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Eishockey

Star ohne Silber: Auf Draisaitl ruhen die WM-Hoffnungen

Leon Draisaitl kann, soll und will den Unterschied ausmachen. Bei der Olympia-Sensation konnte der NHL-Jungstar nur zuschauen. Nun soll der Weltklasse-Stürmer das Eishockey-Nationalteam ins WM-Viertelfinale führen. Einer der Jüngsten ist der wichtigste Spieler im Team.
Von Kristina Puck, dpa

Leon Draisaitl soll das DEB-Team bei der WM in Dänemark ins Viertelfinale führen. Foto: Arne Immanuel Bänsch

Herning.Diesmal ist alles leichter für Leon Draisaitl. Schon seit gut zwei Wochen bereitet sich der 22 Jahre alte NHL-Star in Europa auf die Weltmeisterschaft in Dänemark vor, bei der er am Freitag (20.15 Uhr) gegen den WM-Gastgeber erstmals im Blickpunkt steht.

Genügend Zeit, seinen Jetlag zu überwinden. Beste Voraussetzung, um in Topform anzutreten. Bundestrainer Marco Sturm benötigt in Herning einen Draisaitl in bestmöglicher Verfassung, damit die Eishockey-Euphorie gut zwei Monate nach der Olympia-Sensation von Pyeongchang bestätigt werden kann. Der Angreifer der Edmonton Oilers ist momentan klar bester deutscher Eishockey-Spieler. Auf ihm ruhen die Hoffnungen für die nächsten positiven Schlagzeilen. „Er ist unser absoluter Führungsspieler. Er hebt die Qualität ungemein und zieht die Mitspieler noch einmal gewaltig mit“, sagt Sturm.

Vor einem Jahr bei der WM in seiner Heimatstadt Köln hatte Draisaitl dennoch Probleme. Nach dem Playoff-Aus in der NHL mit Edmonton hatte er sich in den Flieger gesetzt und stieß mitten in der WM dazu, als Deutschland um das Viertelfinale kämpfte. Nach 103 Spielen war er erschöpft. „Es ist schon etwas einfacher als beim letzten Mal“, sagt Draisaitl nun.

Nationalverteidiger Moritz Müller lacht, als er nach den Vorteilen der frühen Anwesenheit seines berühmten Mitspielers gefragt wird. Das sei gut für Draisaitl, so habe er Zeit, sich an „das Niveau, an das Tempo der anderen Jungs“ zu gewöhnen, sagt Müller. Er meint: das niedrigere Niveau, das langsamere Tempo. Denn Draisaitl ist eigentlich zu gut für das Team des Deutschen Eishockey-Bundes.

Selbst Sturm gibt öffentlich zu, dass nicht jeder im Team mit ihm mithalten kann. So wird sich der 39-Jährige gerade in seiner neu zusammengestellten und unerfahrenen WM-Mannschaft gut überlegen müssen, mit wem er seinen Top-Star zusammenspielen lässt.

In den drei Vorbereitungspartien, die er absolvierte, ragte Draisaitl heraus. Gekonnt setzte er seine Mitspieler in Szene, traf zweimal selbst und bereitete vier weitere Treffer vor. Sturm nennt ihn einen „Chef auf dem Eis“ und erklärt: „Das ist sein Spiel. Er will alles auf sich ziehen. Das macht er mit seiner Klasse sehr, sehr gut.“ Es sei unglaublich, wie weit sich Draisaitl in seinem jungen Alter spielerisch entwickelt habe.

In Edmonton spielt Draisaitl an der Seite des kanadischen WM-Kapitäns Connor McDavid. Beide Stars laufen von Beginn an in Dänemark auf, weil die Saison mit den Oilers enttäuschend verlief. Als Anwärter auf den Stanley Cup waren sie gehandelt worden, am Ende verpassten sie die Playoffs. Auch in der schwierigen Spielzeit gehörte Draisaitl mit 70 Punkten aus 78 Spielen wieder zu den Top-Spielern.

„Auch wenn die Oilers nicht die Top-Saison hatten, aber McDavid und Draisaitl haben es wieder geschafft, letztendlich genau das abzurufen, was man von ihnen erwartet“, sagt Sturm. Die herausragenden Auftritte des Deutschen in der NHL machten sich im vergangenen Sommer auch finanziell bezahlt. Draisaitl unterschrieb einen Achtjahresvertrag und verdient nun bis 2025 rund 7,3 Millionen Euro pro Saison. Der deutsche Verband musste deswegen für seine WM-Teilnahme eine hohe Versicherungssumme aufbringen.

Der Jungstar ist das Geld wert. Gerade nach den Rücktritten von Christian Ehrhoff und Marcel Goc ist Draisaitl wichtiger denn je, ebenso wie die beiden anderen NHL-Spieler im aktuellen Kader, Dennis Seidenberg und Korbinian Holzer. Bei Olympia fehlte er wie alle NHL-Profis, weil die stärkste Liga der Welt keine Spielpause einlegte. Diesmal soll und will der enorm ehrgeizige Draisaitl selbst für Furore sorgen und das Nationalteam ins WM-Viertelfinale führen, auch wenn er selbst warnt: „Generell sollten wir sehr, sehr vorsichtig sein. Das wissen wir als Mannschaft genau.“

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