum Fußballer des Jahres, der er schon 2017 hätte werden können, wenn damals nicht Philipp Lahm aufgehört und ihm gebührend gehuldigt hätte werden müssen. Eines der Tore des Jahres hat „Uns Toni“ mit dem Schweden-Freistoß schon auf dem Konto. Jetzt muss er nur noch die richtigen Fehlpässe spielen – die, die nicht zu Gegentoren führen. Weil die Mannschaft nach 2014 ein paar Chefs verlor, ist er derjenige, der die Lücke füllen muss – und langsam füllt.

Leon Goretzka: Eine Chance für einen Confed-Cup-Helden

Eine Chance für Confed-Cup-Helden: Leon Goretzka Foto: Ina Fassbender/dpa
Eine Chance für Confed-Cup-Helden: Leon Goretzka Foto: Ina Fassbender/dpa

Es mag überraschen, dass der Noch-Schalker und Bald-Bayer als Kroos-Nebenmann im Team ist. Aber die Nase von Sebastian Rudy ist kaputt, Sami Khedira reloaded gefühlsmäßig nicht der Weisheit letzter Schluss und Ilkay Gündogan kickte gegen Schweden dermaßen uninspiriert und sicherheitsbetont (als hätte Erdogan bei Fehlpass mit Gefängnis gedroht), dass jetzt eben unweigerlich die Zeit für einen Confed-Cup-Helden wie Leon Goretzka gekommen ist. Schwung und Frische braucht das Team. Wir hoffen, dass Goretzkas Form passt.

Marco Reus: Unser Mann im WM-Nachholmodus

Marco Reus hat Power: Die Rakete muss drei Turniere in einem spielen. Foto: Nelson Almeida/afp
Marco Reus hat Power: Die Rakete muss drei Turniere in einem spielen. Foto: Nelson Almeida/afp

Über diesen Mann muss keiner diskutieren: Jogi Löw hat lang genuggebraucht, bis er verstanden hat, warum Marco Reus in die Startelf gehört. Er ist nicht nur eine Rakete, nein, er muss ja nach seinem Verletzungspech von 2014 und 2016 jetzt quasi drei Turniere in einem spielen. Ein Mann mit 29 hat sooooo viel Zeit auch nicht mehr für große Taten. Das 1:1 gegen Schweden wird nicht die letzte gewesen sein.

Thomas Müller: Vielleicht schleicht es sich zentral besser

Irgendwann muss Thomas Müller doch mal wieder ins Netz treffen. Foto: Christian Charisius/dpa
Irgendwann muss Thomas Müller doch mal wieder ins Netz treffen. Foto: Christian Charisius/dpa

Ganz ehrlich, rein leistungsmäßig hätte der 38 Länderspieltoren beste Torschütze im WM-Aufgebot auf die Bank gemusst. Aber irgendwie würde ohne einen Müller etwas fehlen. Und in der Mitte, hinter den Spitzen, ist doch sowieso eine Lücke. Eine Özil-Rückkehr in die Mannschaft will eh niemand. Ein Draxler könnte, tat aber nicht. Also: Warum soll der sympathische Bayer nicht dort die Räume wieder besser deuten können. Müller-Tore sind nicht immer die schönsten, öfter unkonventionell. Wenn er da aufläuft, wo die Musik spielt, dann kann er sich zur Not auch gerne anschießen lassen. Hat doch bei ganz anderen auch wunderbar geklappt. Beim Spanier Diego Costa zum Beispiel.

Julian Brandt: Die einfache Rechnung, warum er trifft

Das einzige Argument gegen Julian Brandt: wenn er von Anfang an spielt, wen soll Jogi Löw dann als Joker bringen? Foto: Jonathan Nackstrand
Das einzige Argument gegen Julian Brandt: wenn er von Anfang an spielt, wen soll Jogi Löw dann als Joker bringen? Foto: Jonathan Nackstrand

Warum soll nicht noch ein anderer Youngster über links stürmen? Das Argument pro Brandt ist auch nur logisch: Wer in zweimal fünf Minuten Einsatzzeit zweimal den Pfosten trifft, der wird es in Herrgottsnamen doch schaffen, in 90 Minuten einmal ins Tor zu treffen. Das einzige Argument gegen ihn: Hiermit berauben wir das deutsche Team eines perfekten Jokers.

Mario Gomez: Eine neue Verknüpfung muss her

Immer fleißig, immer gefährlich: Mario Gomez Foto: Nelson Almeida/afp
Immer fleißig, immer gefährlich: Mario Gomez Foto: Nelson Almeida/afp

Klar: In mancher Augen bleibt der Stuttgarter auf ewig der Chancentod. Ist er aber nicht. Mit Gomez wäre immer ein gefährlicher Mann in der Mitte. Einer, der unbedingt mit wollte, und jede Minute, die er spielt, genießt, weil er doch so unbedingt mitwollte. Einer, der Teamgeist leben kann (und weniger Rabatz macht als ein Sandro Wagner). Wie wär’s also mit zwei Gomez-Toren? Dann würde vielleicht, vielleicht eine neue Verknüpfung mit seinem Namen entstehen.

Timo Werner: Wir wollen den Jubel-Turbo sehen

Wenn er loszieht, schwer zu stoppen: Timo Werner Foto: Patrik Stollarz/afp
Wenn er loszieht, schwer zu stoppen: Timo Werner Foto: Patrik Stollarz/afp

Timo Werner und Mario Gomez gemeinsam? Doch, das geht und passt zusammen – wenigstens gegen Südkorea jetzt mal. Wenn der Leipziger den Turbo einschaltet, dann ist er nicht zu stoppen – und wird ganz bestimmt bei seinem ersten WM-Tor noch einen Jubelturbo extra zünden. Womit wir im 3-5-2-System jede Menge Torschützenkandidaten hätten: Reus, Brandt, Gomez, Werner – das reicht locker. Und wenn es dann auch wieder müllert...

Der Autor Claus Wotruba: Endlich geschafft! Der Mann mit der B-Lizenz darf nach über 20 Jahren, in denen er Jugendmannschaften mehr oder weniger erfolgreich auf- und zusammenstellte, mal ganz offiziell Bundestrainer spielen – selbstverständlich auch mit der nötigen Portion Lockerheit, weil Fußball – der Sport der Nation – manchmal vielleicht auch zu ernst genommen wird. Aber Vorsicht: In Tipprunden ist der Mann nur schwer zu gebrauchen, weil er viel zu viel nach Sympathie geht. Mal sehen, wie es mit Aufstellungsprognosen aussieht.

Alles rund um die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht