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Rennsport

Wo die Diät Zeitvorteile bringt

Armin Ebenhöh ist einer der besten Bergrennfahrer Deutschlands. Für seine Erfolge verzichtet er sogar auf Schokolade.
Von Michael Postl

Stolzer Sieger: Armin Ebenhöh mit seinem VW Scirocco. Für die zahlreichen Pokale bietet die Fensterbank bald keinen Platz mehr. FOTO: Mones Photography
Stolzer Sieger: Armin Ebenhöh mit seinem VW Scirocco. Für die zahlreichen Pokale bietet die Fensterbank bald keinen Platz mehr. FOTO: Mones Photography

Hagelstadt.Wenn Armin Ebenhöh etwas macht, macht die ganze Familie gleich mit. Das Familienoberhaupt fährt Bergrennen – die Familie ist dabei. Der Vater macht eine Diät – Ehefrau, Tochter und Schwiegersohn ziehen am selben Strang. Die „Familientradition“ des Bergrennfahrens fing schon bei Schwiegervater Franz Weissdorn an. Der steckte mit seiner Passion seine Tochter Silvia an, diese wiederum den damaligen Freund und heutigen Mann Armin. 1987 war das, als ebenjener Armin im Autohaus Weissdorn als Automechaniker arbeitete. Seitdem ist der mittlerweile 48-Jährige dem Bergrennsport verfallen.

Dem Sport ist es auch zu verdanken, dass er die Diät machte. Denn ein Auto hat ein Mindestgewicht von 710 Kilogramm. Seines wog 760 Kilogramm: Weil also die meisten anderen Autos leichter waren, war eine der wenigen Schwächen des Ebenhöh-Fahrzeugs gefunden. Weniger Masse hilft trotzdem: Nachdem durch den Tausch mit einer leichteren Windschutzscheibe und eines anderen Spoilers 20 Kilogramm eingespart wurden, musste der Fahrer ran. Innerhalb von vier Monaten nahm Ebenhöh 18 Kilogramm ab – alleine das ist eine außergewöhnliche Leistung. „Die Diät hat mir einen wichtigen Zeitvorteil gebracht“, sagt der Bergrennfahrer, der zum Beispiel länger auf Schokolade oder Softdrinks verzichtete.

Das Auto ist perfekt

Einheitlich unterwegs: Nicht nur Armin Ebenhöhs Scirocco ist orange, auch die übrigen Familienmitglieder fahren in dieser Farbe. Bild: Austria Racing Pics
Einheitlich unterwegs: Nicht nur Armin Ebenhöhs Scirocco ist orange, auch die übrigen Familienmitglieder fahren in dieser Farbe. Bild: Austria Racing Pics

Auf diese Art des Trimmens kam Ebenhöh nur, weil es an der Leistungsfähigkeit seines Autos keinen Spielraum mehr gab. Dieses sei perfekt und das beste seiner Division in Deutschland. Kein Wunder, dass die anderen Fahrer dem Motorenbauer Minichberger im Allgäu die Türen einlaufen. Dabei ist es nicht einmal die PS-Zahl, die der Ebenhöhsche VW Scirocco auf die Straße bringt. „Es ist das Gesamtpaket“, sagt Ebenhöh, „der Spoiler, die Aerodynamik, die allgemeine Qualität eben.“ Und natürlich auch der Fahrer und sein Team-Partner, Hansi Eller. Dieser ist im Übrigen ein Mitarbeiter des Motorenbauers, welcher den Scirocco fertigte.

Andere Piloten fragen Ebenhöh gerne mal nach Tipps, wie, wo und wann er beschleunigt, welchen Gang er in welcher Situation wählt, worauf er am meisten achtet. „Da stehe ich gerne mit Rat und Tat zur Seite“, sagt einer der Besten seiner Zunft. „Ich gönne ja jedem anderen seinen Erfolg und möchte nicht, dass ihm etwas passiert.“ Es soll auch Rennfahrer geben, die den Kollegen keine Tipps geben, doch das liegt dem Sportsmann fern. Denn so etwas könne schnell nach hinten losgehen. „Gerade wenn ich sagen würde, dass eine bestimmte Schikane (ein Hindernis, d. Red.) leichter zu behandeln ist, als es tatsächlich der Fall ist, dann läuft der Kollege Gefahr, sie zu unterschätzen.“ Das könne mitunter böse ausgehen.

Um solche Situationen perfekt zu meistern, trainiert der zweifache deutsche Bergmeister nicht einmal. „Es gibt nicht die Möglichkeit, praktisch zu üben“, erklärt der VW-Fahrer, warum das so ist. Deshalb dreht er Videos, während er an den Wochenenden die Strecken fährt. Diese kann er sich dann zu Trainingszwecken zwischen den Rennläufen ansehen und sie eingehend analysieren. Aus diesen Sitzungen kann er viele wichtige Erkenntnisse ziehen. Unter der Woche ist der deutsche Bergmeister von 2015 und 2018 in seinem Autohaus in Aufhausen, welches er mit seiner Frau Silvia gemeinsam führt.

Leistungsunterschied beträgt bis 580 PS

  • Die Strecken:

    Bergrennen ist eine Disziplin innerhalb des Motorsports. Diese Rennen finden auf einer bergauf verlaufenden Strecke statt. Das entscheidende Kriterium ist dabei, dass die Ziellinie höher liegen muss als der Start. Einzelne Abschnitte dürfen jedoch flach oder abfallend sein.

  • Die Rennserie:

    Der KW Berg-Cup hat über 30-jährige Tradition und umfasst 2019 13 Rennen in Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz. Regelmäßig schreiben sich mehr als 100 Teilnehmer ein.

  • Die Superlative:

    Das Leistungsspektrum reicht von rund 120 PS bis hin zu über 700 PS (Porsche, Lancia Delta). Unter einem oftmals älteren Blechkleid verbirgt sich bei den Fahrzeugen modernste Technik. Auch Zylinderköpfe von Motorrädern werden verbaut. Mit solcher Technik ausgestattet kommt selbst ein kleines Fahrzeug mit 1400 ccm Hubraum auf über 230 PS. Die einzelnen Bergstrecken sind zwischen 1,6 km und 5,5 Kilometer lang. Zu den beliebtesten Rennen kommen bis zu 25 000 Zuschauer.

Dort verbringt Ebenhöh nicht selten zwölf Stunden am Tag. „Und dann geht es beim Abendessen mit der Diskussion über die Arbeit weiter“, erklärt der Vater einer Tochter, die ebenfalls bereits in der Firma tätig ist. Viel Freizeit bleibt also nicht, gerade wenn die ganze Familie auch mal bereits am Donnerstag mit dem Wohnmobil zu einem Rennen fährt.

Da müssen natürlich auch die Mitarbeiter mitspielen – und das tun sie. So unterstützen sie ihren Chef und sind damit auch Teil des großen Teams, ohne dessen Hilfe sein Engagement in diesem Umfang nicht möglich wäre. Mit diesem Engagement hat Ebenhöh gerade im vergangenen Jahr acht von zehn Rennen als Schnellster abgeschlossen, einmal war er wegen eines Fehlers Zweiter und einmal, weil er das Auto seiner Frau fuhr. Dieses ist seinem Scirocco leistungsmäßig stark unterlegen. Dennoch als Zweiter ins Ziel zu kommen, zeugt von Qualität.

Rennsport steht nun hinten an

Vereint in Familie und Hobby: Armin und Silvia Ebenhöh Foto: MONES PHOTOGRAPHY
Vereint in Familie und Hobby: Armin und Silvia Ebenhöh Foto: MONES PHOTOGRAPHY

Ebenhöhs Lieblingsstrecke liegt in St. Anton in Tirol. Die Höchstgeschwindigkeit von 198 Kilometern pro Stunde erreichte er aber im finalen Endlauf in Eichenbühl/Unterfranken im vergangenen Jahr. In Zukunft will der Familienmensch sein Hobby aber etwas zurückfahren – der Tochter zuliebe. Diese habe ihn stets unterstützt und habe deshalb bei ihrer Passion, dem Dressurreiten, zurückstecken müssen. Doch das soll sich nun ändern: „Ich möchte meiner Tochter etwas zurückgeben. Ich bin ihr und meiner gesamten Familie sehr dankbar.“ Fahren möchte Ebenhöh dennoch „so lange es eben geht“.

Zumal der Bergrennsport nicht ungefährlich ist. Ebenhöh selbst hatte bislang noch keinen schweren Unfall, doch die Gefahr bleibt. Aber gerade für Höhepunkte wie die deutsche Bergmeisterschaft, die südbayerische Bergmeisterschaft und die zahlreichen Klassensiege oder das Wetteifern um die schnellste Zeit mit anderen Fahrerkollegen lohnt es sich, noch ein bisschen weiterzumachen. Auch wenn Armin Ebenhöh dafür auf seine geliebte Schokolade verzichten muss.

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