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Unruhe in Formel-1-Oase: Aussprache bei Vettel und Ferrari

Von einem spannungsfreien Formel-1-Finale kann bei Sebastian Vettel und Ferrari nicht die Rede sein. In Abu Dhabi rückt der Unfall aus Brasilien mit Stallrivale Charles Leclerc ins Scheinwerferlicht. Muss die Scuderia die Vorfahrtsregel für ihre Piloten ändern?
Von Martin Moravec, dpa

Will einen versöhnlichen Saisoabschluss in Abu Dhabi: Ferrari-Pilot Sebastian Vettel. Foto: Vincent Thian/AP/dpa
Will einen versöhnlichen Saisoabschluss in Abu Dhabi: Ferrari-Pilot Sebastian Vettel. Foto: Vincent Thian/AP/dpa

Abu Dhabi.Ein Wellness-Wochenende wird sich Sebastian Vettel in der Formel-1-Oase von Abu Dhabi nicht erlauben können.

Nach dem Crash mit Charles Leclerc in Brasilien muss die Scuderia-Führung schon beim Saisonfinale eine Vorfahrtsregel mit Zukunftspotenzial für ihre beiden Ferrari-Streithähne präsentieren. Noch vor dem Schlussakt am Sonntag (14.10 Uhr/RTL und Sky) in den Vereinigten Arabischen Emiraten bat Teamchef Mattia Binotto unmissverständlich zu einer Aussprache in die Zentrale nach Maranello. „Wir müssen uns zusammensetzen und entscheiden, wo die Grenzen sind, um sicherzustellen, dass sich so etwas nicht wiederholt“, meinte der Mann mit der Harry-Potter-Brille.

Vor knapp zwei Wochen waren Vettel und sein monegassischer Stallrivale beim Großen Preis von Brasilien in Interlagos auf einer Geraden ineinandergekracht und mussten beide vorzeitig das Rennen beenden. Es war eine unglückliche Berührung des 32-jährigen Vettel mit dem 22-Jährigen, die eine klare Lösung der Schuldfrage vorerst nicht zuließ. Deshalb wollte Binotto zunächst auch Videomaterial und Telemetriedaten auswerten.

„Als wir versucht haben, die Fahrer in den vergangenen Jahren unter Kontrolle zu haben, wurden wir kritisiert. Als sie frei gegeneinander fahren durften, wurden wir ebenfalls kritisiert“, meinte Binotto. „Wir müssen aber klären, was dumm ist und was nicht, und wo die Grenze liegt.“ Der Crash von São Paulo war dumm.

Binotto hatte seine Fahrer frei fahren lassen, da Ferrari Platz zwei in der Konstrukteurswertung hinter Dauerweltmeister Mercedes schon sicher hat. 2020 wollen die Italiener die Silberpfeile aber endlich stürzen. „Natürlich ist es für Ferrari nie gut genug, Zweiter zu werden. Und wir blicken auf einen sehr intensiven Winter, um als Gruppe weiter zu wachsen. Das Ziel ist, für die bevorstehenden Herausforderungen stärker zurückzukommen“, sagte Binotto.

Muss Ferrari für den Sturm auf die Spitze aber seine Vorfahrtsregel für Vettel und Leclerc ändern? Braucht es eine eindeutige Rollenverteilung? „Ich bin noch immer davon überzeugt, dass es ein Luxus ist, die beiden im Team zu haben, weil sie sehr gute Fahrer sind und Orientierungsgrößen füreinander sind“, befand Binotto vor dem 21. Grand Prix eines kraftraubenden Jahres. „Was ich lese oder höre, unterscheidet sich von dem, was ich intern mit ihnen erlebe. Sie haben eine gute Beziehung.“

Im Ferrari-Verdrängungswettbewerb kommt dem Finale unter Flutlicht eine nicht zu unterschätzende Bedeutung bei. Leclerc kann gleich in seinem ersten Scuderia-Jahr den viermaligen Weltmeister Vettel hinter sich lassen und seinen Führungsanspruch für 2020 untermauern. 19 Punkte hat der Monegasse mehr auf seinem Konto als der Deutsche und liegt nur elf Zähler hinter dem Dritten Max Verstappen im Red Bull. Seit seiner ersten kompletten Formel-1-Saison 2008 für Toro Rosso schnitt Vettel nur einmal am Jahresende schlechter als sein Teamkollege ab: 2014 war das bei Red Bull, als er sich dem australischen Youngster Daniel Ricciardo geschlagen geben musste. Ricciardo wurde Dritter, Vettel Fünfter und wechselte zu Ferrari.

Abu Dhabi sei nun „eine Gelegenheit für uns, die Saison erfolgreich abzuschließen. Wir wissen aber, dass der Wettbewerb hart ist, deshalb sollte es ein aufregendes Rennen werden“, meinte Vettel, der dreimal auf dem Yas Marina Circuit gewinnen konnte. Ferrari ist auf dem 2009 eingeweihten Kurs noch sieglos. Geht es nach Vettel, sollte der erste Scuderia-Gewinner doch bitte schön er selbst sein.

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