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Mauerfall

„Tore wurden auch woanders registriert“

Bernd Hobsch wurde 1968 in Großkugel geboren. Als talentierter Fußballer hat er die Abläufe im System der DDR hautnah miterlebt.

Bernd Hobsch sagt: „Toll war, dass ich einen Kurzeinsatz in der gesamtdeutschen Nationalmannschaft hatte. Wobei ich mir an diesem Tag keine Gedanken darüber gemacht habe, warum ich früher für die DDR spielte und jetzt für die BRD. “
Bernd Hobsch sagt: „Toll war, dass ich einen Kurzeinsatz in der gesamtdeutschen Nationalmannschaft hatte. Wobei ich mir an diesem Tag keine Gedanken darüber gemacht habe, warum ich früher für die DDR spielte und jetzt für die BRD. “ Foto: Hobsch

Berlin.Als die Mauer fiel, war ich gerade mit der U-21-Nationalmannschaft der DDR im Trainingslager in Österreich. Und ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich mir als junger Fußballer damals wenig Gedanken über die politische Dimension dieses Ereignisses gemacht habe. Es war auch nicht so, dass ich zuvor eine schlechte Zeit in der DDR hatte. Als Fußballer, der auch in Auswahlmannschaften berufen wurde, ging es mir sicher vergleichsweise gut. Ich konnte mich auf den Sport konzentrieren und kam viel herum. Nicht zuletzt, weil ich in einer Großfamilie aufgewachsen bin, hatte ich auch nie mit dem Gedanken gespielt, in den Westen abzuhauen.

Als Fußballer habe ich die Abläufe im System der DDR hautnah miterlebt. Für die BSG Chemie Böhlen schoss ich einige Tore in der 2. Liga der DDR. Das wurde scheinbar auch woanders regis-triert, denn eines Tages teilte mir die Vereinsführung mit, dass ich zu Lokomotive Leipzig delegiert werde. Delegieren – so nannte man das damals bei uns Fußballern. Was passiert wäre, wenn ich Nein gesagt hätte, weiß ich nicht. Vielleicht hätte ich nur noch bei unterklassigen Vereinen gespielt. Die Frage hat sich aber gar nicht gestellt, denn als junger Fußballer wollte ich ja sowieso in die erste Liga. Das ging dann alles rasend schnell. Man hat es mir mitgeteilt und am selben Tag wurde ich noch zum Training von Lok Leipzig gebracht.

Dann fiel die Mauer und alles wurde etwas anders. Wobei man in der DDR natürlich auch gut Fußball spielen konnte. Bei Lok Leipzig etwa waren die Trainingsbedingungen nicht schlecht. Es gab gute Plätze und gute Trainer. Allerdings merkte man schon einen Unterschied, als wir kurz nach der Wende, der Verein war mittlerweile in VfB Leipzig umbenannt, mit Jürgen Sundermann einen Coach aus dem Westen bekamen. Alles wurde etwas professioneller. Da erinnere ich mich an kleine Sachen, wie etwa die Trainingskleidung. Vorher haben wir die nach der Einheit in den Trockenraum gehängt und am nächsten Tag wieder angezogen. Die wurden zwei Wochen nicht gewaschen. Jürgen Sundermann hat solche Dinge geändert. Jetzt hatten wir jeden Tag was Frisches.

Im Gegensatz zu den großen Ost-Stars wie Ulf Kirsten oder Andy Thom standen die Bundesliga-Manager bei mir direkt nach der Wende nicht Schlange. Ich musste mich als Fußballer ohnehin erst noch entwickeln. Das konnte ich in Leipzig. 1993 ging es dann aber zu Werder Bremen und hier hatte ich wunderschöne Jahre. Toll war auch, dass ich einen Kurzeinsatz in der gesamtdeutschen Nationalmannschaft hatte. Wobei ich sagen muss, dass ich mir an diesem Tag keine Gedanken darüber gemacht habe, warum ich früher für die DDR spielte und jetzt für die BRD. Da bist du zu sehr auf den Sport konzentriert lebst quasi in deiner eigenen Welt. Zum Ende meiner Karriere ging ich noch einmal in den Osten zum FC Carl-Zeiss Jena zurück. Der FC tat sich damals sehr schwer und hatte den Anschluss an das Profi-Geschäft des Westens noch nicht geschafft. Da mangelte es im Verein noch an allen Ecken und Enden, wie sich überhaupt einige Ost-Klubs schwer getan haben, den Sprung zu schaffen. Allerdings hätte auch ich 1989 wirklich nicht gedacht, dass 25 Jahre später kein einziger Ost-Klub in der gesamtdeutschen Fußball-Bundesliga vertreten ist. Das ist schon schade. Umso mehr freue ich mich darüber, dass mit RB Leipzig jetzt wieder ein Klub auf dem Weg dorthin ist. Hier wird kritisiert, dass dies nur durch die Millionen des Hauptsponsors möglich ist, ich sehe aber vielmehr die Begeisterung in der Stadt. Es ist Wahnsinn, dass da schon in der 2. Liga 30 000 Zuschauer zu den Heimspielen kommen. Daran sieht man, wie sehr die Menschen auf den Profi-Fußball gewartet haben.

Nach Werder Bremen habe ich unter anderem noch für den 1. FC Nürnberg gespielt. In Franken lebe ich immer noch. Die Fußball-Schule, die ich seit acht Jahren mit zwei Kollegen betreibe, macht mir sehr großen Spaß. In die Oberpfalz hat es mich auch einmal verschlagen. Beim FC Linde Schwandorf und der DJK Ammerthal war ich als Trainer tätig. Damals ging es für mich in erster Linie darum, zu erfahren, ob der Trainerberuf etwas für mich wäre. Es war gut, dass ich das getestet habe, denn jetzt kann ich sagen, dass es nichts für mich ist. Ich habe mich in dieser Rolle einfach nicht so wohl gefühlt, auch wenn ich die Zeit bei beiden Vereinen nicht missen will.

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