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Spektakel

Von tollen Fans und dünnen Trikots

Viel ist passiert bei der EM-Gruppenphase. Die MZ-Redakteure Heinz Gläser und Jürgen Scharf listen die Tops und Flops auf.
Von Heinz Gläser und Jürgen Scharf, MZ

  • Sympathisches Fanvolk: Irland feiert den Einzug ins Achtelfinale.
  • Spaniens Zukunft: Torschütze: Alvaro Morata
  • Die Meinungen gehen auseinander: Flaschengeist oder EM-Logo?
  • Unsympathisches Fanvolk: Hooligans Fotos: afp/dpa

TOP: Spanien hat wieder einen Stürmer

Bei der spanischen Nationalmannschaft ist die Zeit der falschen Neuner oder aufgerückten Zehner offensichtlich vorbei. Kaum zu glauben, aber wahr: Der Titelverteidiger spielt wieder mit einem echten Stürmer. Über viele Jahre kombinierten die Spanier mit ihrem Tiki-Taka aus dem Mittelfeld heraus alles in Grund und Boden. Ein echter Stürmer, der vorne im Zentrum auf seine Chance lauert, war da verpönt. Nun ist aber Alvaro Morata da und lässt Trainer Vicente del Bosque keine andere Wahl, als ihn aufzustellen. Dreimal hat Morata bereits getroffen. Dies wird natürlich auch bei seinem ehemaligen und neuen Verein Real Madrid genau registriert. Die haben vor kurzem die Rückkaufklausel gezogen und holen Morata von Juventus Turin zurück.

TOP: Bernd Storck und seine ungarischen Helden

Helden-Erzeuger: Ungarns Coach Bernd Storck
Helden-Erzeuger: Ungarns Coach Bernd Storck

Pal Dardai, Trainer von Hertha BSC, wollte im vergangenen Sommer keine Doppelbelastung mehr und gab seinen zweiten Job als Trainer der ungarischen Nationalmannschaft ab. Bernd Storck, der bereits in Ungarn tätig war, übernahm – und führte das Team zur EM-Endrunde. Damit der Erfolgsstory aber noch nicht genug. In ihren drei Gruppenspielen wurden die Ungarn zu einer der großen positiven Turnierüberraschungen. Gegen Österreich gab es einen Sieg, gegen Island und Portugal Unentschieden. Fünf Punkte – das bedeutete am Ende den ersten Platz in der Gruppe. Hut ab! Nun wartet mit Belgien im Achtelfinale zwar ein echter Kracher, den Ungarn ist aber auch hier durchaus etwas zuzutrauen.

TOP: Die Schiedsrichter machen eine gute Figur

Bislang alles richtig gemacht: Schiedsrichter Felix Brych
Bislang alles richtig gemacht: Schiedsrichter Felix Brych

Das größte Lob für Schiedsrichter ist es, wenn gar nicht über sie gesprochen wird. Dieser Idealvorstellung kamen die Referees bei der Vorrunde recht nahe. Sicher gab es den einen oder anderen Fehlpfiff, von einer Debatte, wie sie zuletzt in der Bundesliga geführt wurde, ist das Turnier in Frankreich aber weit entfernt.

TOP: Iren, Isländer und Nordiren

Sensationell, was die ebenso sangesfreudigen wie trinkfesten Insulaner aus dem hohen Norden des Kontinents in Frankreich aufführen. Aus Island ist gleich die gesamte Bevölkerung übergesiedelt, die Einschaltquoten dort dürften bei null Prozent liegen. Der Nordiren verdanken wir einen Ohrwurm namens „Will Grigg’s on fire“, der das Zeug zum Evergreen hat. Und die Iren, ach, die Iren! Wem bei deren Freudentränen nach dem späten 1:0-Sieg gegen Italiens B-Elf nicht das Herz aufging, der hat eines aus Granit.

TOP: Das lustige EM-Logo sorgt für Unterhaltung

Manche Vorrundenpartie war für die Zuschauer am Fernseher eine zähe Kiste. Gut, dass dabei zumindest immer wieder das EM-Logo eingeblendet wird. Dieses zeigt einen verträumt gezeichneten Pokal, der eher an Flaschengeister denn an Fußball erinnert, Mit märchenhaften Gedanken lässt sich dann auch ein müdes 0:0 gut überstehen...

Eine Grafik zu den Achtelfinalpaarungen bei der EM finden Sie hier:

FLOP: Trikots in Fetzen – und aus dem Ball ist die Luft raus

Das Schweizer Trikot – nichts für die Ewigkeit.
Das Schweizer Trikot – nichts für die Ewigkeit.

Ausgleichende Gerechtigkeit auf dem Sportartikelsektor: Als die Schweizer Trikots reihenweise den Reißtest durch französische Abwehrhände nicht bestanden, schritt der eidgenössische Abwehrrecke Johan Djourou zur Tat und trat brachial den Ball kaputt. Insofern war das Marketingdesaster bei dieser Vorrundenpartie perfekt verteilt. Adidas-Chef Herbert Hainer, aus dessen Ballschmiede das malträtierte Spielgerät stammt, heuchelte Mitgefühl mit dem Herzogenauracher Erzrivalen Puma: „So etwas kann immer mal passieren.“

FLOP: Eine Pfütze hätte ein prima EM-Logo abgegeben

Die Euro, ein Wolkenmärchen: Jogi Löw, pudelnass
Die Euro, ein Wolkenmärchen: Jogi Löw, pudelnass

Darauf war letztlich keiner gefasst. Als Maskottchen für diese EM hätte sich ein Fisch angeboten, und eine Pfütze hätte ein prima EURO-Logo abgegeben. Petrus ließ es in den ersten beiden Turnierwochen unaufhörlich und unerbittlich regnen, das drückte speziell im deutschen Quartier in Evian am Genfer See irgendwann schwer aufs Gemüt. Jogi Löw fing sich einen leichten Schnupfen ein. Chronisten werden dereinst vermerken, Frankreich habe im Jahr 2016 ein sportliches Wolkenmärchen gesehen.

FLOP: Österreichs Rolle als Mitfavorit bleibt geheim

„Servas“ und „baba“: Österreich fährt heim.
„Servas“ und „baba“: Österreich fährt heim.Foto: dpa

Auch das muss man erst mal hinkriegen. Da schickt man erstmals seit Menschengedenken – oder genauer seit der WM 1978 in Argentinien – eine auf dem Papier turnierfähige Mannschaft ins Rennen, avanciert gar zum Geheimfavoriten – und verabschiedet sich dann nach einer desaströs verlaufenen Vorrunde sang- und klanglos in die alpenländische Heimat. Der Österreicher trägt statt rot-weiß-rot aktuell Trauer. David Alaba wollte alles alleine machen und rieb sich dabei auf. Ob so eine Chance so schnell wiederkommt?

Eine Bildergalerie vom Spiel Deutschland gegen Nordirland finden Sie hier:

Deutschland gewinnt gegen Nordirland mit 1:0

FLOP: Viel Aufwand für die Lotterie „Acht aus 24“

Acht aus 24 – der Rechenschieber ist bei dem Turnier gefragt.
Acht aus 24 – der Rechenschieber ist bei dem Turnier gefragt.

An warnenden Worten hatte es im Vorfeld wahrlich nicht gefehlt, doch die Uefa schlug sie in den Wind. Das auf 24 Teams aufgeblähte Turnier entsprach dann oftmals den Erwartungen. Eine kompakte Defensive garantiert beizeiten eine torloses Remis, und da in der Vorrunde mit ihrem schwer zu kalkulierenden Modus der vier besten Gruppendritten ein Zähler Gold wert sein konnte, spiegelte sich das auf dem Rasen wider. 2014 in Brasilien triumphierten die Offensivkünstler, nun waren die Rechenkünstler an der Reihe.

FLOP: Radau auf den Straßen und in den Stadien

Es will einem nicht in den Kopf, und doch gehört die stumpfsinnige Gewalt mittlerweile zum festen Begleitprogramm einer Europameisterschaft. Engländer und Russen missbrauchten das schöne Marseille als Bühne für Straßenschlachten, deutsche Hooligans posierten in Lille mit der Reichskriegsflagge. Herr, wirf doch mal statt Regen Hirn vom Himmel! Fast schon tröstlich war es da, wie die kroatischen Radaubrüder mit einem Stadionfeuerwerk ihre hemmungslos überlegene Mannschaft so aus der Spur brachten, dass diese den Tschechen noch ein 2:2 erlaubte.

Hier finden Sie ein MZ-Spezial zur Fußball-EM.

Unser Sportreporter Heinz Gläser begleitet die deutsche Nationalmannschaft in Frankreich. Was er erlebt, schreibt er in seinem Tagebuch mit:

Weitere Informationen zur EM finden Sie in unserem Newsblog:

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