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Sparkassen-Gala

Wenn Regensburg den Athleten weiterhilft

Ein Südafrikaner schiebt sich bei der Gala ins Rampenlicht. Ein Telis-Youngster ist erst fix und fertig, dann überglücklich.
Von Claus-Dieter Wotruba

Anaso Jobodwana (links) und Michael Pohl setzten Sprint-Glanzlichter. Foto: Brüssel
Anaso Jobodwana (links) und Michael Pohl setzten Sprint-Glanzlichter. Foto: Brüssel

Regensburg.Regensburg Es ist nicht leicht, in der Leichtathletik mit Namen zu jonglieren. Manchmal steht da jemand gänzlich unscheinbar in der Startliste mit einer Bestleistung, von der niemand weiß, aus welcher Zeit sie rührt. Manchmal sind die Namen auch durchaus mit nennenswerten Erfolgen verknüpft, die aber selbst für Experten längerer Recherche bedürfen. Anaso Jobodwana ist so ein Mann: Dass der Sprinter aus Südafrika schnell sein könnte, zeigte die persönliche Bestzeit von 10,10 Sekunden über 100 Meter. Dass er auch international schon eine Rolle gespielt hat, zeigt der Blick zurück: Doppel-Gold über 100 und 200 Meter bei der Universiade 2013 im russischen Kazan, WM-Bronze über 200 Meter in Peking 2015, Silber in der 4 x 100 Meter-Staffel bei den Commonwealth-Games 2018 lassen sich sehen.

Anaso Jobodwana bestätigte bei der Sparkassen-Gala im Regensburger Universitätsstadion, was er kann, und lieferte zum Start und zum Abschluss Höhepunkte – nachdem mit Laura Müller die schnellste deutsche Frau des Jahres kurzfristig verletzt absagen musste. Erst gewann er die 100 Meter nach Zielfoto-Entscheid in 10,17 Sekunden, im letzten der 14 Lauf-Wettbewerbe und vier technischen Wettbewerbe der Gala 2019 die 200 Meter in 20,38 Sekunden war’s deutlich klarer.

Strenge Normen in Südafrika

Der 26-Jährige würde selbstredend am liebsten bei der Weltmeisterschaft ab 28. September dabei sein. In Südafrika geht es übrigens bisweilen mit noch strengeren Regularien zu als beim deutschen Leichtathletik-Verband, der ebenfalls stets die internationalen Normen noch einmal national verschärft. „Bei uns brauchst du über 100 Meter eine 10,03“, schüttelt Jobodwana den Kopf. „Zuletzt haben sie einen zuhause gelassen, der eine 10,06 stehen hatte – auch wenn wir nur einen Mann haben, der konstant unter zehn Sekunden rennt (Akani Simbine, d. Red.).“

Noch ein Youngster unterstrich, dass er bei den U-23-Europameisterschaften im schwedischen Gävle ein Medaillenkandidat sein könnte. Die 49,84 Sekunden von Constantin Preis aus Sindelfingen waren nicht nur deutscher Jahresbestwert, sondern nur vier Hundertstel an der WM-Norm vorbei. Foto: Kiefner
Noch ein Youngster unterstrich, dass er bei den U-23-Europameisterschaften im schwedischen Gävle ein Medaillenkandidat sein könnte. Die 49,84 Sekunden von Constantin Preis aus Sindelfingen waren nicht nur deutscher Jahresbestwert, sondern nur vier Hundertstel an der WM-Norm vorbei. Foto: Kiefner

Für sich selbst ist Anaso Jobodwana nach einer längeren Verletzungspause froh, wieder in die Gänge zu kommen. Wie er nach Regensburg kam? „Meine Frau ist hier 2017 gestartet. Daher kannte ich es. Und ich mag solche Meetings wie hier“, sagt Jobodwana. „Mit Julian Reus war ein Rekordhalter als Konkurrenz da, das Wetter war gut und die Bahn ist sehr ansprechend“, fand der Südafrikaner, der nach Regensburg schon am Dienstag in Luzern wieder startet, nach seinem 100-Meter-Rennen. „Dabei waren die ersten 20 Meter richtig schlecht. Wäre das anders gewesen, hätte ich persönliche Bestzeit laufen können. Aber es war Saisonbestzeit. Die stand vorher bei 10,36.“ In Regensburg machte Jobodwana also einen großen Sprung – und auch über 200 Meter war die Steigerung von 20,49 auf 20,38 deutlich. Zur geforderten südafrikanischen Norm von 20,31 fehlt also nicht mehr viel.

Auch Michael Pohl mag Regensburg. Und hätte die erste Nachricht unmittelbar nach dem A-Finale über 100-Meter gestimmt, dann wäre der nach dem Ziel-Durchlauf herausgebrochene Jubel noch größer gewesen. Pohl wurde zunächst fälschlicherweise als Sieger mit WM-Norm verkündet: Dann folgte die Korrektur und die Auswertung des Zielfotos ergab, dass Pohl hinter den zeitgleichen Anaso Jobodwana und dem Briten Andrew Robertson mit sechs Hundertstel Abstand auf Rang drei landete und ihm jetzt genau drei Hundertstel zu Doha fehlen.

„Die Jugend kommt“, befand Pohl, der gerade bei den Europaspielen in Minsk mit Bronze ein Erfolgserlebnis im neuartigen Teamwettbewerb sammelte, bei dem zum Schluss eine Verfolgungsstaffel antrat. „Hätten wir vorher nur einen Punkt weniger gehabt, hätte es die Medaille nicht gegeben“, sagt Pohl. „Nicht nur für sich zu starten, ist etwas ganz Anderes als sonst.“ Der 29-Jährige genoss Weißrussland trotz seiner Leidensgeschichte mit dicker Backe: „Ich war wegen eines Weisheitszahns viermal beim Zahnarzt. Die wollten eine Not-OP machen. Ich habe aber gesagt: Nein, ich muss laufen.“

Die Anspannung fiel ab

So krass war es bei Corinna Schwab nicht, aber die Verunsicherung war groß gewesen, weil es über die Stadionrunde beim Neuzugang der LG Telis Finanz 2019 nicht so recht geklappt hatte. „Das war ein großer Schritt“, sagte die 20-Jährige aus Amberg, die auch in Minsk dabei war, nach ihren 53,42 Sekunden freudestrahlend. „Zuletzt war ich sehr verbissen, wollte unbedingt und heute etwas schaffen. Das hat aber nicht geklappt.“ Nach dem Rennen war die Junioren-Weltmeisterin mit der 4 x 100-Meter-Staffel, die auch bei der diese Woche im schwedischen Gävle anstehenden U-23-EM wieder im Sprinterteam mit acht Läuferinnen ist, minutenlang nicht ansprechbar: „Da ist die Anspannung der letzten Wochen abgefallen. Zuletzt hatte ich immer Kopfschmerzen.“

Unverständlicherweise über 400 Meter ließen die Verantwortlichen nicht Meister gegen Vizemeister laufen. So war im vermeintlichen Bayern-Duell der auf zwei Läufe verteilten Johannes Trefz gegen Patrick Schneider Tobias Lange in 46,31 Sekunden in deutscher Jahresbestzeit  der lachende Dritte. „Endlich habe ich das auf die Anzeigetafel gebracht.“ Foto: Brüssel
Unverständlicherweise über 400 Meter ließen die Verantwortlichen nicht Meister gegen Vizemeister laufen. So war im vermeintlichen Bayern-Duell der auf zwei Läufe verteilten Johannes Trefz gegen Patrick Schneider Tobias Lange in 46,31 Sekunden in deutscher Jahresbestzeit der lachende Dritte. „Endlich habe ich das auf die Anzeigetafel gebracht.“ Foto: Brüssel

Dass sich die Anspannung löste, dafür war Corinna Schwab nicht in einem Lauf mit den Topläuferinnen wie Nadine Gonska (52,41), Karolina Pahlitzsch (52,60), Ruth Maria Spelmeyer (52,79) und Svea Kohrbrück (52,94) gestartet, sondern im zweiten Rennen. „Ich hätte auf Bahn eins oder sechs laufen müssen“, erklärt Schwab. „Die Eins war wegen der engen Kurven nicht ideal. Die Sechs mag ich nicht, weil ich dann keinen Anhaltspunkt gehabt hätte. Ich laufe lieber hinterher als vorneweg zu laufen.“

Die Rechnung ging wunderbar auf, auch wenn es „wieder eine neue Erfahrung war. Nach 200 Meter war ich irritiert, weil ich gefühlt langsam angegangen bin und doch vorne war. Dass ich da noch eine 53,4 draus mache, ist ein geiles Ding.“ Corinna Schwabs Schlussfolgerung: „Das war mein Einstieg. Jetzt lege ich los.“ Manchmal hilft Regensburg eben weiter.

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