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2. Bundesliga

Tennis-Tradition trifft Tennis-Dorfklub

Schanzl versus Hainsacker: Die 2. Liga startet am Sonntag in Amberg mit einem Oberpfalz-Duell zweier ungleicher Vereine.
Von Claus-Dieter Wotruba

Schanzl-Spieler Peter Heller hat bei Profiturnieren in den vergangenen Wochen gute Ergebnisse erzielt. Auch gegen Hainsacker? Foto: Brückmann
Schanzl-Spieler Peter Heller hat bei Profiturnieren in den vergangenen Wochen gute Ergebnisse erzielt. Auch gegen Hainsacker? Foto: Brückmann

Amberg.Wer in die Siegerliste der Tennis-Bundesliga schaut, wird ehrfürchtig. Fünfmal hintereinander ist da von 1978 bis 1982 Amberg eingetragen – und noch ein letztes Mal 1998. Mit Blau-Weiß Neuss gibt es nur einen einzigen Verein in Deutschland, der mehr deutsche Mannschaftsmeistertitel gewonnen hat, nämlich deren zehn. Auch wenn das alles lange, lange her ist: Der TC Amberg am Schanzl ist und bleibt der Inbegriff für Tennis in der Oberpfalz.

Szenenwechsel ein Stückchen weiter südlich in die Oberpfalz vor die Tore Regensburgs: Dort spielt die SpVgg Hainsacker in einem Waldstadion Fußball. Nebendran gibt es ein paar Tennisplätze, die nicht besonders scheinen, aber sind. Denn in den vergangenen Jahren vertrat exakt hier ein unscheinbarer Dorfklub als höchstklassige Mannschaft die Oberpfalz. Die SpVgg Hainsacker geht in ihre dritte Saison in der zweiten Herren-Liga.

„Unerwarteter“ Aufstieg

Am Sonntag treffen sich die beiden von der Historie höchst ungleichen Vereine zum Auftakt der neuen Saison, in der die acht Spiele in der Liga mit neun Mannschaften kurz und knackig wie im Tennis üblich an fünf Wochenenden in Folge durchgezogen werden. Amberg ist der Neuling, der sich mit 14:0 Punkten 2017 wieder eins höher spielte. „Unerwartet“ nennt Teammanager Sebastian Wagner den Aufstieg. Hainsacker ist dagegen der jetzt Etablierte. „Wir sind ein Bestandteil der Liga geworden“, sagt Wagners Pendant in Hainsacker, Hans Geldhäuser. Seine Konsequenz: „Diesmal bin ich nimmer so nervös.“

Die Gegensätze könnten auch auf der Position des Teamkümmerers nicht größer sein. Hier Sebastian Wagner, Jahrgang 1992, der es einst selbst vier Jahre lang als Tennis-Profi versuchte (Beste Weltranglistenplatzierung im Einzel 907, Doppel 685), noch heute von diesen Kontakten zehrt, aber nach zwei Operationen am Handgelenk nicht mehr spielen kann – auch wenn er auf der Kaderliste steht: „Manchmal würde ich gerne wenigstens noch im Doppel spielen“, sagt Wagner, der inzwischen als Geschäftsführer im Lebensmittelhandel sein Geld verdient.

Blick zurück: Früher sammelte Sebastian Wagner selbst Pokale, nun baut er das Schanzl- Team. Foto: MZ-Archiv
Blick zurück: Früher sammelte Sebastian Wagner selbst Pokale, nun baut er das Schanzl- Team. Foto: MZ-Archiv

Dort ist Hans Geldhäuser, Jahrgang 1955, der in Hainsacker auch den Schläger schwingt, aber jenseits professioneller Ambitionen: Über Tochter und Frau legte er den üblichen Vereinseinstieg hin, war Jugendwart, Sportwart und irgendwann eben Mannschaftsführer der ersten Mannschaft. Geldhäuser kennt man in Regensburg als Urgestein der Kinoszene und Mitbetreiber des Ostentor-Kinos, wo er an der Kasse Tickets verkauft.

Ein Porträt von Hainsackers Teammanager Hans Geldhäuser lesen Sie hier.

Und: Geldhäuser hat ein Händchen, gräbt immer wieder junge Tennis-Spieler aus, wie jetzt einen Ungarn namens Zsombor Piros. Das gefällt ihm. „Da gibt es noch keine Berater und nicht die große Verdorbenheit“, sagt Geldhäuser. Der 18-Jährige gewann 2017 bei das Grand-Slam-Turnier der Junioren in Australien im Einzel und bei den French Open im Doppel. In der Weltrangliste hat sich der Youngster, der in Amberg wie die anderen drei Ungarn noch fehlt, weil Ungarns Liga erst am Sonntag endet, binnen eines halben Jahres 2018 auf Platz 408 nach oben gespielt. „Er hat auch schon Leute aus den Top 150 geschlagen“ – und seinen ersten Daviscup-Einsatz hinter sich.

Die Nummer zwei der SpVgg Hainsacker ist der Bulgare Alexander Lazov. Foto: Brüssel
Die Nummer zwei der SpVgg Hainsacker ist der Bulgare Alexander Lazov. Foto: Brüssel

An Nummer eins bei der Spielvereinigung spielt heuer Gianluca Mager, ein Italiener. Der 23-Jährige wurde mit Reutlingen mit starker Bilanz Zweitliga-Meister. „Warum er zu uns wollte, muss ich selbst erst noch genau erkunden“, sagt Geldhäuser immer noch ein wenig ungläubig. Auch das trägt zum guten Gefühl bei: „Durch die beiden habe ich das Gefühl, dass wir 50 Prozent besser geworden sind.“

Unterkunft bei Bekannten

Hainsackers Plus könnte am Atmosphärischen liegen: Geldhäuser kocht selbst für die Spieler, organisiert Training und Ausflüge und sorgt für Unterkünfte bei der Bekanntschaft. Längst besucht man sich gegenseitig auch jenseits der Saison: Hans Geldhäuser war zuletzt in Italien und Ungarn, „und wenn ich mal in Rente gehe, dann kommen die Südamerikaner dran“, witzelt er. Mit Ivan Endara ist zum Beispiel ein Mann aus Ecuador im Team.

Auch Amberg hat interessante Spieler zu bieten. Den Chamer Peter Heller zum Beispiel, der sich als Profi ebenfalls nach einer Handgelenksverletzung in der Weltrangliste mit guten Turnieren in Tschechien, der Türkei und Italien auf Platz 468 wieder nah an seinen Topwert 415 gekämpft hat. Oder der Wiener Nicolas Reissig: „Er hat in den zwei Jahren, die er bei uns spielt, noch nicht ein Match verloren“, sagt Sebastian Wagner.

Die Aufgebote von Amberg und Hainsacker

  • TC Amberg am Schanzl:

    1 Benjamin Lock (Irland), 2 Pascal Brunner (Österreich), 3 Marco Bartolotti (Italien), 4 Roman Vögeli (Tschechien), 5 Peter Heller (Deutschland), 6 Gabriel Schmidt (Österreich), 7 Andrew Carter (USA), 8 Nicolas Reissig (Österreich), 9 Albert Wagner, 10 Leopold Gomez islinger, 11 Christopher Patzanovsky (alle Deutschland), 12 Maxi Pongratz (Österreich), 13 Alexander Mozgovoy (Russland), 14 Sebastian Wagner (Deutschland), 15 Jan Hajek (Tschechien)

  • SpVgg Hainsacker:

    1 Gianluca (Mager (Italien), 2 Alexander Lazov (Bulgarien), 3 Zsombor Piros (Ungarn), 4 Ivan Endara (Ecuador), 5 Jose Samuel Arauzo Martinez (Spanien), 6 Garbor Borsos (Ungarn), 7 Filip Duda (Tschechien), 8 Alexis Klegou (Frankreich), 9 Giogio Ricca (Italien), 10 Valentin Florez (Spanien), 11 Lion Knott (Deutschland), 12 Gyorgy Balazs (Ungarn), 13 Claudio Grassi (Italien), 14 Adam Kellner (Ungarn), 15 Maxim Muraschko, 16 Dominik Spieß (beide Deutschland)

Auch er schwärmt von der Chemie, die im aktuellen Team herrscht, das Richard Vogel und der ehemalige tschechische Daviscup-Spieler Jan Hayek betreuen. „Wir suchen den Erfolg mit jungen regionalen Spielern. Umso mehr hat uns der Aufstieg gefreut“, sagt Wagner, der bis auf Rückkehrer Pascal Brunner mit „identischem Team“ in die zweite Liga geht.

Und Hainsacker? „Ist ein cooles Derby und eine Herausforderung für uns.“

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