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Leichtathletik

Zweimal Bronze für Regensburger Asse

Neben Miriam Dattke und Benedikt Huber imponieren weitere Leichtathleten auf der blauen Bahn im Berliner Olympiastadion.
Von Heinz Gläser, Andreas Schirmer und Ulrike John

Miriam Dattkes starke Leistung und Rang drei auf der blauen Bahn in Berlin standen etwas im Schatten des deutschen Rekordes über 5000 Meter, den Konstanze Klosterhalfen im selben Rennen markierte.  Fotos: Kiefner Sportfoto
Miriam Dattkes starke Leistung und Rang drei auf der blauen Bahn in Berlin standen etwas im Schatten des deutschen Rekordes über 5000 Meter, den Konstanze Klosterhalfen im selben Rennen markierte. Fotos: Kiefner Sportfoto

Berlin.Zwei Medaillen im Laufbereich waren aus Regensburger Sicht die Höhepunkte bei den deutschen Meisterschaften der Leichtathleten im Berliner Olympiastadion. „Wir sind sehr zufrieden. Wir sind in der Spitze dabei“, bilanzierte der Teamchef der LG Telis Finanz Regensburg, Kurt Ring, am späten Sonntagabend.

Für die Highlights sorgten Miriam Dattke mit Bronze über 5000 Meter sowie 800-Meter-Ass Benedikt Huber, dem zwar der vierte deutsche Meistertitel in Folge versagt blieb, der sich jedoch aus einer ungünstigen Ausgangsposition heraus und meist auf der zweiten Bahn laufend mit dem dritten Rang trösten durfte. „Ihm fehlten am Ende sichtlich die Körner“, so Ring. Huber benötigte 1:48,01 Minuten, der „verdiente Sieger“ (Ring) Marc Reuther aus Wiesbaden überquerte nach 1:47,22 Minuten den Zielstrich.

Fast einträchtig kamen Florian Orth (vorne links) und Simon Boch (rechts) ins Ziel. Es siegte Richard Ringer (14:01,69).
Fast einträchtig kamen Florian Orth (vorne links) und Simon Boch (rechts) ins Ziel. Es siegte Richard Ringer (14:01,69).

Miriam Dattke fehlte nach 15:41,81 Minuten nur eine Sekunde zur persönlichen Bestzeit. Die Leistung der Regensburgerin stand etwas im Schatten der überragenden 5000-Meter-Siegerin Konstanze Klosterhalfen (Leverkusen), die mit dem deutschen Rekord von 14:26,76 den bemerkenswertesten Auftritt dieser nationalen Titelkämpfe ablieferte und Medaillenhoffnungen im Hinblick auf die Weltmeisterschaft in knapp zwei Monaten in Doha/Katar weckte. Miriam Dattke musste ihr Rennen fast völlig allein abspulen.

Brutales Spurtrennen

Im Rahmen der Erwartungen der LG Telis Finanz blieben Florian Orth und Simon Boch mit den Rängen sechs bzw. sieben über 5000 Meter. In dem „brutalen Spurtrennen“ habe Orth, der sich auf seine Tätigkeit als Zahnarzt konzentriert, mit 14:06,69 Minuten nicht mehr in die Entscheidung eingreifen können, so Ring. Simon Boch, der kein Spezialist auf dieser Strecke ist, benötigte 14:07,75 Minuten. Konstantin Wedel wagte sich nach seinem vierten Platz über die 3000 Meter Hindernis (8:43,65 Minuten) tags darauf ebenfalls auf die 5000-Meter-Strecke. „Richtig stark“ seien der zwölfte Platz und die persönliche Bestzeit von 14:15 Minuten, lobte Ring. Auf der Hindernisstrecke hatte Wedel indes etwas der Mut verlassen, als es darum ging, das Tempo der Spitzengruppe mitzugehen.

Geschlaucht und in einem Formtief steckend beendete 400-Meter-Spezialistin Corinna Schwab die Berliner Titelkämpfe nach dem Vorlauf. Telis-Athletin Domenika Mayer ließ derweil mit einem sechsten Platz über 5000 Meter in einer Zeit von 16:24,98 Minuten aufhorchen – zumal sie die Leistung nur drei Monate nach der Geburt ihres Kindes auf die blaue Bahn in Berlin zauberte. Stark auch der achte Platz von Nachwuchsathletin Nancy Randig (SWC Regensburg) im Hammerwerfen mit einer Weite von 56,68 Metern.

Für Corinna Schwab (Foto) war früh Schluss. Titelträgerin ist Luna Bulmahn (Hannover/52,37).
Für Corinna Schwab (Foto) war früh Schluss. Titelträgerin ist Luna Bulmahn (Hannover/52,37).

„In einigen Disziplinen waren die Felder doch sehr, sehr gelichtet“, kritisierte Kurt Ring. Er machte für die teils schwache Beteiligung das neue Meldesystem des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) verantwortlich.

Sparkassen-Gala

Miriam Dattke trotz Sieg unzufrieden

Weil zwischendrin Tempo fehlt, verfehlt die U-23-EM-Starterin die gewünschte Bestzeit. „Plakatmann“ Orth muss improvisieren.

„Wir sind auf einem guten Weg“, bilanzierte hingegen DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska, der sich an zwei Tagen der „Finals“ über insgesamt 60 550 Zuschauer im Olympiastadion freute. Ein Jahr nach der gefeierten Heim-EM in Berlin mit 19 Medaillen, von denen sechs aus Gold waren, geht es für den DLV in Doha um eine Standortbestimmung für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Ein Trumpfass könnte Klosterhalfen werden, die den 20 Jahre alten deutschen Rekord über 5000 Meter knackte und um 15 Sekunden verbesserte. „Ich wusste in etwa, wo der Rekord lag“, kokettierte die 22-Jährige. Allein den Fragen zum Training im umstrittenen Nike-Projekt in den USA, die Klosterhalfen ein „bisschen sauer und traurig“ machten, entkommt sie nicht. Dagegen könnte sie bei der Wüsten-WM, wo sie über 1500 und 5000 Meter starten will, sogar den Afrikanerinnen weglaufen.

Benedikt Huber (links vorne), zuvor drei Mal Titelträger, muss Marc Reuther den Vortritt lassen.
Benedikt Huber (links vorne), zuvor drei Mal Titelträger, muss Marc Reuther den Vortritt lassen.

In der Weltrangliste rückte Klosterhalfen immerhin an die vierte Stelle. Insgesamt sind 16 deutsche Leichtathleten unter den Top Ten – Weitspringerin Malaika Mihambo sogar als Nummer eins, Zehnkämpfer Niklas Kaul als Zweiter und die Speerwerfer Andreas Hofmann, Bernhard Seifert und Thomas Röhler auf Platz zwei, drei und fünf. Allerdings offenbarten die Titelkämpfe auch, dass einst zuverlässige Kräfte und Medaillenlieferanten (noch) Probleme haben. Einen Startverzicht bei der WM erwägt Ex-Weltmeister David Storl, der nach einer Rückenverletzung mit nur 19,77 Meter gerade noch Dritter im Kugelstoßen wurde. „Mit Ach und Krach 20,70 stoßen, da brauchst du nicht zur WM zu fahren“, meinte der 29-jährige Leipziger. Außerdem fehlen ihm noch 93 Zentimeter zur WM-Norm. Sorgen bereitet zudem Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter, der erst eine Blessur auskuriert hatte und sich dann aber beim Warmmachen an der Wade verletzte, aber eine WM-Wildcard hat.

„Es könnte mir nicht egaler sein.“

Christoph Harting

Auch die frühere Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz blieb mit 18,84 Meter beim siebten Titel-Streich unter ihrem Können, aber optimistisch: „Wir üben ja noch, die WM ist erst in acht Wochen.“ An der Beschleunigungsfähigkeit muss noch Vizeeuropameisterin Gina Lückenkemper arbeiten. In 11,20 Sekunden kam sie hinter Tatjana Pinto (11,09) über 100 Meter nur auf Rang zwei.

Harting sorgt für Verärgerung

Neben seinem schnellen Aus in der Qualifikation mit drei ungültigen Würfen sorgte Diskus-Olympiasieger Christoph Harting mit respektlosen Äußerungen über den Verband und Rivalen sowie großen Sprüchen für Verärgerung. Nachdem er die vorgeschriebene Teilnahme an den deutschen Meisterschaften als „die letzte Erpressungsmöglichkeit der deutschen Leichtathletik“ bezeichnet hatte, tat er seinen K.o. in Berlin mit den Worten ab: „Es könnte mir nicht egaler sein.“

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