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Judo

TSV Abensberg: Vom Gejagten zum Jäger

Der einst übermächtige Rekordmeister aus Abensberg bläst zum Angriff auf den neuen Primus aus Hamburg.
von Felix Kronawitter

Zu Sebastian Seidl (oben) sollen sich künftig noch mehr Abensberger Eigengewächse ins Bundesliga-Team gesellen. Foto: Felix-Hermann Freiherr von Solem
Zu Sebastian Seidl (oben) sollen sich künftig noch mehr Abensberger Eigengewächse ins Bundesliga-Team gesellen. Foto: Felix-Hermann Freiherr von Solem

Abensberg.Wenn der TSV Abensberg am Samstag um 17 Uhr den TSV Großhadern zum Gipfeltreffen empfängt, dann werden Ernst Hueber und seine Kollegen des Judofanclubs Abensberg wieder für mächtig Stimmung sorgen in der Josef-Stanglmeier-Halle. „Ich traue der Mannschaft den Südtitel zu“, ist Hueber guter Dinge, dass die Babonen die erste große Bewährungsprobe meistern und künftig wieder ein dickes Wörtchen mitreden im Kampf um den deutschen Meistertitel.

Auch die Verantwortlichen sind zuversichtlich, dass der Rekordmeister zu alter Stärke zurückfindet und dem neuen Platzhirschen aus Hamburg, der heuer den Titel-Hattrick anpeilt, nicht so einfach das Feld überlässt. Der einst Gejagte ist mittlerweile Jäger.

„Wir wollen deutscher Meister werden.“

Martin Oberndorfer

Vier Tage vor der ersten großen Bewährungsprobe im bayerischen Derby, der Vorentscheidung im Rennen um die Finalrunde, präsentierte die neue Abteilungsführung um Martin Oberndorfer ihre Ziele mit dem Rekordmeister. Beim TSV legt man künftig noch mehr Wert auf die Nachwuchsförderung: „Nur der Nachwuchs macht uns auf lange Sicht stark“, lautet die Devise. Und bezogen auf das Bundesliga-Team, das mit drei Siegen einen Auftakt nach Maß hinlegte, bringt es Oberndorfer auf den Punkt: „Ganz klar: Wir wollen deutscher Meister werden.“

„Man muss nur daran glauben“

Auch Otto Kneitinger traut seinem TSV heuer einiges zu: „Wenn sie das Herz in die Hand nehmen, können sie Meister werden. Man muss nur daran glauben.“ Der Architekt des Abensberger Judo-Wunders hatte sein Werk Ende 2016 übergeben. Die Rückkehr des TSV in die erste Liga war die letzte Mission des Ehrenabteilungsleiters. „Wenn sie mich brauchen, helfe ich aber gerne“, erklärt Kneitinger. „Er unterstützt mich tatkräftig, das freut mich extrem“, sagt sein Nachfolger Oberndorfer und fügt hinzu: „Otto hat einfach ein Wahnsinns-Netzwerk.“

In der Halle fiebert der Hotelier aber nicht mehr mit. Die Ergebnisse schaut er sich im Internet an. Wenn es zeitlich passt, wirft er schon mal einen Blick in den Livestream. „Mein Herz hängt noch immer dran“, verrät Kneitinger.

Den TSV weiß er in besten Händen: „Meine Nachfolger machen eine gute Bundesliga-Arbeit“, lobt Kneitinger. Beim regelmäßigen Stammtisch am Dienstag gibt er Oberndorfer schon mal den einen oder anderen Tipp mit auf den Weg, wie der Jäger in Zukunft wieder zum Gejagten werden kann.

Nachwuchs rückt noch weiter in den Fokus

  • Der neue Abteilungsleiter

    Martin Oberndorfer und seine Mitstreiter erklärten auf einer Pressekonferenz die Ziele des Rekordmeisters in der Judo-Bundesliga. In der Beletage des deutschen Judo-Sports starten in der laufenden Saison 18 statt bisher zwölf Mannschaften. Die Liga bleibt weiterhin zweigeteilt in Nord und Süd. Neu ist auch, dass das Viertelfinale zur Deutschen Meisterschaft entfällt – nun kommen die beiden Erstplatzierten aus Nord- und Süd-Staffel direkt zum Final Four.

  • Künftig wollen die

    Abensberger ihr Augenmerk noch verstärkter auf die Ausbildung eigener Nachwuchstalente legen, von denen es mehr in die erste Mannschaft schaffen sollen. Sebastian Seidl, Manuel Scheibel, Fabian Seidlmeier, Philip Graf, David Krämer und Christopher Völk dienen als Vorbilder. Jugendleiter Michael Reinhold sieht es folgendermaßen: „Eine deutsche Meisterschaft zu feiern, macht ja viel mehr Spaß mit Leuten aus den eigenen Reihen, als wenn das Team zusammengekauft ist.“

Bayerische Parallelen

„Hamburg ist auch heuer wohl etwas zu stark“, glaubt Fanclub-Vorsitzender Hueber, weiß aber auch, dass Sport so manche Überraschungen kredenzt. „Man weiß ja nie. Frankfurt hat ja auch die Bayern geschlagen im Pokalfinale“, zieht er einen Vergleich zum Fußball, der nicht ganz so unpassend daherkommt. Noch vor einigen Jahren waren die Abensberger der FC Bayern München im deutschen Judo. Der TSV eilte von Titel zu Titel – die Konkurrenz hechelte vergeblich hinterher. Insgesamt 20 deutsche Meistertitel und sieben Europapokaltriumphe umfasst die imposante Ausbeute der Judoka aus der niederbayerischen 13 000-Einwohner-Stadt.

„Meine Nachfolger machen eine gute Bundesliga-Arbeit.“

Otto Kneitinger

2015 folgte aber der große Paukenschlag. Die Abensberger meldeten ihr Team mit Blick auf Olympia aus der Bundesliga ab. Nach zwei Jahren Tingeltour durch die zweite und dritte Liga ging es in der Saison 2017 zurück in die Beletage des deutschen Judosports.

Im Comeback-Jahr waren die Hamburger zu stark für den Rekordmeister. Im Halbfinale war der Traum vom 21. Meistertitel ausgeträumt.

„Unser Ziel ist natürlich, den Meistertitel zu verteidigen und im Europapokal weit zu kommen“, sagte Sascha Costa, der Sportdirektor des Hamburger Judo-Teams, dem Hamburger Abendblatt. Auch in Sachen Budget sind mittlerweile die Hanseaten, die mit André Breitbarth und Dimitri Peters zwei ehemalige Abensberger in ihren Reihen haben, das Maß aller Dinge im deutschen Judosport. Abschlüsse mit namhaften Sponsoren wie dem Juwelier Christ und dem Uhrenhersteller Tag Heuer sorgen für etwas, das im Randsport selten ist: Planungssicherheit. „Wir haben gut gearbeitet in den vergangenen Jahren“, sagte Costa und fügte hinzu: „Darauf ausruhen werden wir uns nicht.“

Schwierige Sponsorensuche

In Sachen Etat sieht sich der TSV ordentlich aufgestellt. Thomas Köthe, der Mann der Finanzen bei den Abensbergern, sieht aber weiter Luft nach oben: „Judo ist eine Randsportart. Das macht es nicht einfach, zusätzliche Sponsoren zu gewinnen.“

Finanziell sind die Hamburger nicht zu toppen. Dafür wollen die Abensberger um die Eigengewächse wie Sebastian Seidl, Manuel Scheibel, oder David Krämer die Hanseaten auf der Matte niederkämpfen. „Die Revanche ist angepeilt, aber es wird sehr, sehr schwierig“, weiß der Cheftrainer um die Hamburger Qualitäten. Der Verlust der Leistungsträger Sven Maresch und Christopher Völk, die ihre Karriere beendeten, wiegt schwer, sagt Öchsner.

Künftig sollen es verstärkt Judoka aus dem eigenen Nachwuchs richten: „In den nächsten drei bis fünf Jahren werden wir versuchen, dass wir möglichst viele eigene Leute in die erste Mannschaft integrieren“, gibt Oberndorfer als Marschroute vor. Mit Markus Tuscher, der zuletzt bei Aufsteiger JT Heidelberg/Mannheim überzeugte, nennt Cheftrainer Öchsner ein positives Beispiel für den neu eingeschlagenen Weg. „Das zeigt, dass es schon fruchtet.“

Die Erfolge der 2. Mannschaft, die in der Bayernliga den Titel anvisiert, und die Entwicklung im Junioren-Bereich lassen die Abensberger hoffen: „Wir sind zuversichtlich, dass man den einen oder anderen auf Bundesliga-Niveu weiterentwickeln kann“, erklärt Reinhold Ennerst, Abteilungsleiter Sport.

„Sie sind auf dem richtigen Weg“, sagt Hueber, der mit seinen Fanclub-Kollegen heuer das 25-jährige Jubiläum feiert. Nur zu gerne würden Hueber und Co. am Saisonende den Start einer neuen Meisterserie begießen.

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