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Fussball

SSV Jahn: Zweimal im zweiten Zupacken

Die Regensburger bezwingen Sandhausen mit 2:1. Die 40-Punkte-Marke ist zum Greifen nahe. Mees avanciert zum Matchwinner.
Von Heinz Gläser

Torjubel vor den treuen Fans auf der Hans-Jakob-Tribüne: Joshua Mees (r.) und Jahn-Kapitän Marco Grüttner feiern den Treffer zum 1:0. Fotos: Andreas Nickl
Torjubel vor den treuen Fans auf der Hans-Jakob-Tribüne: Joshua Mees (r.) und Jahn-Kapitän Marco Grüttner feiern den Treffer zum 1:0. Fotos: Andreas Nickl

Regensburg.Wer sich einer unangenehmen Aufgabe erfolgreich entledigt hat, der atmet gleich doppelt befreit auf. Er sei „total happy“, sagte Achim Beierlorzer nach dem Spiel, und das treffe nicht nur auf ihn zu, sondern auf die gesamte Mannschaft. Ihm sei „völlig klar“ gewesen, dass gegen den SV Sandhausen kein Schönheitspreis vergeben werde, betonte der 50-Jährige. Im Gegenteil: „Ich habe gesagt, wir brauchen eine hohe Frustrationstoleranz.“ Diese Einstellung brachte der SSV Jahn mit und belohnte sich an einem „schönen Nachmittag“ (Beierlorzer) mit einem 2:1 (1:0)-Erfolg, der den Stempel „Arbeitssieg“ trägt.

Vom vor der Saison ausgerufenen Traumziel 40 Punkte trennt den Regensburger Fußball-Zweitligisten nunmehr lediglich ein Zähler. 39 stehen nach dem 26. Spieltag auf dem Konto, und der Jahn grüßt als Tabellenvierter aus einer Region, die eigentlich dem Kampf um den Aufstieg vorbehalten ist. Zwei Punkte liegen die Regensburger hinter Holstein Kiel und dem Relegationsplatz, der Vorsprung auf den Tabellen-16. Aue beträgt derweil relativ beruhigende neun Zähler.

„Hundertprozentig überzeugt“

„Ich bin hundertprozentig überzeugt, dass wir unser historisches Ziel erreichen“, sagte der Jahn-Trainer. Doch Vorsicht sei angebracht, da die Teams aus dem unteren Tabellenbereich derzeit fleißig punkten. Und überhaupt: „Wir geben keine neuen Ziele aus!“, unterstrich Beierlorzer. Das werde sich auch nicht ändern, wenn die 40-Punkte-Marke endgültig geknackt sei. „Danach könnten wir dann jedes Spiel genießen“, fügte Beierlorzer hinzu.

In der 61. Spielminute gelang Sahin Aygünes (rechts) für Sandhausen der Anschlusstreffer. Foto: Armin Weigel/dpa
In der 61. Spielminute gelang Sahin Aygünes (rechts) für Sandhausen der Anschlusstreffer. Foto: Armin Weigel/dpa

Der Genussfaktor für Freunde sehenswerten Fußballs war am Sonntag relativ gering ausgeprägt, was aber primär am Gegner Sandhausen lag, der zuvor lediglich 22 Gegentore zugelassen hatte. Die Baden-Württemberger wurden ihrem Ruf gerecht, kompakt in der Abwehr zu stehen und dem Gegner wenig Raum zur Entfaltung zu lassen. „Wir wollten den Stärken des Jahn aus dem Weg gehen“, beschrieb SV-Trainer Kenan Kocak die Marschroute.

Ungewöhnlich generös

Das gelang über weite Strecken, doch präsentierte sich Sandhausen vor 11 885 Zuschauern in der Regensburger Continental-Arena ungewöhnlich generös. „Wir waren heute da, um dem Jahn Geschenke zu überbringen“, ärgerte sich Kocak. Joshua Mees war mit seinen Toren in der 28. und 52. Minute gleich zweimal der glückliche Adressat und avancierte zum Matchwinner für den SSV Jahn. Der kurz zuvor eingewechselte Sahin Aygünes (60.) konnte für die Gäste nach einer Konzentrationsschwäche der Jahn-Abwehr verkürzen. Das Anrennen Sandhausens in der Schlussphase produzierte kaum eine nennenswerte Chance.

Die Hoffenheim-Leihgabe Mees traf zweimal im zweiten Zupacken. Beim ersten Streich des 21-Jährigen manövrierte Marc Lais mit einem Lupfer die gesamte Sandhäuser Defensive aus. Mees blieb zunächst allein vor Marcel Schuhen am Gästekeeper hängen, verwertete aber gedankenschnell den Nachschuss, als der Ball in Richtung Torlinie trudelte. Fast schon kurios war dann das Zustandekommen des 2:0. Nach einem langen Ball von Benedikt Saller in die Spitze schien die Situation bereits bereinigt, doch Schuhen versprang nach einem Rückpass das Leder. Mees war ähnlich gedankenschnell wie bei seinem ersten Treffer zur Stelle, fuhr dem Keeper in die Parade, luchste ihm den Ball ab und schob ein. Schuhen war nach seinem Fauxpas derart bedient, dass er den Ball wutentbrannt in Richtung Anstoßpunkt pfefferte.

Eine Einzelkritik des Jahn-Teams lesen Sie hier:

Einzelkritik: Jahn gegen Sandhausen

„Das war instinktiv. Ich habe versucht, den Torwart unter Druck zu setzen“, skizzierte Mees die fragliche Szene und fügte schmunzelnd hinzu: „Hat ganz gut geklappt.“

Der Doppeltorschütze hielt sich ansonsten brav an die Jahn-Linie, trotz der glänzenden Ausgangsposition keine großen Töne zu spucken: „Wir versuchen die 40 Punkte zu holen, dann sehen wir von Spiel zu Spiel weiter“, sagte Mees, gab aber zu: „Der vierte Platz liest sich schon gut.“ Mees’ Zukunft ist derweil noch offen. Am Saisonende endet seine Ausleihe nach Regensburg, anschließend hat er noch einen Vertrag über eine Saison in Hoffenheim. Wie es mit ihm weitergeht? „Ich weiß es nicht“, so Mees achselzuckend.

Beim SSV Jahn stand Jung-Papa Philipp Pentke nach seiner Babypause bei der Partie in Braunschweig wieder im Tor. Jann George und Mees zählten diesmal zu Beierlorzers Auserwählten für die Startformation. Das Fehlen des offensiven Duos in den vergangenen beiden Partien hatte durchaus für Spekulationen gesorgt, wahlweise war von schöpferischen Pausen oder leichten grippalen Infekten die Rede. „Ich war zwei Wochen krank“, teilte Mees auf die Frage nach den Gründen für seine Abwesenheit lapidar mit.

Fast überschwänglich

Die Hausherren taten sich zu Beginn schwer, ihr Spiel zu strukturieren. Aus der Abwehr schlug vornehmlich Marvin Knoll einige weite Bälle in die Spitze, die jedoch keine Abnehmer fanden. Sandhausen stand erwartet kompakt und entwickelte selbst nur wenig Initiative, so dass bis zum ersten Torschuss des Spiels 13 Minuten verstrichen. Marc Lais gab ihn ab, aber er stellte Schuhen vor keinerlei Probleme.

Die ersten 20 Minuten waren ein Paradebeispiel dafür, wie sich zwei Teams neutralisieren. Beierlorzer hatte nichts anderes erwartet, weshalb sein Lob für die folgende Darbietung seiner Mannschaft fast überschwänglich ausfiel: „Wir haben das Spiel angenommen, wir haben gefightet und gekämpft.“ Das Team habe „Einsatz, Moral und Geduld“ gezeigt.

Für Fragen nach den eventuell glänzenden Aussichten der Regensburger im Saisonendspurt hat sich Beierlorzer unterdessen eine passende mimische Reaktion zurechtgelegt. Er schmunzelt und verknappt seine Aussagen auf das Wesentliche. Sein Kommentar zu den zum Greifen nahen 40 Punkten lautete: „Schön!“

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