MyMz

Biografie

Über Ünsal Arik gibt es bald ein Buch

Der Boxer wurde als Erdogan-Kritiker bekannt. Nun will er gemeinsam mit einem Autor seine Lebensgeschichte aufschreiben.
Von Jürgen Scharf

Ünsal Arik hat schon viel erlebt – und davon will er erzählen. Foto: Drenkard
Ünsal Arik hat schon viel erlebt – und davon will er erzählen. Foto: Drenkard

Parsberg.Ünsal Arik ist ein freier Mann. Und das ist er, weil er ein Versprechen, das er seinem Vater gegeben hat, halten will. Das Versprechen, nicht zu seinem Prozess in die Türkei zu reisen. Dieser soll im Mai stattfinden. Wäre Arik dann vor Ort, würde er mit großer Wahrscheinlichkeit verhaftet werden. Er ist schließlich ein bekannter Kritiker des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Er selbst würde sogar gerne hinreisen: „Nur um ihnen zu zeigen, dass ich keine Angst habe“, sagt er. Aber er tut es nicht – wegen seines Vaters.

Familie ist für Ünsal Arik wichtig. Als der Boxer aus Parsberg vor knapp drei Jahren WBU-Weltmeister im Leicht-Mittelgewicht wurde, konnte er damit nach eigener Aussage ein Versprechen an seine verstorbene Mutter einlösen. Das Versprechen, das er etwas erreichen wird. Dies ist ohnehin Ariks Lebensmotto: „Man kann alles erreichen, wenn man dran bleibt.“

In ganz Deutschland bekannt wurde der 37 Jahre alte Arik zuletzt aber nicht wegen seines sportlichen Erfolgs, sondern vielmehr wegen seiner politischen Haltung. Der türkischstämmige Boxer äußerte sich immer wieder kritisch zur Politik Erdogans. Er veröffentlichte im Internet sogar das von ihm gerappte Lied „Ben seni yok edecegim“ (zu deutsch etwa: „Ich mach Dich weg“). Darin bezeichnet Arik den türkischen Staatspräsidenten unter anderem als „Kopie von Adolf Hitler“.

Verhandlung wurde vertagt

Die türkische Justiz erhob deswegen Anklage wegen Beleidigung. Bereits im vergangenen Dezember sollte der Prozess stattfinden. Die Verhandlung wurde allerdings auf Mai vertagt. Auch da werde er nicht erscheinen, kündigt Arik an. Er geht aber davon aus, dass die türkische Justiz bis dahin versuchen werde, eine Aussage von ihm über ein deutsches Gericht zu erzwingen: „Aber ich werde auch in Deutschland keine Aussage machen. Die können mich mal, weil ich nichts falsches gemacht habe.“ Was er überhaupt alles in seinem Leben gemacht hat, soll im kommenden Jahr übrigens in einem Buch erscheinen. Ein Autor sei auf ihn zugekommen, erzählt Arik. „Er ist in der Branche sehr bekannt und hat schon sehr viele Bücher rausgebracht. Seinen Namen will ich aber noch nicht sagen, weil ihn sonst gleich viele Leute belästigen würden.“

Ünsal Ariks Botschaft an den türkischen Präsidenten:

Es seien gerade die Brüche in seinem Leben, die den Autor interessiert hätten, erzählt Arik: „Etwa, die Zeit, als ich obdachlos war und Drogen genommen habe. Oder, dass ich erst so spät mit dem Boxen begonnen habe.“ Ein Expose zu dem Buch gibt es bereits. Dies werde derzeit Verlagen vorgestellt. Demnächst wollen sich Boxer und Autor an die weitere Arbeit machen. „Für die Biografie werden wir sicher zwei, drei Wochen zusammen verbringen, in denen ich ihm dann alles erzähle.“ Das Buch soll 2019 vor den Wahlen in der Türkei rauskommen. „Denn Erdogan wird im Buch sicher auch ein Thema sein. Und da sage ich ganz ehrlich, dass wir in diesem Zusammenhang die Werbung einfach mitnehmen wollen.“

Kampf gegen Ertürk abgesagt

Sportlich läuft es derzeit dagegen nicht wie gewünscht bei Arik. Eigentlich hatte er ein großes Ziel: den Kampf gegen Yavuz Ertürk. Der ist ein Fan von Erdogan. Der Kampf, der für April oder Mai geplant war, sollte auch als politische Botschaft vermarktet werden. Daraus wird nun aber nichts. „Dieser Erdogan-Boxer hat den Kampf abgesagt. Kneift halt und will nicht gegen mich boxen“, sagt Arik.

Auftritt für Aktion Kinderherz

  • Ünsal Arik

    wurde am 27. Oktober 1980 in Parsberg im Landkreis Neumarkt geboren. Sportlich war er vor seiner Boxkarriere zunächst als Fußballer aktiv. In der Jugend spielte er unter anderem für den SSV Jahn Regensburg und Fenerbahce Istanbul.

  • Am 10. Februar

    wird der „türkische Bayer“, wie sich Arik selbst bezeichnet, in Regensburg zu sehen sein. Vor dem Spiel des SSV Jahn gegen den 1. FC Heidenheim wird er als Botschafter der Stiftung Kinderherz in der Continental-Arena auftreten.

Die einzige Forderung zuvor sei Arik zufolge gewesen, dass in Köln geboxt wird. Dem habe er zugestimmt. „Nun wollten wir das Konzept gemeinsam erstellen. Dann wurde aber abgesagt. Die Begründung war, dass der Kampf sportlich für sie nicht mehr interessant ist.“ Das kann Arik nicht nachvollziehen. Ertürk seinerseits sagte der Bild-Zeitung: „Die Bedingungen, wie wir sie besprochen haben, müssen stimmen.“ Letztlich haben sie das aus Ertürks Sicht nun wohl nicht.

Am 16. Februar wird Arik zumindest einen Aufbaukampf in Ungarn machen. „Gegen wen ist noch nicht endgültig geklärt. Es wird kein großer Kampf und auch kein großer Gegner sein, aber es ist für mich wichtig, aktiv zu sein.“ Denn er hat auch sportlich noch große Ziele: „Ich will dieses Jahr auf jeden Fall einen Titelkampf.“

Weitere Sportnachrichten gibt es hier

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht