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Würzburg im Rausch: Schuppan schießt Kickers in die 2. Liga

Würzburg steigt gleich auf, Ingolstadt vielleicht später in der Relegation. Chemnitz muss in die Regionalliga. Der letzte Drittliga-Spieltag lieferte noch einmal beste Unterhaltung.
Von Tom Bachmann, dpa

Die Würzburger Kickers steigen als zweite Mannschaft direkt in die 2. Liga auf. Foto: Daniel Karmann/dpa
Die Würzburger Kickers steigen als zweite Mannschaft direkt in die 2. Liga auf. Foto: Daniel Karmann/dpa

Würzburg.Mit Tränen in den Augen, dem Trainer im Arm und dem Aufstiegsbier in der Hand feierte Sebastian Schuppan das furiose Finale seiner Karriere.

Mit seinem verwandelten Elfmeter in der Nachspielzeit hatte der Kapitän die Würzburger Kickers zurück in die 2. Fußball-Bundesliga geschossen und das bayrische Fernduell mit dem FC Ingolstadt am letzten Drittliga-Spieltag für sich entschieden. Während sich Würzburg neben Braunschweig ab sofort Zweitligist nennen darf, dreht der FCI gegen den 1. FC Nürnberg die Extrarunde durch die Relegation.

„Als ich vor drei Jahren hergekommen bin, wollten wir aufsteigen. Jetzt ist die Mission beendet“, sagte Schuppan mit stockender Stimme bei Magentasport nach dem 2:2 gegen den Halleschen FC. Einen Punkt hatten die Kickers noch zum Aufstieg benötigt. Dass sie den durch einen sehr zweifelhaften Handelfmeter in praktisch letzter Sekunde holten, interessierte in der Party-Meute niemanden. Am wenigsten Schuppan. „Jetzt kann ich mich in Ruhe zurückziehen“, sagte der 33-Jährige. Es deutet einiges auf ein Karriereende des Routiniers hin, der bereits mit Paderborn, Dresden und Bielefeld Aufstiege in die 2. Liga gefeiert hatte.

Zum Auftakt einer wohl langen Nacht feierten die Kickers mit ihren Fans. Die Profis auf der Stadiontreppe, die Anhänger auf dem Parkplatz hinter dem Zaun. Corona-Abstandsregeln wurden kurzerhand außer Kraft gesetzt - ähnliche Szenen hatte es bereits in Braunschweig und Dresden gegeben.

In Ingolstadt muss die Party-Ausstattung vorerst in der Kiste bleiben. Zwar setzte sich das Team von Trainer Tomas Oral bei 1860 München 2:0 durch, am Ende fehlte ein Punkt zum großen Glück und der sofortigen Rückkehr in die 2. Liga. „Die Mannschaft wollte sich für die letzten Wochen belohnen. Dass es so ausgeht, ist ärgerlich. Aber wir haben noch eine riesen Chance bekommen, um das wettzumachen, was wir letztes Jahr verbockt haben“, sagte Oral.

Schon am Dienstag (18.15 Uhr/ZDF/DAZN und Amazon) muss Ingolstadt beim Club antreten, der sich bereits seit einer Woche auf das Spiel vorbereitet. Womöglich konnte sich Oral auch deshalb eine sarkastische Anmerkung nicht verkneifen. „Jeder weiß, was auf dem Spiel steht. Wir werden zweimal volle Hütte haben - natürlich nicht“, sagte der 47-Jährige. Das Relegations-Rückspiel steigt am kommenden Samstag.

Mit der Rückkehr der Zuschauer beschäftig sich der Deutsche Fußball-Bund gerade. Es sollen Konzepte für die kommende Saison ausgearbeitet werden. „Genau das werden wir in den nächsten ein bis zwei Wochen mit den Vereinen besprechen“, sagte Peter Frymuth, DFB-Vizepräsident für Spielbetrieb. „Es ist immer einfacher für einen Verein, in einem fünfzigtausend Mann Stadion eine Variante aufzuzeigen als in einem Stadion, das vielleicht für zehn-, elf- oder zwölftausend Zuschauer ausgelegt ist.“

Für den Chemnitzer FC sind diese Gedankenspiele zweitrangig. Trotz eines 4:2 gegen Hansa Rostock steigen die Sachsen in die Regionalliga ab. Dem FSV Zwickau, der einzige verbliebende Kontrahent im Abstiegskampf, genügte ein 0:0 in Mannheim, um vor dem CFC zu bleiben. „Wir haben alles gegeben, alles probiert - es ist einfach bitter. Leider sind wir nach der Corona-Pause in eine Abwärtsspirale gekommen“, sagte Dreifach-Torschütze Philipp Hosiner.

© dpa-infocom, dpa:200704-99-672280/5

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