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Podiumsdiskussion

Was man von Görges und Co. lernen kann

In Regenstauf erklärten Toptrainer und Topsportler, wie sie zum Erfolg kommen – aber auch, wie sie mit Rückschlägen umgehen.
Von Claus-Dieter Wotruba

  • Moderator Tilmann Schöberl brachte beim Eckert-Sport-Talk die Weltklasse-Tennisspielerin Julia Görges zum Lachen und ihren Trainer Michael Geserer zum Schmunzeln. Foto: Christian Brüssel
  • Der 28-jährige Oliver Hein ist seit Jugendtagen beim SSV Jahn und kämpft sich – noch ohne Zweitligaeinsatz 18/19 – heran ans Team. Er hat früh gelernt, Lernen und Sport zu verknüpfen: „Als Leistungssportler hat du eine begrenzte Zeit, also darfst du keine Zeit verschwenden.“

Regenstauf.Tennis, Fußball, Eishockey und Marathonlauf sind grundverschieden – und doch auch wieder nicht. Bisweilen schaute also Achim Beierlorzer, der Trainer der so erfolgreichen Jahn-Zweitliga-Kicker in Regensburg, auf dem Podium nach links – und pflichtete dem Eishockey-Kollegen Igor Pavlov der Eisbären bei. Dann blickte er vor einer Mischung aus geladenen Gästen und interessierten Sportfans in der gut gefüllten Bibliothek der Eckert-Schulen in Regenstauf nach rechts zu Julia Görges, die ihr Jahr auf Rang 14 der Weltrangliste beendete, und ihrem Coach Michael Geserer und sagte: „Das habe ich nicht gewusst, dass das im Tennis auch so ist.“

Und weil mit Jahn-Profi Oliver Hein, der kurzfristig für den verhinderten Geschäftsführer Christian Keller einsprang, und der auch schriftstellerisch tätigen Marathonläuferin Franziska Reng noch zwei Spitzensportler ihre Meinungen nach persönlich schweren Zeiten kundtaten, entwickelte sich unter der gekonnten Moderation von BR-Mann Tilmann Schöberl („Jetzt red i“) eine entspannte Gesprächsrunde, die nach den geplanten 90 Minuten und Fragen aus dem Publikum noch in ein paar Minuten Nachspielzeit ging.

„Bei uns geht es nicht um Spaß“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Eckert-Schulen Gottfried Steger. „Es geht um grundlegendes Interesse an Ausbildung.“ Steger machte Achim Beierlorzer launig ein Angebot: „Gute Mathematiklehrer können wir immer brauchen.“
„Bei uns geht es nicht um Spaß“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Eckert-Schulen Gottfried Steger. „Es geht um grundlegendes Interesse an Ausbildung.“ Steger machte Achim Beierlorzer launig ein Angebot: „Gute Mathematiklehrer können wir immer brauchen.“

Das Experiment des ersten (und vielleicht ja nicht letzten) „Sport-Talks bei Eckert“ sollte Sport und Bildung zusammenbringen und zeigen, wie man erfolgreich über sich hinauswächst, Strategien für Höchstleistungen entwickelt – durchaus auch im Alltag. Deswegen kamen auf der Bühne immer wieder Einwürfe vom stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Eckert-Schulen, Gottfried Steger. Im Unterschied zu manchem Sportler müsse man die Leistung nicht nur an einem bestimmten Punkt abrufen. „Eine Prüfung sollte man nebenbei mitnehmen und sich das Wissen zuvor kontinuierlich aneignen.“

Auch Oliver Hein wusste, dass die Tagesform selbst in K. o.-Spielen nicht an einem Tag aufgebaut wird: „Der Prozess beginnt auch in Relegationsspielen wie damals gegen 1860 viel früher. Das Selbstvertrauen auf den Punkt zu bringen, ist die Kunst.“

Die Kunst, mit Tiefschlägen umzugehen und sich zurückzukämpfen, darüber konnten Hein und Franziska Reng das beste Lied singen. Das Urgestein aus Straubing, das seit über zehn Jahren beim SSV Jahn spielt, sagte: „Zweifel sind ganz normal. Da musst du als Persönlichkeit schon stabil sein und dich fragen, was kann ich beeinflussen?“

Franziska Rengs Lektionen 2018

 Für die 22-jährige Läuferin Franziska Reng von der LG Telis Finanz war 2018 hart: Erst DM-Titel im Halbmarathon, dann Absage der Heim-EM. „Wer will, kann mich beim Aquajogging mit so einem sexy Gürtel sehen. Dabei hasse ich Wasser. Aber es muss jetzt eben sein.“ Foto: Brüssel
Für die 22-jährige Läuferin Franziska Reng von der LG Telis Finanz war 2018 hart: Erst DM-Titel im Halbmarathon, dann Absage der Heim-EM. „Wer will, kann mich beim Aquajogging mit so einem sexy Gürtel sehen. Dabei hasse ich Wasser. Aber es muss jetzt eben sein.“ Foto: Brüssel

Auch die Erfahrung sei wichtig. „Hätte ich nach meiner ersten Verletzung mit mehr als sechs Wochen Ausfallzeit gewusst, dass meine zu schnelle Rückkehr gleich wieder zu einem Ausfall führt, hätte ich das wohl auch nicht gemacht“, übte Hein ein wenig Selbstkritik. Auch Franziska Reng steckt in so einem Prozess. Schwersten Herzens hatte sie die Heim-Europameisterschaft in Berlin im Sommer absagen müssen. Einen Spruch kann sie seither nicht mehr leiden: „Das wird schon wieder, kann ich nicht mehr hören. Ich muss es wieder hinkriegen.“ Nach einer neuerlichen Operation ist die Leichtathletin jetzt auf diesem Weg: : „2019 geht es um die Quali für Olympia 2020 in Tokio. Durch die Geschichte des Jahres laufe ich zwar hinterher, habe aber vielleicht auch ein paar Lektionen gelernt, die die anderen noch nicht hinter sich haben.“

Trainer will „eins draufsetzen“

Ihre Lektion gelernt hat auch Julia Görges. Seit sie vor drei Jahren nach Regensburg kam, ging es beständig aufwärts und 2018 bis auf Rang neun der Weltrangliste. Zwei Turniersiege und das Wimbledon-Halbfinale gegen Serena Williams waren die Höhepunkte des Jahres. „2019 möchte ich da weitermachen“, sagt die 30-jährige Weltranglisten-14., legt sich aber – wie immer – nicht auf eine anvisierte Ranglistenposition fest. „Ich hab’s nicht so mit den Zahlen“, sagt sie. Trainer Michael Geserer ist jedenfalls überzeugt: „2018 war ein tolles Jahr und ich bin überzeugt, dass Jule noch eins draufsetzen kann.“

Dass Görges zuhause in Regensburg nach dem Eckert-Rückzug in der Bundesliga nicht mehr zu sehen sein wird, weil der deutsche Meister der vergangenen drei Jahre keinen Nachfolger als Hauptsponsor fand, war übrigens kein Thema in der Runde, in der bisweilen auch ein direkter Austausch der Protagonisten geholfen hätte.

Achim Beierlorzer entdeckte so manche Gemeinsamkeit. Foto: Brüssel
Achim Beierlorzer entdeckte so manche Gemeinsamkeit. Foto: Brüssel

Dafür sprach Achim Beierlorzer auf die Publikumsfrage Klartext, wielange sein Team noch als Außenseiter gesehen werde wie beim grandiosen 5:0 beim Hamburger SV Ende September. „Damals haben wir die entscheidenden Momente für uns genützt. Unterschätzt werden wir von 99 Prozent der Mannschaften nicht mehr“, sagte Beierlorzer. „Aber der SSV Jahn kann diese Rolle des Underdogs immer annehmen. Weil wir in allen anderen Bereichen eigentlich noch gar nicht so richtig konkurrenzfähig sind – nur mit unserer Mannschaft.“

Mit seinem trockenen Humor glänzte Eisbären-Coach Igor Pavlov, der für seine psychologischen Strategien bekannt ist. „Was uns auf dem Weg zum Ziel behindert, das räumen wir auf“, war auch in Regenstauf einer seiner gut ankommenden Sprüche. Foto: Brüssel
Mit seinem trockenen Humor glänzte Eisbären-Coach Igor Pavlov, der für seine psychologischen Strategien bekannt ist. „Was uns auf dem Weg zum Ziel behindert, das räumen wir auf“, war auch in Regenstauf einer seiner gut ankommenden Sprüche. Foto: Brüssel

Und bei der Wünscherunde zum Abschluss bekam Igor Pavlov noch eine Portion Applaus. „Ich wünsche mir, dass die Spieler sagen, wir haben uns verbessert und sind dadurch aufgestiegen in die zweite Liga.“

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