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Triathlon

Und 2017 kommt die EM nach Regensburg

Beim Challenge in Regensburg gibt mit Sebastian Neef ein Lokalmatador sein Debüt – und trifft auf einen Dauerbrenner.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

  • Der Challenge bekommt Vorschusslorbeeren, noch bevor er das erste Mal über die Bühne ging: 2017 wird die Europameisterschaft nach Regensburg kommen. Foto: Lex
  • Challenge-Botschafter Chris McCormack mit zwei der Regensburger Favoritinnen Julia Viellehner (rechts) und der Neuseeländerin Tamsyn Hayes. Foto: Lex

Regensburg. Es ist nicht unüblich bei Langdistanzen im Triathlon, dass auch mal ein Jahr und mehr vorausgedacht wird. Und so verkündete Thomas Tajsich „eine Hammernachricht“, noch bevor sich ab Sonntag um 6.30 Uhr der erste der 1100 Teilnehmer aus 32 Nationen in Bewegung gesetzt hat, um das Mammutprogramm von 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,2 Kilometern Laufen zu absolvieren. Der neue Challenge bekommt üppige Vorschusslorbeeren und viel Vertrauen vom internationalen Verband: „Regensburg wird am 13. August 2017 die Europameisterschaft austragen“, gab Thomas Tajsich bekannt. „Darum haben wir ein halbes Jahr gekämpft.“

Zusammen mit seiner Frau Sonja, die nur sieben Wochen nach der Geburt ihrer zweiten Tochter schon wieder in einer Staffel ins Wasser gehen wird, hat der 47-Jährige das Projekt in die Hand genommen, der Langdistanz eine neue Heimat zu geben. Der erste Versuch währte trotz eines Fünfjahresvertrags mit Ironman ab 2010 nur drei Jahre. Bei der Premiere mit Einlauf im Weltkulturerbe Stadtamhof feierte Sonja Tajsich einen ihrer Langdistanz-Siege und schwärmt noch heute in den höchsten Tönen vom Heim-Triathlon: „Das war das emotionalste Rennen, das ich je gemacht habe und das Schönste, was es gibt auf der Welt.“ Und weil es „so, so schade“ gewesen sei, dass „es das nicht mehr gibt, haben wir das in die Hand genommen, als der Oberbürgermeister kam und uns gefragt hat“, sagt Sonja Tajsich, kümmert sich vorwiegend um die Helfer und fand 1200 davon.

Der Challenge bekommt Vorschusslorbeeren, noch bevor er das erste Mal über die Bühne ging: 2017 wird die Europameisterschaft nach Regensburg kommen.
Der Challenge bekommt Vorschusslorbeeren, noch bevor er das erste Mal über die Bühne ging: 2017 wird die Europameisterschaft nach Regensburg kommen. Foto: Lex

Suche nach dem Haar in der Suppe

Auch Joachim Wolbergs rekapitulierte noch einmal die Geschichte des immer wieder attackierten Langdistanz-Triathlons in einem flammenden Appell, der Veranstaltung doch zumindest eine Chance zu geben. „Es gibt ein paar, die suchen das Haar in der Suppe.“ Der erste Versuch mit Ironman, mit dem auch noch einmal zur Wiederaufnahme verhandelt worden sei, sei gescheitert, weil „sich rausgestellt hat, dass diese Konstellation der Zusammenarbeit nicht passt“ und in Regensburg eben der regionale Aspekt von großer Bedeutung sei.

Sebastian Neef freut sich bereits auf das Großevent am Sonntag:

Thomas Tajsich glaubt den Rückhalt inzwischen zu spüren wie er bei einer Zehn-Stunden-Tour auf der Radstrecke live erlebte. „Ich dachte, ich brauche da ein dickes Fell, aber wir wurden überall freundlich begrüßt“, sagt Tajsich, der zugibt, in der Zeit der Challenge-Organsation mehr über Stadt und Land gelernt zu haben, „als in den 37 Jahren zuvor, in denen ich als gebürtiger Regensburger hier gelebt habe.“

Auch ein Sportler nutzt den Heimvorteil: „Sebastian Neef, Lokalmatador“ stand auf dem Schild des 27-Jährigen, für den am Sonntag in Regensburg ein neue Abschnitt seines Triathlonlebens beginnt. Viermal schon hat Neef in Regensburg gewonnen: „Aber das war eine andere Distanz.“

Beim Regensburg-Triathlon verzichtete der Lappersdorfer diesmal auf einen Start, weil er sein Debüt auf der Langdistanz gibt. Auf eine Zielzeit festlegen wollte sich Rookie Sebastian Neef, dem beinahe noch ein Zipperlein einen Streich gespielt hätte, das sich aber als nicht so schlimm entpuppte, nur höchst ungern. „Ich bliebe gerne unter neun Stunden, am liebsten deutlich“, sagte er und wurde auf Nachfrage dann doch ein kleines Stück konkreter: „Eine 8:30 wäre super. Die Radstrecke liegt mir gut. Der Marathon wird hart. Aber das ist er ja für alle.“

Ein Sebastian Neef weiß noch nicht, was auf ihn zukommt, ein Petr Vabrousek aber sehr wohl: Der 42-jährige Tscheche aus Prag absolviert in Regensburg seit seiner Premiere im Mai 1999 in Australien die 175. Langdistanz und trainiert im Wettkampf für den nächsten. Langsam ist der gute Mann übrigens nicht: „Im vergangenen September habe ich 8:15 Stunden gebraucht. Ob das wieder so wird, hängt am Wetter und am Tag. Das ist nicht immer gleich.“

Legende adelt Regensburg

Noch vor dem ersten Start hat sich die Strecke in und um Regensburg den Ruf erarbeitet, nicht für die schnellsten Zeiten zu taugen. Dafür sorgt unter anderem eine Radstrecke im Landkreis, die so schön wie anspruchsvoll und selektiv ist. Triathlon-Legende Chris McCormack, der zweimalige Hawaii-Sieger und viermalige Weltmeister, der jetzt Challenge-Botschafter ist („Mein Sport bringt mich rund um die Welt“) adelt Regensburg mit seinem Urteil, das er schon bei einer ersten Stippvisite vor einem Jahr kennenlernte und erwartet „a cool race to see“. Regensburg hat er als „spektakulärer Ort kennengelernt. Und so etwas wie diese Laufstrecke habe ich nirgends anders gesehen. Es ist teils sehr speziell, etwa mit dem Kopfsteinpflaster.“

Unsere Bildergalerie zeigt Ihnen die Favoriten für den Event am Sonntag:

Die Topstarter der Challenge Regensburg

Für das Flair eines Langdistanz-Triathlons, das der rote Zielteppich am Domplatz noch potenziert, sorgt zwar die kunterbunte Masse, die Außenwirkung aber bringen die Profis. Beim Challenge-Debüt in Regensburg gehören der zweimalige Ironman-Sieger Jan Raphael, der auch zweimal Platz zwei bei der Europameisterschaft ins seiner sportlichen Vita stehen hat, und der amtierende Amateur-Weltmeister und Neu-Profi Malte Bruns, der mit seinem gefärbten Teufelsbärtchen schon optisch hervorsticht, zu den Topstartern. Bruns sagt über seine Motivation: „Man kann das ganze Leben gemütlich auf der Couch sitzen. Aber wenn es immer nur gemütlich ist, erlebt man keine abgefahrenen Sachen.“

Auch Silvia Felt will mitreden

Bei den Frauen sind Julia Viellehner, Tamsyn Hayes oder Silvia Felt Kandidatinnen, auf die es sich zu schauen lohnt. Viellehner gewann vergangenen Sonntag beim Tristar-Triathlon die Frauenwertung, die Neuseeländerin ist elf Monate nach der Geburts ihrer Tochter Anja wieder dabei und die Weinheimerin, die 2010 in Roth in 9:23 Stunden finishte, will auch ein Wörtchen mitreden.

Am Sonntag startet die Challenge Regensburg

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